Zum glamourös Hinfläzen

Zum glamourös Hinfläzen

Lust auf Filme, aber nicht auf Eintritt? Lust auf Entertainment, aber nicht auf Pseudo-VIP-Tralala? Dann bist du bei der Boddinale genau richtig.

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Alternativen sind meist gut. Oft braucht man einen Plan B. Wenn es mit dem Studium nicht klappt, kann man arbeiten gehen oder einfach so ein Jahr faulenzen. Wenn das Ticket der Lieblingsband mal wieder unbezahlbar ist, gibt es genug Tribute-Bands. Doch ehrlich gesagt klingt das nicht wirklich nach guten Alternativen. Besser wird es, wenn diese soweit vom ursprünglichen Plan weg sind, das vergleichen schwer ist.

SLEAZE.Boddinale1Versuchen kann man es trotzdem. Die Berlinale, das Berlin Independent Film Festival und die Boddinale finden in Berlin statt. Alle starten offiziell am 11. Februar. Das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Die Berlinale ist die polierte Hochglanz-Version eines Film-Festivals mit jeder Menge Stars und einigen großen Hollywood-Produktionen. An Karten ranzukommen ist ziemlich schwer. Das BIFF ist auf Independent- und Low-Budget-Filme spezialisiert. Der Eintritt kostet acht Euro pro Film und ist damit gerade so noch bezahlbar. Wer aber die wahren Künstler aus dem Untergrund Berlins erleben und kennenlernen will, sollte einzig und allein zur Boddinale.

Hier geht es um Low- bis No-Budget-Arbeiten und hinkommen kann jeder. Es ist nämlich kostenlos. Dabei kann alles sein. Von Handyfilmchen über Musikvideos bis Dokumentationen und manchmal auch grauenhaften Spielfilmen gibt es alles zu sehen. Es ist bereits das vierte Mal, dass die Boddinale stattfindet, wieder im Loophole und in der FilmBar. Gezeigt werden die Werke auf fünf Screens gleichzeitig. Mehr als 70 Regisseure kann man dort antreffen, doch selbst bei dieser lässigen Veranstaltung müssen sie und ihre Filme Bedingungen erfüllen, um teilnehmen zu dürfen. Der Filmemacher muss in Berlin wohnen oder von dort kommen – egal wie. Es würde also reichen, wenn man nur den ersten Monat seines Lebens in der Hauptstadt verbracht hat. Dann muss eine Geschichte vorhanden sein. Diese Regel ist aber flexibel, da man sich auch mit den Veranstaltern vorher streiten darf, wie viel Handlung vorhanden ist. Außerdem muss der Regisseur bereit sein, am Ende über seinen Film mit dem Publikum zu sprechen und Fragen zu beantworten. Die möglicherweise hitzigen Diskussionen können jeden Abend auf verschiedensten Partys und Konzerten weiter geführt oder bei einem Drink beendet werden. Bis zum 21. Februar werden jeden Tag von 18 bis 23 Uhr zwischen sechs und elf Filme gezeigt. Am letzten Tag werden dann die Boddinale Awards in fünf Kategorien verliehen. Darunter erstmalig auch eine Trophäe für die SLEAZE.Boddinale3beste Dokumentation. Die Preisträger werden im Anschluss noch einmal gezeigt. Wer also nur mal für die Highlights vorbei schauen möchte, kann gerne noch bis zum 21. Februar warten.

Alle anderen Trash- oder Art-House-Fans sollten es sich schon mal auf dem Sofa des Loopholes in der Boddinstraße 60 in Berlin-Neukölln gemütlich machen, denn Sitzplätze sind rar bei so vielen künstlerisch wertvollen Werken. Es könnte natürlich auch ein bisschen am Eintrittspreis liegen. Das Beste an dem Neuköllner Film-Festival ist aber die Möglichkeit, die es unbekannten Berliner Regisseuren bietet. Sie können ihre Filme einem größeren Publikum vorstellen und haben die Chance, direktes Feedback zu bekommen. Denn wenn sie erstmal so bekannt wie Martin Scorsese und Peter Jackson sind, bleibt wenig Zeit für den direkten Kontakt und die Konfrontation mit den tatsächlichen Kino-Besuchern.

Maurin

Zusammengefasst: Die Boddinale findet vom 11. bis 21. Februar 2016 (zeitgleich zur Berlinale) statt in der Boddinstraße 10, 40 und 62 in Berlin-Neukölln. Das sind das Loophole, die FilmBar und das Laidak. Der Eintritt ist frei und die Filme werden jeden Tag von 18 bis 23 Uhr auf fünf  Leinwänden gleichzeitig gezeigt.

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