Zoomania: Disney wie Pixar

Zoomania: Disney wie Pixar

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Mit Zoomania stellt Disney Animation Studios seinen nächsten Animationsfilm vor. Disney ist nicht Pixar, aber sie machen sich inzwischen ziemlich gut. Seit 2002 verleiht die Academy of Motion Picture Arts and Sciences einen eigenen Oscar für Animationsfilme. Disney ist ja das altehrwürdige Studio, welches in der Vergangenheit ganze Generationen von Heranwachsenden durch Zeichentrickfilme wie Arielle, die Meerjungfrau und den König der Löwen prägte. Und Disney hatte diesen Oscar noch nie gewonnen, Pixar hingegen ganze sechs Mal. Das galt allerdings nur bis 2014, als Disney es dann mit Frozen doch mal schaffte und diesen Erfolg ein Jahr später mit Big Hero 6 sogar wiederholen konnte. Schon vor diesen beiden Werken hatten sie auch Wreck-It Ralph herausgebracht, eine wunderbare Hommage an Videospiele der 80er Jahre. Auch Pixar war in der Zwischenzeit nicht untätig und holte sich beispielsweise in diesem Jahr die Oscar-Krone mit Inside Out zurück. Doch wenn man Zoomania, eben den neuesten Disney-Animationsstreich, gesehen hat, bleibt vor allem der Eindruck zurück, dass sich Disney und Pixar mittlerweile nicht mehr viel nehmen – und das will einiges heißen angesichts der Qualität der Pixar-Veröffentlichungen.

ZOOTOPIA – TRAIN STATION
Zootopia – Stadt der Träume

Pixar? Die haben’s doch drauf…

Aber was ist denn überhaupt der Pixar-Code, was macht Filme wie Wall-E oder Ratatouille so gut? Diese Frage lässt sich mit Sicherheit nicht endgültig beantworten. Punkten kann und konnte Pixar schon immer auf der technischen Seite des Filmemachens: Zuerst in der Entwicklung der Computertechnik an sich, die die animierten Welten erst möglich machte. Dann aber auch in ihrem filmischen Storytelling. Pixar-Filme sind einfach gute Filme. Auch wenn eine Kamerabewegung in einem Pixar nur animiert ist, so ist sie doch mit Köpfchen eingesetzt, hat Sinn und erfüllt ihren Zweck, nämlich eben den, etwas zu erzählen, die Zuschauenden visuell auf etwas hinzuweisen. Das ist die hohe Kunst des Filmemachens und Pixar hatte das schon immer verstanden. Erkennen kann man dies beispielsweise, wenn man sich anschaut, wie geschickt die Filmemacher in Ratatouille die Geschmäcker und Gerüche des zubereiteten Essens für die Zuschauer übersetzen (Merke: Im Kino gibt es – bisher – weder riechen noch schmecken! 🙂 ), oder wie die erste knapp halbe Stunde von Wall-E abläuft, ohne dass ein einziges Mal gesprochen wird – und was für eine Zukunftsvision trotz des Nicht-Sprechens entsteht!

Und Pixar zeichnet auch aus: der Tiefgang ihrer Storys. Eine Ratte, deren Eltern am liebsten Abfall aßen, wird Gourmet-Koch? Am Ende versöhnen sich Ratten und Menschen? Ein kleiner Roboter räumt die Erde auf? Die Menschen sitzen nur noch fett in fahrbaren Rollatoren mit einem Screen vor sich, niemand schaut sich mehr in die Augen? Besser geht‘s wohl nicht, und diese Filme gelten eigentlich als Kinderfilme! Doch hier wird ein Kritikpotenzial abgefeuert, das in Real Life-Filmen in letzter Zeit mehr und mehr verloren geht.

Zoomania: auch ganz gut

Und hier setzt auch Zoomania an: Der Film spielt in Zootopia, einer gigantischen Stadt, in der verschiedenste Tiere zusammenleben. Tiere leben zusammen in einer Stadt? Ja, denn es sind menschenähnliche Tiere, die auf ihren Hinterbeinen laufen, sprechen können und auch Auto fahren oder gern Smoothies trinken. Alles wie bei uns also, außer, dass es Tiere sind. Und, um ganz präzise zu sein: Menschen sind auch Tiere.

Das ungleiche Team Nick & Judy

Aber so leicht ist es dann doch nicht für die Tiere, zusammenzuleben. Da sind zum einen teilweise extreme Größenunterschiede (Mäuse und Elefanten! 🙂 ) sowie auch schlicht die Tatsache, dass manche Tiere Raubtiere sind, andere Pflanzenfresser und traditionell eher die Opfer der Raubtiere. Doch – Analogie zu Menschen! – die friedlichen Tiere von Zootopia haben ihre genetisch programmierte Natur abgelegt, um zusammen in Gemeinschaft existieren zu können.

Schon das ist ja in Zeiten von Polizisten-Morden, Donald Trump und der „Flüchtlingskrise“ höchst politisch. Doch der Film geht noch weiter: Die Hauptfigur ist die Polizistin Judy Hopps, ein Häschen. Und Hasen können eigentlich gar keine Polizisten sein, das können nur Raubtiere. Judy aber hat einen Traum und tut einiges dafür, dass er wahr wird. Fest an sich glaubend, wird sie so als erstes Nicht-Raubtier Polizistin in Zootopia. Dabei zeigt Zoomania nicht auf eine platte Art, dass man alles erreichen kann, wenn man nur will, sondern lässt vor allem durchblicken, worauf es ankommt: dafür kämpfen, erfindungsreich sein und gerade scheinbare Schwächen ausgleichen. Auch Rückschläge bringen Judy nicht von ihrem Weg ab. Eine höchst positive Botschaft für Kinder, noch dazu personifiziert von einer femininen Hauptfigur. Politisch korrekter geht es nicht mehr, und das ist auch gut so, denn Zoomania kommt gar nicht didaktisch (und damit öde) rüber.

Starke Charaktere und eine starke Story. Doch auch auf der technischen Seite überzeugt Zoomania: Sowohl die Stadt an sich wie auch die einzelnen animierten Tiere zeichnen sich durch einen ungeheuren Detailreichtum aus. Auch Mimik und Ausdruck der Tierchen kommen – Pixar-mäßig – exzellent rüber: Das Häschen Judy Hopps lässt mal traurig die langen Ohren hängen, dann spitzt sie sie wieder, um kleinste Geräusche wahrzunehmen. Flüssig ist auch das filmische Erzählen, beispielsweise wenn Judy und wir als Zuschauer mit ihr das erste Mal in einem Zug nach Zootopia hineinfahren und die neue Welt erkunden.

Der eigentliche Plot von Zoomania schneidet dabei auch nicht schlecht ab, hier ist der Film allerdings womöglich nicht so innovativ wie z.B. Inside Out: Judy bildet zusammen mit dem schlauen Fuchs Nick Wilde ein Buddy-Cop-Team. Gemeinsam gehen sie dem ungeklärten Verschwinden einiger Tierchen nach und versuchen, das Geheimnis zu lösen. Das ist nicht schlecht, bildet aber letztendlich nur den Aufhänger für die besten Szenen des Films wie die Verfolgungsjagd im Nagetier-Viertel, in dem Judy und der verfolgte Kriminelle für die kleinen Nager ungefähr so groß sind wie Godzilla. Spannung, Humor, soziales Bewusstsein, starke Charaktere und ein technisch genialer Film: Was will man mehr?

Robert

Titel: Zoomania
Regie: Byron Howard, Rich Moore, Jared Bush
Laufzeit: 108 Min.
VÖ: 15.7.2016 (DVD, Blu-Ray, VoD)
Verleih: Walt Disney Germany

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