The Last of Us 2: Und erneut konnte ich die Tränen nicht...

The Last of Us 2: Und erneut konnte ich die Tränen nicht zurückhalten

Überwiegend spoilerfrei.

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Die Reise von Joel und Ellie hat mich 2013 mitgenommen wie kein anderes Abenteuer. Joel ist ein Mann, dem das Wichtigste genommen wurde, seine Tochter. Mit Ellie entdeckt er nach und nach die Liebe und Gutherzigkeit wieder, die er so lange abgestoßen hat. Ellie ist Joels Tochterersatz und wie sich ihre Beziehung entwickelt, ist die große Geheimformel, warum The Last of Us in meinen Augen ein Geniestreich ist.

SLEAZE + The Last of Us 2
„Why are we still here? Just to suffer?“ Dieses Zitat könnte auch aus diesem Spiel stammen.

Und nun nimmt uns Naughty Dog erneut mit auf eine schmerzvolle Reise, in der aber nicht die Liebe am Ende siegen soll, sondern der Hass. Denn in The Last of Us 2 geht es um Rache. Wir übernehmen diesmal die Rolle einer erwachseneren Ellie, die Qualen erleidet, um das zu bekommen, was sie will. Die ihre Menschlichkeit hierbei verliert, Trauer und Schmerz ertragen muss und das alles müssen wir auch. Ich sage es frei heraus: The Last of Us 2 ist eine heftige Erfahrung, die so stark wie der Vorgänger, wenn nicht sogar stärker ist.

Bevor wir beginnen

In diesem Test werde ich auf einen frühen Spoiler im Spiel eingehen müssen. Anders könnte ich diesen Test nicht vernünftig schreiben. Der Rest bleibt spoilerfrei. Ich will hiermit erklären, warum dieses Spiel so großartig ist und aufklären, wieso viele es genau anders sehen. Denn kein Zweifel: The Last of Us 2 polarisiert. Die laute Minderheit, die sich bereits vor Release zur Aufgabe gemacht hat, Unsinn über dieses Spiel zu verbreiten, soll kein Themenschwerpunkt in dieser Review werden. Darauf gehe ich bereits streng genug in meinem Kommentar zur momentanen Situation ein.

Aber eine Entwarnung: Jegliche Befürchtung, die ich hatte, war ein Produkt des Aufschreis, der kurz nach den Leaks entstand. Und jetzt, nachdem ich viele Stunden in The Last of Us 2 investiert habe, kann ich nur sagen, dass ich keinen Grund zur Sorge hätte haben müssen. Die Leaks, in die ich mich schlussendlich reingelesen habe, spiegeln nicht im Entferntesten das wider, was The Last of Us 2 für mich ist. Das Spiel hat mich gefesselt, gefoltert und zum Sterben zurückgelassen. So brutal war kein anderes Spiel bisher zu mir.

Was der erste Teil für mich bedeutet

Ich denke an viele starke und emotionale Momente zurückh, die sich in meinem Kopf eingebrannt haben und immer noch nachwirken. Vor allem das bittersüße Ende erweckt ein ungewohntes Gefühl in mir. Ellie ist die einzige Hoffnung auf ein Heilmittel, aber die Rettung der Erde würde ihren Tod bedeuten. Joel kann das nicht akzeptieren und fällt die Entscheidung, stattdessen die Welt zu opfern. Wie viel hat er mit dieser Entscheidung für Ellie getan und wie viel nur für sich selbst? Ein unkonventionelles Ende, ohne den Sieg über das Böse oder einem Happy End. Nein, einfach ein Ende mit einer großen Lüge. Denn Ellie kennt nicht die Wahrheit, doch sie weiß, dass etwas nicht stimmt. Und mit dieser Zwickmühle geht es in Part 2 weiter.

SLEAZE + The Last of Us 2
Die Vergangenheit holt uns irgendwann alle ein.

Der Mann, der die Welt opferte

Wir beginnen Teil 2 damit, dass Joel seinem Bruder Tommy erzählt, dass er die Rettung der Menschheit für das Leben eines Mädchens getauscht hat. Tommy kennt Joels Vergangenheit besser als jeder andere an diesem Punkt und kann diese finale Entscheidung nachvollziehen. Außer Joel, Tommy und seiner Frau Maria weiß keiner von Ellies Immunität. Und so vergehen vier Jahre, in denen die Reisenden ein normales Leben – so normal, wie es nur möglich ist – in der Kleinstadt Jackson annehmen. Doch irgendetwas scheint zwischen Ellie und Joel zu stehen.

Bevor wir jedoch erfahren können, wo der Schuh drückt, passiert der große Spoiler. Joel landet in einen Hinterhalt, wird gefoltert und stirbt. Ich habe hier nicht eine Träne zurückhalten können. Und das war nicht einmal der emotionale Höhepunkt. Ja, diese kontroverse Idee hatte ich vermutet, aber nicht so früh und nicht auf diese Art. Und genau das hat mich erbarmungslos getroffen.

Ellie muss zudem den barbarischen Mord an Joel ertragen und schwört Rache. Das ist wirklich schwer zu verdauen, aber etwas, womit The Last of Us 2 Mut beweist. Die Trailer haben uns brillant auf eine falsche Fährte gelockt, um uns mit diesem grausamen Moment zu überraschen. Und jetzt wollen wir genau wie Ellie wissen, wieso Joel sterben musste, und uns für den Mord rächen.

Aber The Last of Us 2 soll ganz anders verlaufen. Wir sollen wütend sein, das ist richtig. Nur geht es hier nicht darum, dass das Gute über das Böse obsiegt. Gut und Böse gibt und gab es in diesem Franchise noch nie und mit dem Sequel wird diese Grauzeichnung der Figuren noch präsenter. In The Last of Us 2 ist Joel die Schnittstelle für alles, was passiert ist und was noch kommen wird. Letzten Endes geht es darum, zu verstehen und zu akzeptieren.

Im ewigen Kreis der Rache

Ellie ist nicht mehr der kleine, junge Hüpfer, der alles gelassen mit Humor nimmt. Sie hat sich verändert. Nicht überraschend, denn sie hat viel gesehen und einiges durchmachen müssen, sowohl im ersten Teil als auch nun mit Joels Tod. In The Last of Us 2 haben wir eine Ellie, die vor gnadenloser Folter nicht mehr zurückschreckt. Sie ist rücksichtsloser und wird sehr von ihrer Rache gelenkt. Manchmal sogar etwas zu sehr, dass die schönen und „menschlichen“ Eigenschaften an Ellie seltener geworden sind. Dadurch verliert ihre Figur auch etwas die Magie, die sie im Vorgänger so wunderbar transportieren konnte.

Aber das Motiv ist Rache und darum geht es in erster Linie. Man muss jetzt aber nicht nur ein durchgehendes Schnetzeln befürchten. Im Laufe der 20 bis 30 Stunden werden wir gelegentlich mit ruhigen Rückblicken belohnt, die unter anderem Fragen auflösen, die wir uns zum Schluss des Vorgängers gestellt haben – jedoch auch ein weiterer Tritt in unser bereits leidendes Herz sind.

SLEAZE + The Last of Us 2
Wenn Ellie leidet, leiden wir auch.

Neben Ellie treffen wir in The Last of Us 2 auf altbekannte, aber auch viele neue Personen, die ebenfalls ihren Wandel durchliefen oder noch durchlaufen werden. Naughty Dog schafft es gekonnt, eine eher simple Geschichte mit starken Charakterentwicklungen zu erzählen. Wobei hier ein noch größerer Fokus auf die Botschaft des Spiels gelegt wird. Zum Ende hin wirkt das Spiel fast schon poetisch.

Ein mutiger Perspektiven-Wechsel

Hitzig diskutiert wird ein krasser Bruch beim vermeintlichen Höhepunkt des Spiels. Man wird quasi zurückgeworfen und beginnt das Abenteuer neu, aber eben aus einer anderen Sicht. Ich kann absolut nachvollziehen, warum andere Magazine so wenig über den Plot verraten durften, denn dieses Spiel kommt mit einigen überraschenden Wendungen daher. Deshalb ziehe ich hier ebenfalls die Grenze, den Rest soll jeder für sich herausfinden.

Soviel kann ich aber noch sagen: Jene Wendung beeinflusst nicht nur die Geschichte, sondern auch das Gameplay und sogar, wie wir uns fühlen, wenn wir spielen. Denn The Last of Us 2 soll nicht immer Spaß machen. Und genau das missfällt einigen Spielern.

Manchmal geht es aber einfach darum, sich von der Norm zu verabschieden und eine konsequent harte Message zu übermitteln. Dieses Survival-Abenteuer lässt dich über deine Taten nachdenken oder versucht es zumindest. Das fängt schon damit an, dass jeder 08/15-Soldat einen Namen hat und sein Partner diesen tatsächlich schreit, wenn wir ihm den Kopf wegpusten.

Manche dieser „Überraschungen“ mögen dem ein oder anderen nicht schmecken, aber man muss sich darauf einlassen, denn The Last of Us 2 funktioniert nur als Gesamterfahrung. Dieses überwältigende Erlebnis verlangt nämlich, dass wir unsere egoistische Vorstellung, wie alles verlaufen soll, beiseitelegen und die harte Realität und Brutalität akzeptieren.

Die (erweiterte) Naughty-Dog-Formel

Der Wechsel zwischen Action und Ruhemomenten funktioniert auch im Nachfolger großartig. Die Dialoge unter den Figuren verlaufen sehr dynamisch. Manchmal entstehen Gespräche derart natürlich, sodass man kurzzeitig vergisst, dass es sich hierbei um ein Videospiel handelt. Manche Situationen wechseln aber auch ruckartig ihr Tempo. An einer Werkbank fühlte ich mich sicher, bis ich plötzlich von Feinden attackiert wurde. The Last of Us 2 bricht ab und zu mit Gewohnheiten, sodass man sich nie sicher fühlen kann. Simple Rätsel gibt es ebenfalls weiterhin, diese sind etwas abwechslungsreicher gestaltet als im vorherigen Teil, wo man einmal zu oft Müllcontainer verschieben musste.

Mit Gustavo Santaolalla setzt Naughty Dog auch dieses Mal auf den richtigen Mann, der diesem postapokalyptischen Setting seine Würze in Sachen Musik verleiht. Die Klänge sind wieder einzigartig und emotional. Hilfe bekam Gustavo für Part 2 von Mac Quayle, der für den Soundtrack der großartige Serie Mr. Robot verantwortlich ist.

SLEAZE + The Last of Us 2
Nicht nur Gustavos Musik ist im Spiel präsent, sondern der werte Herr höchstpersönlich.

Ungewöhnlich für das Studio ist die große Weitläufigkeit in den Levels und generell die recht lange Spielzeit. Relativ am Anfang erkunden wir ein besonders weites Gebiet, ähnlich wie der Madagaskar-Abschnitt in Uncharted 4. So groß sind die darauffolgenden Orte nicht mehr, aber trotzdem kann man fast überall mehrere Pfade entlanglaufen, um zum Ziel zu kommen. Diese Illusion einer offenen Welt tut The Last of Us 2 sehr gut.

Und natürlich erzählt auch die Welt ihre ganz eigenen Geschichten. Über Artefakte erfahren wir nämlich, was an einem Ort passierte. Zum Beispiel ist ein geplündertes Geschäft oft so viel mehr, wenn man die Geduld hat, sich damit auseinanderzusetzen. Diese Kurzgeschichten hauchen der Welt Leben ein. Sie sind der heimliche Star, nicht nur storytechnisch, sondern auch wie und wo Objekte platziert wurden oder wie wir von A nach B kommen. Alles mit einer klaren Vorstellung, wie es auszusehen hat. Vom dichten Dschungel, der Seattle letzten Endes geworden ist, bis hin zu einsturzgefährdeten Wolkenkratzern. Die Settings sind zwar weniger abwechslungsreich als noch im Vorgänger, dafür aber mit einem umso größeren Alleinstellungsmerkmal. Einziges Manko: Die Weitläufigkeit der Gebiete führt auch dazu, dass die Spielzeit enorm gestreckt wird.

So muss Stealth!

Das Gameplay hat einen besonders großen Sprung gemacht. Wortwörtlich, denn nun haben wir sogar eine Sprungtaste. The Last of Us 2 spielt sich nun viel schneller und flüssiger. Man erkennt leichte Uncharted-Vibes. Ellie ist agiler als Joel und kann so schnell von Deckung zu Deckung hüpfen, wenn es mal brenzlig wird. Es gibt sogar eine neue Ausweich-Funktion, die sich nahtlos in das Spiel einfügt, als wäre sie schon immer da gewesen. Sie macht Nahkämpfe taktischer. Oder wir gehen es ruhig an, weil unsere Ressourcen sehr knapp werden können, zumindest auf dem Schwierigkeitsgrad Schwer oder höher. Einen einfacheren Schwierigkeitsgrad würde ich nur Leuten empfehlen, die gar keine Gaming-Erfahrung haben.

SLEAZE + The Last of Us 2
Groß, größer, Seattle!

Zum anderen sind die Stealth-Mechaniken derart gewachsen, dass The Last of Us 2 für mich mit „echten“ Stealth-Spielen ganz klar mithalten kann. Im hohen Gras kriechen wir an Wachen vorbei, überraschen sie mit unserem Messer von hinten oder schalten sie aus der Ferne mit Pfeil und Bogen aus. Vor allem die KI ermöglicht je nach Schwierigkeitsgrad ein forderndes Erlebnis. Und die bereits erwähnte Brutalität sorgt hier für ein unangenehm realistisches Gefühl, wenn Ellies angestrengtes Gesicht nach einem unsauberen Schnitt durch die Kehle mit Blut vollgeschmiert wird. Besonders die brutale Kunst kann am Ende aber zu viel des Guten sein. Zumindest mir ging es in den letzten Stunden so. Nach dermaßen viel Leid wollte ich nur noch ein freundliches Gesicht antreffen.

Töten, töten, töten!

Ja, es stimmt, in diesem Spiel tötet man verdammt viel. Insbesondere deshalb, da das geschickte Durchschlängeln nicht immer so einfach ist. Man kann die Spielfigur und ihre Waffen aufwerten. Die Verbesserungen sind spürbar und vereinfachen das Gameplay. Auf Dauer kann das trotzdem leicht monoton werden. Aber Leute versenken auch in Online-Spielen hunderte Stunden und das Gameplay bleibt da genauso repetitiv. Es bleibt also eine subjektive Wahrnehmung.

The Last of Us 2 versucht Abwechslung in Form von leichten Genre-Wechseln hinzubekommen. In einer Szene müssen wir im Wald eine Horde von anstürmenden Infizierten verprügeln. In einer anderen Szene schleichen wir durch ein pilzverseuchtes Gebiet, was vom Horror her teilweise an Dead Space erinnert. Hier hat man sich eindeutig mehr getraut als noch im Vorgänger.

Helles Köpfchen

Die verbesserte KI verleiht den Gefechten viel mehr Spannung. Feinde suchen systematisch das Gebiet ab, formieren sich neu und flankieren den Spieler. Sie können Hunde auf uns loshetzen oder nur über Pfiffe kommunizieren, was ihren nächsten Schritt nur schwer identifizierbar macht. Unsere abwechselnden Partner profitieren aber auch von der klügeren KI oder vielmehr wir profitieren davon. Denn sie stampfen nicht mehr nur so vor uns her, sondern sind leise und verstecken sich clever und erledigen im Kampf angreifende Feinde.

SLEAZE + The Last of Us 2
Wir sind fast nie allein unterwegs. Wenigstens ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Die Infizierten sind ebenfalls etwas pfiffiger geworden, aber im Vergleich zu den Menschen keine Herausforderung. Dafür sind die neuen Infizierten-Formen eine erfrischende Abwechslung. Shambler stürmen auf einen zu und versprühen eine ätzende Giftwolke. Aber auch altbekannte Infizierte haben ein „Upgrade“ erhalten. Stalker unterscheiden sich endlich mehr von Runnern und laufen ähnlich wie Affen in geduckter Haltung oder springen aus Wänden heraus. Clicker sind eine Schippe widerlicher geworden und Bloater stellen eine extremere Gefahr dar.

Das schönste Spiel dieser Konsolengeneration

The Last of Us 2 ist schön. Ende. Wenn du die Trailer oder Bilder gesehen hast, dann brauche ich eigentlich nicht mehr viel dazu sagen. Diese Grafik-Wucht ist nicht überraschend, schließlich steckt Naughty Dog dahinter, das so ziemlich mit jedem Spiel sein künstlerisches Talent bewiesen hat. Und nein, deine PlayStation sollte bei dieser grafischen Leistung nicht in Flammen aufgehen oder lauter als ein Kirchenchor arbeiten. Selbst meine OG-PlayStation hat meine Zehn-Stunden-Sessions problemlos gemeistert, sie wurde lediglich an einigen wenigen Stellen im Spiel etwas lauter als sonst.

Dieses Mal übertrifft sich das Studio aber noch einmal mit kleinen Feinheiten: Die tränenfeuchten Augen, die detaillierten Komponenten einer Pistole, die widerlich pilzbewucherten Infizierten – alles wurde bis zur Perfektion gezeichnet und animiert. Wie man klettert, ausweicht, die Waffe hält und nachlädt. Die Figur, die wir steuern, fühlt sich schlichtweg natürlich an. In manchen Gefechten hat man das Gefühl, das der Moment völlig geskriptet ist, nur um dann überraschend festzustellen, dass die Szene auch anders hätte ablaufen können.

SLEAZE + The Last of Us 2
Kann ich so unterschreiben, Ellie.

Die Kraft, die hinter den lebhaften Gesichtsausdrücken steckt, habe ich noch nie so sehr wahrgenommen wie in The Last of Us 2. Wir erkennen die Angst oder Wut in den Augen unserer Figur und sehen die Miene eines Gegners, die sich sichtbar schmerzvoll verändert, wenn wir ihm eine Axt in die Brust rammen. Sowohl die Emotionalität als auch die Brutalität profitieren massiv von diesem Fortschritt.

Starke Animationen und eine beeindruckende Grafik vermischen sich zu einem herausragenden Gesamtprodukt. The Last of Us 2 ist deshalb nicht nur das schönste Konsolenspiel bis dato, es ist auch eines der schönsten Spiele aller Zeiten.

Mehr ist nicht immer besser

Ich habe viel gelobt, ich weiß. Aber ein negativer Kritikpunkt wurde noch nicht ganz deutlich. Denn The Last of Us 2 ist mit seinen 20+ Stunden das längste Abenteuer aus dem Hause Naughty Dog bisher. Und genau da ist das Problem. Es wird ausgesprochen viel in diese Handlung verpackt und ganz zum Schluss hat auch jeder dieser Momente seine Bedeutung. Was als eine TV-Serie mit mehreren Staffeln gut funktionieren würde, ist für ein Videospiel vielleicht doch ein Ticken zu viel. Denn zwischen großen Story-Momenten wird manchmal etwas zu sehr zurückgefahren.

Das andere Problem, dass ich mit der Länge habe, ist, dass ein zweiter Handlungsstrang zusammen mit dem bereits erwähnten Perspektiven-Wechsel kommt, der sich zu weit von der eigentlichen Hauptstory entfernt. Ich fand diesen zweiten Handlungsstrang trotzdem aufregend, aber es ist etwas, was bei einer Serie funktioniert, in einem Spiel nur bedingt.

Zudem haben wir diesmal einen viel größeren Cast. Obwohl alle Figuren diese Rache-Geschichte bereichern, gibt es trotzdem die ein oder andere Figur, die vergleichsweise zu blank oder zu einseitig geschrieben ist. Nur: Wir sprechen hier von Naughty Dog; zu blank oder einseitig ist immer noch mehr und besser, als in vielen anderen Videospielen das der Fall ist.

SLEAZE + The Last of Us 2
Ein gewaltiges und gewaltätiges Spiel.

Innovative Barrierefreiheit

Eine Sache, die wirklich erstaunlich ist, sind die Einstellungsmöglichkeiten in diesem Spiel. The Last of Us 2 bietet so viele Möglichkeiten, die eine nie zuvor dagewesene Barrierefreiheit ermöglichen. Von Textdarstellung über Sprachhilfe bis hin zu Filtern, die das Spielen vereinfachen, ist alles da. Sogar die Steuerung lässt sich großzügig anpassen. Hier wurde wirklich darauf hingearbeitet, ein Produkt für jeden zu liefern, im Sinne von: Jeder soll in der Lage sein, das Spiel auch vernünftig spielen zu können. Das könnte die Videospielindustrie in Sachen Barrierefreiheit definitiv einen Schritt nach vorne bringen.

Das letzte Fazit

Glückwunsch, du hast das Ende dieses Tests erreicht. Mit so offenen Armen wird dich The Last of Us 2 am Ende jedoch nicht empfangen. Dieses Spiel ist gnadenlos brutal und es schert sich einen Dreck, ob du dafür bereit bist oder nicht. Ich respektiere Naughty Dog für diesen Mut. Hier wurde eine derart unkonventionelle Geschichte geschrieben und umgesetzt, die auf ein bittersüßes Ende hinausläuft. Ich habe geweint, mehr als noch im ersten Teil. Mich hat das Survival Abenteuer trotz seinen kleinen Längen unterhalten. Und man muss festhalten: The Last of Us 2 ist das atmosphärisch beste Spiel aus dem Hause Naughty Dog. Ich habe mich wie ein Teil dieser eindrucksvollen, düsteren Welt gefühlt. Und die ausgezeichnete Stealth-Action rundete meine Erfahrung ab.

Titel: The Last of Us: Part II
Entwickler/Publisher: Naughty Dog / Sony
VÖ: bereits erhältlich
 (19. Juni 2020)
Plattform: PS4.

San L

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