Streichereinheiten gegen Gewalt

Streichereinheiten gegen Gewalt

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SLEAZE.baccarelli-klasseHier kann man von Streicheleinheiten bis Gewalt die ganze physische Palette ausgelebt werden – an Musikinstrumenten. Die teuren Musikinstrumente stehen im Instituto Baccarelli, eine Musikschule für Favela-Kids in Sao Paulo, zur freien Verfügung. Wer sich im Laufe der Jahre verbessert, bekommt sogar eine Bezahlung und damit einen weiteren Ansporn, sich zu engagieren.
Vor der Fußball-Weltmeisterschaft präsentierte Volkswagen einige seiner sozialen Projekte in den Favelas von Sao Paulo. Der Hintergedanke war klar: Auch wenn Hyundai / KIA Hauptsponsor ist, versucht VW wie die meisten Marken, von der WM zu profitieren. VW hat es relativ leicht in Brasilien, ist es als größter Autobauer (und für die Akribischen: zweitgrößter im Verkauf nach Fiat) seit Jahrzehnten in dem Land aktiv.
Die drei gezeigten Projekte waren alle auf Kinder fokussiert. Verständlich, denn Kinder sind in mehrerer Hinsicht interessant: Je früher eine Hilfe, desto mehr kann Positives gefördert und vor Negativem geschützt werden. Außerdem werden aus Kindern Kunden. Wenn man sie früh an die Marke heranbringt, ist sie schon viele Jahre im Kopf verankert. Und so findet sich folgerichtig bei dem ebenfalls geförderten Instituto Baccarelli auf jeder Etage im Eingangsbereich eine Tafel mit den Logos der Sponsoren.SLEAZE.Baccarelli-Sponsoren
Und ein dritter, noch subtilerer Grund: Kinder emotionalisieren die meisten Menschen. Passiert irgendwo ein Unglück in der Welt, nennen die Nachrichten Kinder als Erstes. Die Hierarchie ist eindeutig: Kinder superwichtig, dann Frauen, gefolgt von der Nennung der Gesamtzahl. Ganz selten, wie viele Männer betroffen sind, andere Lebewesen wie Tiere so gut wie und, nun ja, das noch sehr verständlich, Pflanzen definitiv nie.
Die anderen beiden Projekte, eine Capoeira- und eine Breakdance-Schule, waren nicht so aussagekräftig. Beim Instituto Baccarelli gibt es dagegen nur zu bemängeln, dass es sich fast nur um klassische Musik dreht. Ansonsten ist der Ansatz einfach nur toll.
Trotz des kurzen Besuchs sieht es aus, als wenn das Konzept funktioniert. Die Kids sind mit Leidenschaft dabei, manche spielen fleißig vor sich hin in den kleinen Kammern mit den Doppeltüren, die störende Fremdgeräusche draußen halten sollen. Sogar die Toiletten und ihre störende Spülung wurden den akustischen Anforderungen entsprechend ans Ende der Gänge verbannt. Dass man die Favela auch in dem Gebäude nie ganz vergessen darf, erkennt man an der massiven Tür mit dem Hochsicherheitsschließsystem am Instrumentenlager. Und an den zig Kameras auf dem gesamten Gelände.
Dass das nicht stören muss, beweist Luiz Fernando Venturelli. Dem 14jährigen Baccarelli-Cellisten wurde am 28. Juni die Ehre zuteil, in der ehrwürdigen Carnegie Hall in New York zu spielen.

danilo

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