Straight Outta SLEAZE

Straight Outta SLEAZE

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kl10Heute ist es soweit und das Biopic, über das du schon einiges bei uns lesen konntest, kommt in die Kinos! In den USA schon ein großer Erfolg, feierten die Stars aus Straight Outta Compton letzte Woche in Berlin die Europapremiere der Verfilmung von N.W.A. Hier kannst du nun den letzten Teil unserer Straight Outta Compton-Reihe lesen: Im Interview mit Regisseur F. Gary Gray plaudern wir über Los Angeles, Compton und das Casting.

In den Staaten ist der Film bereits ein voller Erfolg. Hast du erwartet, dass der Film so ein Volltreffer wird?
Absolut nicht. Wie hätte ich einen 60-Millionen-Dollar-Erfolg erwarten können mit einem FSK-16-Film und das im Spätsommer? Ich bin überrascht, aber glücklich.

Was war die größte Herausforderung?
Definitiv das Casting. N.W.A zu finden war eine verdammt schwierige Aufgabe. Wir haben erst in den USA nach Darstellern gesucht, dann in Großbritannien. Es hat einige Jahre gedauert, verschiedenste Orte in der Welt abzuklappern, um das perfekte Team zusammenzustellen.

Wie lange hat der Dreh gedauert? Dein letzter Feature-Film liegt ja nun schon sechs Jahre zurück.
Filmemachen ist schwer. Es ist schwer, ich wünschte, ich könnte morgens aufwachen und sagen, ich könnte jedes Jahr einen Film machen. Aber so schlau bin ich nicht. Wenn ein Film fertig ist, nehme ich mir erstmal eine Auszeit. Ich saß sechs Jahre an Straight Outta Compton, am Entwickeln, Casten und Bearbeiten.

War es schwierig, Ice Cubes Sohn die Rolle seines Vaters zuzusagen?
Es war schwierig und einfach zugleich. Schwierig, weil es hart war, so jemanden mit Ice Cubes Stil zu finden, aber einfach, weil er es entweder rocken würde oder nicht. Ich hätte keinen Schauspieler gecastet, der es nicht hinkriegt. Bei einer so signifikanten Rolle ist es wichtig, dass es passt und ich persönlich finde, O’Shea hat es gerockt. Es hat ihn ja auch zwei Jahre harte Arbeit gekostet.

Ihm wurde also Zeit gegeben, sich zu entwickeln?
Meine Casting Directors waren auf der Suche nach einem jungen Ice Cube und gleichzeitig hat sich O’Shea für die Rolle vorgestellt. Im Vorsprechen mit allen anderen. Wir haben ihn gesehen und ihm Ratschläge gegeben, an welche Coaches und Schauspiellehrer er sich wenden kann. Wenn er es ernst meint, dann kann er es schaffen, meinten wir.

Eazy-E hat auch einen Sohn, die Rolle hat aber jemand anders bekommen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Man muss sich beim Casting auf der Grundlage der Charaktere bewegen. Der Schauspieler muss in der Lage sein, soc gary grayeine Menge verschiedene Dinge durchspielen zu können. Viele Gefühle vor allem. Eazy-E wird vom Drogendealer zum Gründer eines Plattenunternehmens. Ihm macht sein Talent zu schaffen, schließlich ist er in einer Beziehung, erfährt von seiner Krankheit und muss am Ende sterben. Keine andere Figur durchlebt das. Du kannst die Rollen nicht verteilen, nur weil Menschen miteinander verwandt sind, sondern musst dich darauf konzentrieren, was dem Schauspieler bevorsteht. Ob er der Rolle gewachsen ist. Sonst würde ich meinen Job schlecht machen. Und Jason Mitchell war der Richtige für die Rolle von Eazy-E, die meiner Meinung nach die schwierigste war.

Wie hast du die Zeit der 80er und 90er in Kalifornien erlebt?
Ich bin im mittleren Süden von LA aufgewachsen. In den 80er und 90ern habe ich eine Menge davon mitbekommen, was dort auf den Straßen abging. Das hat mir auch geholfen, den Film zu entwickeln. Ich war ein großer Fan von N.W.A und auch von Ice Cube und Dr. Dre, als die beiden jeweils solo durchstarteten. Es war ein ziemlich besonderer Moment für mich, als ich die erste N.W.A-Kassette damals hörte. Wisst ihr noch was das sind, Kassetten? Diese Dinger (er fuchtelt ein bisschen mit den Händen), mit Tonbändern und so. Als ich die also das erste Mal gehört hab, war ich gerade auf der 126th Street in Normady und hab realisiert, dass die Jungs da über meine Nachbarschaft schreiben. Von dieser Ehrlichkeit war ich beeindruckt.

Wie wichtig ist dir der Humor in deinen Filmen?
Alle meine Filme haben in sich irgendwo ein bisschen Humor. Da sind immer Momente, in denen du einfach ausatmen kannst und nicht mehr so sehr fokussieren musst. Wenn du in Filmen so schonungslos mit Spannung und Ungewissheit umgehst, musst du dem Publikum erlauben, mal zwischendurch aufzuatmen.

Für dich und Ice Cube war der Film Friday quasi der Startschuss für eure Karriere. Wie habt ihr euch kennengelernt und wie hat sich seitdem eure Freundschaft entwickelt?
Ich hab ihn am Set von einem Musikvideodreh kennengelernt. Das war mein allererster Job als Regisseur. Es war ein Video für die Rapgruppe WC and the Maad Circle und Ice Cube war zu Gast auf dem Track, den wir verfilmten. So hab ich ihn kennengelernt und es hat ihm gefallen, dass ich aus LA kam. Ich wusste, was ich technisch draufhatte, aber verstand auch die Gegend. Wir begannen mit Musikvideos, dann kam Friday und hier sind wir heute – 20 Jahre später.

Hätte jeder andere gute Regisseur den Film genauso machen können wie du?
Natürlich hat mir mein persönlicher Hintergrund geholfen. Aber jeder gute Filmemacher hätte den Job hinbekommen können. Man darf keine Angst davor haben, sich die Hände schmutzig zu machen. Es ist eine gute Story, du kannst viel falsch machen, aber ein guter Filmemacher schafft das.

Der Erfolg von Straight Outta Compton zeigt in gewisser Weise auch, dass das Publikum keine Lust mehr hat, seine Köpfe auszuschalten. Kann man das als Zeichen sehen, dass ähnliche Projekte folgen werden?
Das hoffe ich. Bei dem Erfolg, den wir mit Straight Outta Compton hatten, ist es schwierig, einen Schritt zurück zu machen und zu behaupten, es würde sich nicht um etwas wie eine Spielwende handeln. Die Studios haben das früher gemacht. In der goldenen Ära der 70er hat man das Material anders gesehen. Aber ich verurteile nicht, was andere Leute tun. Ich weiß nur, was ich sehen wollen würde. Und obwohl der N.W.A-Film ein harter Brocken war, ist er etwas, das ich sehen will. Trotzdem war es ein komplettes Risiko. Ich kam zu Universal und sagte, wie ich den Film machen wollte: Ohne Stars, scharfkantig, echt und FSK16. Normalerweise schmeißen dich die Leute da raus, wenn du so viele Forderungen stellst und sagen, du sollst gehen, wohin der Pfeffer wächst. Doch Donna Langley war dafür. Und die Zuschauer haben auf so etwas Anderes gewartet, das verrät uns der Erfolg mit der Story.

kl7Für wie zeitgemäß und allgemeingültig hältst du den Film?
Sozial gesehen? Es stimmt, dass es einige Probleme gibt, die auch jetzt in den USA aktuell in den Schlagzeilen sind. Das haben wir nicht so geplant, es waren schließlich Dinge, die N.W.A geformt haben, die wir in den Film übernommen haben. Es ist zufällig, dass das irgendwie mit dem übereinstimmt, was in der Welt zurzeit passiert. Ich glaube, die meisten Menschen, egal wo sie herkommen, können sich zusätzlich auch mit den großen Themen des Films identifizieren: Brotherhood, Betrug, Tragik und Triumph und der Geschichte, wie Tellerwäscher zu Millionären werden. Der Film geht über die Musik und die Gruppe hinaus. Es kann Spaß machen, einem Kerl dabei zuzusehen, wie er seine Arbeit in einer Garage beginnt und sich seinen Weg bis zum Milliardär hocharbeitet. Jeder hat Träume. Und hoffentlich sieht man den Film und genießt ihn. Aber vielleicht inspiriert er dich auch. Die Jungs haben auch mit nichts angefangen.

Von feministischer Seite gab es dennoch einige Kritik.
Tja, wenn du ein Teil von N.W.A bist, sieht dein Leben wohl etwas anders aus als das einer durchschnittlichen, feministischen Person. Das meine ich wirklich respektvoll. Aber das hier sind Niggaz With Attitudes.

Es gibt den Spruch „black films don’t travel“. Dabei ist Hip Hop gerade auf der ganzen Welt extrem beliebt. Was glaubst du, wie international der Film einschlagen wird?
Hip Hop ist wirklich wahnsinnig beliebt. Und natürlich kommt es darauf an, wie der Film vermarktet wird und es kommt auf die Leute da draußen an. Es ist eine tolle Geschichte, ich hoffe, es wird gut laufen. Das ist alles, was ich sagen kann. Es ist so eine persönliche Geschichte für mich, sodass ich mich fühle, als hätte ich schon gewonnen. Den Film einfach zu beenden, war unglaublich. In hundert Jahren werden Menschen über unsere heutige Zeit recherchieren und dieser Film wird ein Stück Geschichte sein.

 

Darf’s noch ein bisschen mehr sein? Hier geht’s zum SLEAZE-Interview mit Ice Cube.
Was die Darsteller Jason Mitchell und O’Shea Jackson Jr uns zu erzählen hatten, erfährst du hier.

Laurie

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