Sterne-Stunden der Hotellerie

Sterne-Stunden der Hotellerie

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Am Berliner Hauptbahnhof wird ein neues Hotel eröffnet. Soweit nicht gerade spannend. Im Rahmen dessen sind allerdings 2 Sterne Deluxe – ganz genaaaaauuu, richtig gelesen! – dort aufgetreten. Das sind zufällig genau zwei, nämlich Der Tobi und das Bo, von Fünf Sterne Deluxe. Doch bevor sie auf der Dachterrasse des neuen Ibis-Hotels performten, haben wir uns mit ihnen zusammengesetzt. Dabei rausgekommen sind, neben einigen überraschend philosophischen Ansätzen, vor allem viele Lacher und ein paar nicht ganz ernstgemeinte Antworten. Das Bo konnte sich vorher nochmal richtig schön austoben, als er es sich auf der Couch im Foyer bequem gemacht hat. Kurz darauf kam aber schon Tobi Tobsen, auch im dunkelblauen Satingewand, und wir konnten fast loslegen. Das Bo ließ es sich allerdings nicht nehmen, schnell noch die Kellnerinnen und uns mit dem Duft von Zimtstangen zu bezirzen. Schließlich hängen Geruch und Sympathie ja zusammen.

Maurin: Heute seid ihr ja Zwei Sterne, manchmal aber auch Fünf Sterne Deluxe und das hier ist ein 3-Sterne-Hotel. Wo schlaft ihr denn so am liebsten?
Das Bo: Wir pennen zu Hause am liebsten. Naja, zu Hause ist natürlich da, wo man seinen Kopf aufs Kissen legt. Das ist natürlich hier gerade so. Wir werden hier auch bestens verpflegt und Tobi ist mein liebster Bettnachbar.SLEAZE.2 Sterne Deluxe2

Maurin: Wie hat sich das eigentlich ergeben, dass ihr heute hier seid in euren schönen Schlafanzügen und ein Konzert gebt?
Das Bo: Wir wohnen hier jetzt seit einem halben Jahr und sind einfach so aufgewacht. Und ich dachte, das ist so ein schöner Tag heute, das wär doch toll, wenn man ein Konzert geben könnte. Dann haben wir überlegt, wo man hier spielen könnte und haben aus dem Fenster auf die Bühne geschaut und dachten es wär doch mal ein tolle Idee, auf dem Dach ein Konzert zu geben. Dann haben wir in der Lobby angerufen und haben gefragt, ob es möglich wäre, dort heute ein Konzert zu spielen. Die meinten dann: aber selbstverständlich.

Maurin: Vor zwei Jahren seid ihr ja das erste Mal wieder alle zusammen aufgetreten, als Fünf Sterne Deluxe. Und dieses Jahr auch beim Reeperbahn Festival in Hamburg. Wie hat sich das angefühlt, als ihr wieder alle zusammen auf der Bühne standet?
Tobi: Das war ein ganz fantastisches Gefühl. Da haben wir auch tatsächlich gemerkt, wie sehr wir das vermisst haben. Es war so, als hätte nur jemand auf den Pause-Knopf gedrückt und ihn einfach wieder losgelassen. Es war exakt so wie damals.

Milena: Im Januar gab es nochmal ein Album „AltNeu“, auf dem verschiedene DJs Remixe aus euren älteren Liedern gemacht haben.
Das Bo: Das war so eine Art Remix-Album, wo wir verschiedenen Leuten die Spuren der Instrumente und die Acapella-Spuren zur Verfügung gestellt haben und die haben das dann geremixt.
Tobi: Der erste Teil, den wir releaset haben, das war so eher der elektronische Teil und der andere Teil kommt jetzt im Herbst.
Das Bo: Also das ist eine reine Aufarbeitung der Historie und befreundete DJs, Produzenten und so haben da Hand angelegt. Es ist kein wirkliches Album. Aber wir haben ja einen neuen Song im Rahmen dieser Kampagne. Das ist der erste Song nach „Wir sind im Haus“. Zwölf Jahre ist das her.

Milena: Wie ist die Resonanz auf „AltNeu“ gewesen?
Das Bo: Ja, das Forth Magazin hat uns auf Platz 17 der Newcomer von 2015 gewählt, jetzt schon. Der Rolling Stone hat eine kleine Kolumne über Star News, da freuen wir uns natürlich auch sehr.

Maurin: Hättet ihr erwartet, dass euch nach der langen Pause immer noch Leute sehen und hören wollen?
Das Bo: Also bei uns ist der Kern nicht die Außenwahrnehmung, sondern das Gefühl. Fühlt man sich gut, mit dem was man macht und ist man zufrieden mit dem eigenen Selbst. Wenn das gegeben ist, dann sind die Umstände eigentlich egal. Ich muss ja nicht gucken, ob ich jetzt 100.000 Likes habe auf ein Video, sondern ich will wissen, was ich gefühlt habe. Wir sind einfach Old School. Das gibt es ja heute wahrscheinlich gar nicht mehr, dass es um das Gefühl geht, sondern es ist gut, wenn alle es liken.
Maurin: Dann konnte es ja eigentlich gar nicht schief gehen, wenn es nur um das Gefühl geht.
Das Bo: Das solltet ihr auch für euer Leben mitnehmen.

Maurin: Denkt ihr gerne zurück an eure musikalischen Anfänge?
Tobi: Das Problem ist, das Meiste davon ist schon weg. Wir können uns nicht zurück erinnern. Manchmal ist das so, dass Bo einen Teil weiß und ich einen und nur wir beide können die Story zusammenfügen.
Das Bo: Manchmal ist es auch so, dass ich gar nichts mehr weiß und Tobi alles. Manchmal denke ich auch, er weiß alles, ich weiß ein bisschen, aber er weiß gar nichts mehr.
Tobi: Das Schöne ist aber, dass was übrig geblieben ist, ist fantastisch.
Das Bo: Das ist der Kern und das ist das Jetzt eigentlich. Das ist der Vorteil, wenn man zwölf Jahre weg ist. Man vergisst alles Schlechte und kommt zurück und denkt, wie geil. Wir sind die Geilsten. Das waren wir auch und werden wir immer sein, denken wir jetzt so. Wir gucken einfach mal, was passiert.

Die Beiden machten uns auch so oft wie möglich darauf SLEAZE.2 Sterne Deluxe3aufmerksam, dass sich der ganze Zirkus an diesem Abend nur wegen ihnen abspielte und sie das ebenso genossen wie albern fanden. So winkten sie den Fotografen, der gerade mal eine Minute durchatmen konnte zu sich, um noch ein Foto zu machen oder quatschten jemand Fremden aus der Lobby an, der gerade beim Essen war, um ein Bild zu knipsen.

„Siehst du, die sind nur dafür bezahlt, hier Fotos zu machen oder für uns zu arbeiten.“

Das Bo machte auch ein großes Geheimnis aus der Wand hinter uns, vor der Rollladen angebracht waren und wollte uns unbedingt zeigen, was dahinter ist. Als er dafür Hilfe vom etwas verwirrten Personal bekam, offenbarte er uns die Kaffeemaschine des Hotels. Wir zollten dem natürlich gebührenden Applaus.

Maurin: Gab eSLEAZE.2 Sternde Deluxe1s bei euch richtige Highlights, an die ihr euch gerne erinnert?
Das Bo: Also, das verschiebt sich eigentlich. Hier zu sein ist ein Highlight. Einfach weil wir das lange nicht mehr gemacht haben so. Die Momente und Aufmerksamkeit genießen.
Highlights raussuchen ist so eine Wertungsfrage. Was war jetzt besser als das andere? Also es ist schön zu sein, gesund zu sein und man muss das Leben genießen. Man muss aus allem das Beste machen. Weiter machen mit dem weitermachen, das ist das erste Motto. Das Zweite lautet: machen und lachen. Das Dritte ist: einfach machen. Die Drei zusammen!
Maurin: Da lernen wir ja heute nochmal richtig was von euch.
Das Bo: Wenn ihr wollt, ja. Also das ist jetzt nicht der offizielle Auftrag oder so, aber wenn ihr wollt. Ihr seid sympathisch und da kann man doch als älterer Herr mal was sagen. Ihr könnt euch ja gerne mit euren Girls mal treffen abends und euch das Interview anhören. Sekt trinken danach noch Magic Mike gucken oder sowas. Oder parallel! Ton aus bei Magic Mike und uns zu hören.
Maurin: Klingt perfekt, eure Stimmen zu diesen Körpern.
Tobi: Das ist es, perfekte Kombi.

Maurin: Hip Hop hat sich ja stark verändert in Deutschland in den letzten Jahren, auch seitdem ihr da wart. Wie groß war euer Einfluss auf diese Veränderung?
Das Bo: Also auf einer Skala von 1 bis 10. Vielleicht 8? Eigentlich ist eine 10 natürlich angemessen, wenn wir ehrlich sind.

Maurin: Hört ihr selber auch überwiegend Hip Hop?
Das Bo: Nein, wir hören nur unsere eigene Musik. Warum sollte man sich auch mit Schlechtem zufrieden geben?
Tobi: Man weiß ja, was das Beste ist.
Das Bo: Man hört sich ja auch selbst gerne reden.

Milena: Dann habt ihr ja schon gesagt, dass bald ein weiterer Teil zu dem Remix-Projekt kommt. Sind sonst noch andere Sachen geplant, Album oder Tour?
Das Bo: Überleben! Wir sind ja so alt schon, dass es nur noch ums Überleben geht. Es sterben ja so viele Leute überall. Jetzt gerade auch. Manche sind ja nur halb so alt wie wir. Der Tod schwingt mit. Von daher, das Motto ist leben, leben, leben!
Maurin: Wir nehmen heute so viele Weisheiten mit, da könnten wir ein ganzes Buch schreiben.
Das Bo: Könnt ihr! Ich könnt auch Kalendersprüche machen für jeden Monat, jede Woche. 52 kriegt ihr doch zusammen.
Maurin: Wir behalten die Magic Mike-Idee.
Milena: Dann machen wir noch einen Girlie-Abend.
Das Bo: Dann brechen wir durch die Leinwand durch und dann tauschen wir. Der Ton ist von Magic Mike und die Körper von uns. Dann wird es nämlich crazy. Dann macht das Spaß. Das muss man erstmal auf die Reihe kriegen.
Tobi: Aber es könnte sein, das nächstes Jahr ein neues Album rauskommt.

Milena: Ihr habt ja auch einen Plattenvertrag für 2016 unterschrieben. Wie kam es dazu, woher der Sinneswandel?
Das Bo: Das ist die gute Frage. Wir wollten ja immer eine Platte machen, aber die Industrie wollte nicht. Auf einmal hatte die Industrie einen Sinneswandel gehabt und hat gesagt: Ihr müsst jetzt mal was machen. Und wir so: Let‘s go. Warum nicht?

Milena: Also ihr wurdet darauf angesprochen?
Das Bo: Naja, im Endeffekt sind wir halt hausieren gegangen. Klinken putzen, ganz viel Promo gemacht für andere Bands. Rammstein, Silbermond und Sportfreunde Stiller. Dann haben wir uns langsam hochgearbeitet. Als wir dann bei den Chefs angekommen waren: Hey, wir waren früher mal eine Band. Checkt mal die Styles. Die sind fresh. Also die Eltern von den Kids haben uns noch auf dem Zettel. Die Kids sind ja so durch, die merken gar nicht, wenn da was kommt, dass es schon mal gab. Wir werden sozusagen als Newcomer wieder auf den Markt geworfen.SLEAZE.2 Sterne Deluxe4

Maurin: Habt ihr noch so etwas wie einen großen Wunsch? Egal ob musikalisch oder privat?
Tobi: Also das Problem ist: Ich hatte als Kind den Wunsch, einmal im Leben eine Platte rauszubringen. Das ist zu früh schon in Erfüllung gegangen.
Das Bo: Aber dadurch, dass das so lange her ist, als wir das gemacht haben, ist das eigentlich eine Verjüngungskur. Man fängt wieder an. Nach dem Moment, wo wir uns getrennt haben, war da irgendeine Verästelung. Die ist jetzt wieder aktiviert worden.
Tobi: Das heißt, dadurch kann man nochmal das erste Album haben.
Das Bo: Auf eine Art ja, nicht das Erste, aber ein neues Erstes. Das ist, wie wenn man schon mal mit einem Mädchen intim war und das so lange dauert, bis man wieder…

Milena: Ihr habt ja auch erwähnt, dass es neue Songs auf dem nächsten Release gibt. Wie kann man sich die vom Stil her vorstellen?
Das Bo: Ne, das sind auch Remixe. Aber weil wir natürlich eine so große Legende sind, dass wir nicht nur Leute im Hip Hop-Bereich kennen und beeinflussen, sondern auch in anderen Musikrichtungen. Gerade Tobi ist ja auch im elektronischen Bereich unterwegs. Dadurch haben wir eben auf der Seite elektronische Einflüsse und auf der anderen den Hip Hop-Klang. Das ist ja das Schöne, dass die das in ihrem Stil interpretieren. Jetzt haben wir halt erstmal den elektronischen Part des Remix-Releases gehabt und als nächstes kommt der Hip Hop/Funk/Soul-Part. Dann erst kommt das neue Album, das hat aber nichts damit zu tun.

Äußerlich mag man den beiden die zehn Jahre Pause vielleicht ansehen, im Gespräch aber wird sehr schnell klar, dass sie in ihren Köpfen kein Stück gealtert sind. Fröhlich, witzig, charmant und wohl auch etwas beschwipst liefen sie noch längere Zeit nach dem Interview durch die Feier des Hotels. Unterhielten sich mit jedem, zeigten nicht die geringsten Berührungsängste und bei dem Konzert danach schafften sie es, trotz kaltem Wetter und recht wenig Zuschauern, Stimmung zu verbreiten. Wie gesagt, egal wie viele Leute da sind, dein Gefühl muss stimmen – dann wird alles gut.

Maurin & Milena

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