Rock the Kasbah: Bill Murray ist immer noch ein Gott

Rock the Kasbah: Bill Murray ist immer noch ein Gott

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Bills Sternchen auf Abwegen mit Bruce Willis

Ja, ist Mr. Murray wirklich noch. Das weiß, wer seinen neuesten Film gesehen hat. Allerdings ist Rock the Kasbah auch nicht seine beste Arbeit. Worum geht‘s? Bill spielt einen abgehalfterten Musikmanager, der irgendwann mal bessere Zeiten hatte, vielleicht in den 70er oder 80er Jahren. Die sind aber jetzt vorbei, doch das Business möchte er nicht verlassen. So hält er sich mit Kleinbetrügereien und Auftritten seiner einen Sängerin auf Bar Mitzwas über Wasser – also allerunterste Manager-Schiene. Dann erhalten Bill und sein Talent plötzlich die Möglichkeit, in Afghanistan eine Tour zu den US-Stützpunkten zu machen. Sie reisen beide ins Land, aber seine Sängerin, gespielt von der lustigen Zooey Deschanel ((500) Days of Summer), kriegt sofort die Krise und flüchtet nach Dubai – mit Bills Pass und Geld. Er ist daraufhin in dem Land gestrandet und einige Verwicklungen ergeben sich.

So weit, so gut und so lustig. Wie in vielen Filmen mit Bill Murray geht‘s eigentlich vor allem um Bill Murray. Der Mann ist einfach zu gut, zu lustig, kann scheinbar mit einer Bewegung seines Augenlides fünf Emotionen auf einmal rüber- und uns zum Lachen bringen. Während man in anderen Hollywoodfilmen sonst fast durchgängig die Hauptdarsteller im Bild sieht, weil sie unglaublich attraktiv sind, sind es bei Bill sein geradezu magnetischer schauspielerischer Charme, seine Menschlichkeit und sein zerfurchtes Gesicht, das so viel erzählt von seiner bewegten Vergangenheit. Er ist im Prinzip der Typ klassischer Loser, in diesem Film und auch in anderen. Selbst wenn er, wie in Lost in Translation, beruflich erfolgreich ist, hängt er in Japan alleine im Hotel rum und fühlt sich fehl am Platz. Sein komödiantischer Stil ist der des Dead Pans: Auch wenn noch so verrückte Sachen um ihn herum passieren, er bleibt stoisch und wir als Zuschauer lachen. Aber was machen die Filme eigentlich mit Bill, damit es so lustig wird? Sie lassen es ihm schlecht gehen. Er scheitert, Pläne gehen schief oder werden vereitelt. Die Handlung schlägt ihn nieder. Doch mit seiner wunderbaren Loser-Würde erträgt er es und macht weiter.

Gleichzeitig spielt der satirische Film des Regisseurs Barry Levinson (Wag the Dog) auch in Afghanistan. Afghanistan? Da war doch was. Dem Land, in dem auch unsere Freiheit verteidigt wird, geht es immer noch dreckig. Terrorismus und Gewalt sind an der Tagesordnung. Neben westlich-afghanischem Culture Clash zeigt Rock the Kasbah dabei auch die ganze absurde Sinnlosigkeit des westlichen „Engagements“ dort, wie Millionen und Milliarden der US-amerikanischen Kriegs- und Aufbauindustrie versickern, in die Taschen von Privatpersonen wandern und nie dem Land helfen. Spaß haben die Afghanen übrigens auch und feiern manchmal Partys – auch das eine nette Nebengeschichte des Films. Doch zurück zum „Westen“ in Afghanistan: Kleinere Charaktere sind z.B. zwei Waffenhändler oder ein von Bruce Willis gespielter Söldner. Sie streichen die immensen Summen ein, die in diesem Land verpulvert werden, und sorgen gleichzeitig dafür, dass sich nichts an dem Zustand des immerwährenden Krieges ändert. Das ist eigentlich gar nicht so lustig! Aber kommt gut als Gesellschaftsparodie.

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Kate Hudson macht die Afghanen wuschig

Der ästhetisch durchschnittliche Film lässt sich durchaus anschauen. Das Einzige, was man ihm vorwerfen könnte, ist, dass er bisweilen noch lustiger, schräger und satirischer hätte sein können. Und vielleicht, dass er dann doch zu viel auf Bill Murray setzt: Die übrigen Charaktere wirken gegen ihn dramaturgisch unterwickelt – manchmal sind sie nicht mehr als seine Stichwortgeber. Doch womöglich ist nur in Ausnahmefilmen wie eben Lost in Translation beides möglich: viel von Bill Murray und andere starke Charaktere. Für Fans auf alle Fälle empfehlenswert, doch der Genuss steht und fällt mit Bill!

Robert

Titel: Rock the Kasbah
Regie: Barry Levinson
Laufzeit: 106 Min.
VÖ: 29.07.2016 (DVD, Blu-Ray)
Verleih: Splendid Film

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