Recycling Metal

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Mortal Infinity wollen dem momentan eher stillstehendem Genre zu neuem Glanz verhelfen.

Es heißt Thrash Metal und nicht Trash Metal. Du wärst überrascht, wie viele diesen einen Buchstaben überhören und -lesen und die Powerchord-Melodien doch tatsächlich für Müll halten. Wenn du doch auf dem Holzweg warst, dann hier nochmal im Detail: Exodus ist Thrash Metal. Und auch Metallica hat fast genauso viel Thrash Metal „in sich“.

Trash sind ganz andere Sachen, was mich – natürlich purer Zufall – zu Mortal Infinity bringt. Bands wie Exodus oder Metallica zählen sie zu ihren wichtigsten Einflüssen. Wissen möchte ich vor allem, ob ihr Thrash Metal mit dem der Legenden mithalten kann oder doch eher in den gelben Metal-Sack gehört. Als Untersuchungsobjekt dient mir ihr neues Album „Final Death DeSLEAZE.Mortal Infinity.Covernied“. Die Band gibt es seit 2009, auch wenn man das so nicht konkret sagen kann, da sie ihre Mitglieder ungefähr so oft wechseln wie „Nothing Else Matters“ gecovert wurde. Die einzige Konstante ist Sänger Marc Doblinger.

Als deutsche Vertreter ihres Stils haben sie einen Ruf zu bewahren, nämlich den der „Deutschen Big Four“. Destruction, Sodom, Tankard und Kreator sind hierzulande die Urväter der deutschen Version des Thrash Metal. Mit ihrem Erfolg im Nacken, haben die Altöttinger es sicherlich nicht leicht, den Erwartungen gerecht zu werden

Richtige Genre-Fans sollte „Final Death Denied“ aber auf jeden Fall zufrieden stellen. Schnelle Powerchords, überdurchschnittlich viel Gitarre und brutaler Gesang. Sogar beim Albumcover können alle Häkchen gemacht werden, die Metal zu verlangen scheint. Es ist gemalt, düster und eine seltsame Kreatur mit Totenkopf-Look im Vordergrund. Das Problem ist dabei nur, das alle Lieder sich sehr ähneln. Im Gitarrenspiel ist hier noch etwas mehr Abwechslung zu finden als im Gesang. Ein besonderer Moment ist in „Body Collector“, wenn Sebastian Unrath sein Saiteninstrument eindrucksvoll aufheulen lässt.

Trotzdem beherrschen die fünf Herren ihre Kunst. Das Einstiegsstück „Grid Spectre“ orientiert sich sehr an den Vorreitern des Thrash und klingt wie ein echter Genre-Klassiker. Der erbarmungslose Gesang von Marc battlet sich mit dem nie müde werdenden Schlagzeug und dem durchgehenden Shredden der Gitarre.SLEAZE.Mortal Infinity1

Thrash oder Trash war hier die Frage. Doch Mortal Infinity sind beides gleichzeitig. Ein Widerspruch genau wie ihr Name: Tödliche Unendlichkeit. Bei genauerem Hinsehen jedoch genauso wenig ein Kontrast. Nach der Definition machen Mortal Infinity zweifellos Thrash Metal, doch die Vorreiter dieses Genres haben um einiges mehr zu bieten, melodisch und vor allem gesangstechnisch. Vielleicht haben sich Mortal Infinity einfach ein bisschen zu viel Mühe gegeben, genau die Erwartungen ihrer Zielgruppe zu erfüllen. Gelungen ist ihnen mit „Final Death Denied“ ein Thrash Metal-Album mit wenig Ecken und Kanten, das dafür aber Spaß macht beim Mitbrüllen. Doch wenn diese Band ihr zweifellos vorhandenes Potenzial mehr ausschöpft, könnte es tatsächlich noch etwas werden mit der nächsten Exodus-Generation.

Maurin

Interpret: Mortal Infinity
Album: Final Death Denied
VÖ: 11.12.2015
Label: Red Dagger

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