Let’s twist again!?

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Der auf dem Film von Mario Bava – dem Begründer des italienischen Thrillersubgenre des Giallo – basierende Rabid Dogs präsentiert sich als schnörkerlloses, geradeliniges Heist-Movie mit Geiseldrama. Für Regisseur Éric Hannezo stellt das Remake des erst 23 Jahre nach Abschluss der Dreharbeiten veröffentlichten Originals Wild Dogs (abgedreht 1974) auch gleichzeitig sein Langfilmdebüt dar. Leider erweist sich das Werk zunehmend als wenig nachvollziehbar und letztlich arg manipulatorisch, was vor allem an seinem unverschämt affekthascherischen Ende liegt, das nicht einmal versucht, den Zuschauer noch einmal an der Nase herumzuführen, sondern diese lieber gleich ganz entfernt.

Auf der Flucht: die "Rabid Dogs"
Auf der Flucht: die „Rabid Dogs“

Dabei weiß die Erzählweise Érics in ihrer Direktheit zunächst zu gefallen. Die Geschichte um eine Gruppe von Bankräubern, denen sich schon bald die Polizei entgegenstellt, beginnt ohne wirkliche Einführung direkt am Ort des Überfalls. In einer zuweilen von Lehrbuchstrukturen geplagten Welt ist eine Abweichung vom müden Usus stets eine sympathische Grundintention, die sich hier überwiegend durch den gesamten Verlauf der Ereignisse zieht. Sinngemäß heißt es dann auch, es zähle nicht der Grund der Taten: Der französische Filmemacher stellt sich hier einer häufig aufgesetzt wirkenden Psychologisierung entgegen – einer pathetischen, platten und lebensfernen Emotionalisierung, die schon François Truffaut (Sie küssten und sie schlugen ihn) in seinem 1954 erschienenden Aufsatz Eine gewisse Tendenz im französischen Film zurecht kritisierte und der schließlich als Grundsatzschrift zur Begründung der Ende der 60er aufkommenden Filmbewegung der Nouvelle Vague wurde. Zwar erweist sich auch Rabid Dogs nicht gänzlich frei von gewisser erklärender Momente – diese dienen hier jedoch weniger einer anmaßenden Ausleuchtung als vielmehr dem Spannungsgeflecht in der Dynamik zwischen Flüchtenden und ihren Geiseln, darunter eine frisch verheiratete Frau sowie einen Mann mitsamt seinem auf Medikamente angewiesenen Mädchen.

Die Inszenierung weiß mitunter ebenfalls kleinere Spitzen zu setzen – vor allem im wiederkehrenden Umgang mit farbintensiven Rückblenden – ohne dabei ein gänzlich neues Seherlebnis bereitzuhalten. Dafür erweist sich die Regie Érics letztlich doch als zu zahm und konventionell. Eher die im Plot verankerte Direktheit der Ereignisse ist es, auf die der Fokus gerichtet ist. Bedauerlicherweise erweist sich dieser aber ebenso als immense Schwäche: Besonders die vor allem später verstärkt auftretenden dramaturgischen Klischees und Unglaubwürdigkeiten richten ihre Geschütze zielgenau auf das zuvor etablierte Fundament und erschüttert es nachhaltig. So findet manche Auflösung ihr trauriges Ende in der schieren konstruierten Unachtsamkeit ihrer Akteure. Besonders ärgerlich erweist sich dann der schließende Twist, der in dieser Plötzlichkeit und Stumpfheit als rein manipulatives Argument einer abwesenden, origenellen Besonderheit gelten soll, aber vollends in sich zusammenfällt. Rückblickend finden sich zwar beweisende und hinweisende Risse in der damit verbundenen Geschichte, doch haben diese eher einen Stellvertretercharakter als allumfassenden Wert – man denke an David Finchers infernales Finale in seinem Thrilleropus Sieben, auf das der Film mit aller konsequenter Wucht zusteuert und in dem die Story schließlich seine Einbettung findet.

Wer mag dieser Herr wohl sein?
Wer mag dieser Herr wohl sein?

So zerreißt sich Rabid Dogs mit einer fortwährend intensiver anziehenden Kraft selbst. Die übrigen Reste erinnern an die gutgemeinte Herangehensweise, können den ins Mark getroffenen Grund aber nicht mehr zusammenhalten. Daran ändert auch die über lange Zeit funktionierende Gruppendynamik nichts mehr, wenngleich auch diese dem Ganzen keine neuen Blickwinkel abzugewinnen weiß und in Konsequenz der stark abfallenden Erzählung ihre Natürlichkeit verliert. Diese wütenden Hunde entpuppen sich so als zahme, zahnlose Schoßwärmer ohne Biss.

Alex Warren

Titel: Rabid Dogs
Regie: Éric Hannezo
Laufzeit: ca. 90 Min.
VÖ: 04.05.2016 (DVD & Blu-Ray)
Verleih: Tiberius Film

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