Mafi(j)a? Nicht so!

Mafi(j)a? Nicht so!

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Nein, nein, nein! Nicht so! Dystopien sind ja ein großes in der Kunst dargestelltes Szenario. Werke wie 1984, A Clockwork Orange und Children of Men sind bekanntermaßen einige ihrer populärsten und eindringlichsten Vertreter. Wegdenkenswert allerdings ist ein Sci-Fi-Potpourri wie Survival Game, das durch das Zusammenmanschen und anschließendem Hinunterwürgen von bekannten Motiven nicht über die Qualität eines ungenießbaren, völlig versalzenen Films hinauskommt.

Irgendwas "Dystopisches"
Irgendwas „Dystopisches“

Der wie seine Brettspielvorlage Mafia aus Russland kommende Überlebenskampf um eine Gruppe unterschiedlicher Spielteilnehmer, die wortwörtlich um ihr Leben spielen, versagt schon in seinem zentralen Anliegen der Inszenierung eines gruppendynamisch befeuerten und von Unsicherheit geprägten Spiel um Leben und Tod. Was sich bewegen soll, muss leben. Die in dieser (Hänge-)Partie dargestellten Pappfiguren sind nicht mehr als tote Fixplätze für eine Erzählstruktur, die von aller Seele und Einzigartigkeit verlassen ist. Geradezu provokativ werden hier bekannte Zutaten genommen und variantenlos übernommen: Es geht wieder einmal um eine ausschließlich böse Macht (hier personalisiert durch den Erfinder des Spiels), die das nicht minder böse bzw. niedere Wesen der Zuschauer weckt, die sich inzwischen sogar vom realen Tod im Fernsehen langweilen, wie es im Film heißt – Gesellschaftskritik at its worst. Diese banale Weise der uninteressanten Schwarz-Weiß-Färbung verliert sich in einer solch unattraktiven Plakativität und Stumpfheit, an die sich damit konsequenterweise weitere Langeweile fördernden Kräfte anheften.

Die Gestaltung der Stadt entspricht so offenbar einem Zufallsgenerator, der außer mit einem Off-Schalter versehen nur die Möglichkeit „generisch“ im Betriebsmodus anbietet. Das Motiv einer von Hochhäusern auf neon’esken Hochglanz getrimmten Stadt war in dieser Form schon unzählige Male zu sehen – unzählige Male interessanter und lebendiger vor allem. Daran, dass niemals ein Gefühl für die in der Geschichte vorgesehenen Welt aufkommt, kann auch die anfängliche Sequenz eines Motorradfahrers nichts ändern, der vor der Szenerie entsetzlicher Künstlichkeit durch die Stadt gurkt und damit nicht mehr ist als der touristische Guide durch diese Green-Screen-Hässlichkeit. Hieran zeigt sich auch wieder eindrucksvoll, wie zeitlos ein handgemachtes Design der Größe eines Blade Runner ist, der 34 Jahre nach seinem Kinostart eigentlich einen unfairen Vergleich darstellt – fürs Survival Game mit Produktionsjahr 2015. Aber die Inszenierung Moskaus im Jahre 2072 ist nur ein weiteres Teil eines nicht funktionierenden Puzzles.

Gemeinsam in der Klischee-Hölle
Gemeinsam in der Klischee-Hölle

Denn dass die Teile nicht ineinandergreifen, liegt auch in der Verweigerung des Films, einem inneren Zusammenhang zu folgen: Er bricht mit seinen eigenen Regeln und verkommt damit vollends zur (Will-)Kür der Fehltritte. Wenn ferner altbekannte Elemente dystopischer Motive unverändert ausgespuckt und noch einmal neu aufgetischt werden, vergeht auch der Rest der ohnehin schon schwergetroffenen Toleranz: Von der Postkarten-Dystopie der Stadt über den bösen, eigensinnigen Lenker mit den Zügeln in der Hand hin zum im Hintergrund (durch einen lächerlich wirkungslosen „Twist“ offenbarten) agierenden Rebell, der gegen die schrecklichen Zustände aufbegehrt – kein Erzählversuch mag auch nur einmal gelingen. Dass dann auch die „große“ Geheimnislüfterei um die hintergründigen Machenschaften nichts weiter ist als eine ins Leere rasende Pointe ohne Witz, versteht sich von selbst.

Alex Warren

Titel: Survival Game
Regie: Sarik Andreasyan
Laufzeit: 91 Min.
VÖ: 20.05.2016 (DVD, Blu-Ray, VoD)
Verleih: capelight pictures

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