Knockout City: Völkerballgekloppe der Generation Fortnite

Knockout City: Völkerballgekloppe der Generation Fortnite

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Der neue Mehrspielertitel Knockout City geht gleich zum Start in die Offensive. Die ersten zehn Tage waren ohnehin kostenlos. Nun können interessierte Spieler sogar bis zum Erreichen von Level 25 ohne Zusatzkosten in das erst zweite Spiel der Velan Studios (Mario Kart Live: Home Circuit) hineinschnuppern.SLEAZE + Knockout City

Knockout City erschien Mitte Mai unter dem Banner des Branchenriesen Electronic Arts und wanderte gleich in die hauseigene Bibliothek EA Play. Der Dienst ist außerdem Teil von Microsofts Spieleabo Xbox Game Pass Ultimate, wodurch Xbox-Spieler ebenfalls Zugriff auf die virtuelle Völkerballschlacht erhalten, ohne den Kampfpreis von knapp zwanzig Euro hinzublättern.

Das Voranpreschen in der Hoffnung auf möglichst hohe Spielerzahlen kommt nicht von ungefähr. Erst im Juli 2020 erschien der spielerisch durchaus potente und ebenfalls von EA veröffentlichte Arenashooter Rocket Arena, der heute nur noch wenige Hände volle Spielerzahlen hervorbringt und damit vor dem Aussterben steht.

Ein vorzeitiges KO braucht Knockout City aktuell nicht fürchten. Kürzlich nahm der eigens als Dodgebrawler betitelte Ballkrieg die Hürde von mehr als zwei Millionen Spielern. Erst die kommenden Monate werden zwar ein deutlicheres Bild von seiner Halbwertszeit abgeben. Der Auftakt ist aber nicht nur mit Sicht auf die Spielerzahlen gelungen.

Cooler Völkerball, irgendwie

Denn in dem Spiel steckt ein mehr als solides spielerisches Fundament. Vieles erinnert auf den ersten Blick an Fortnite.

Aus der Third-Person-Perspektive blicken dir verschiedene farbenfrohe Umgebungen der titelgebenden Metropole in flüssig-flauschiger Comicoptik entgegen. Durch diesen urbanen Hybrid aus 50er- und 60er-Zukunftsästhetik bewegst du dich wiederum ähnlich zielgenau und locker wie im besagten Battle Royale-Erfolgstitel, wobei Knockout City auch durch seine Sprintfunktion einen Gang zulegt und sein sprungfreudiger Spielfluss Elemente eines Platformers zitiert.

Der etwas klobige Stil der vercoolisierten Niedlichkeit, an dem sich übrigens auch eingangs erwähntes Rocket Arena mit immerhin prägnanteren Charakteren versuchte, wirkt inzwischen etwas beliebig und kalkuliert.

Alles ist wie der sich wiederholende, aber immerhin mit sinnvollen Infos daherkommende Kommentator, ein wenig zu „fresh”. So verhält es sich denn auch mit dem eigens erstellten Charakter, der geschlechterneutral vom pseudocoolen Poser bis hin zur albernen Witzfigur reicht.

Trotz dieser für mich etwas abgenutzten Coolio-Ästhetik schmeiße ich das Spiel immer wieder gerne an für die eine Runde 3 gegen 3 zwischendurch. Denn auf spielmechanischer Ebene macht es eine ausgesprochen gute Figur.

Neben des normalen Wurfes lassen sich die Bälle per Drehung um Ecken schleudern oder in einem Bogen auf seinen Gegenspieler niederprasseln, der bei Druck auf die Wurftaste innerhalb der erforderlichen Reichweite automatisch anvisiert wird. Die Wurfstärke hängt von der Länge des entsprechenden Tastendrucks ab. Voll aufgeladene Würfe rasen somit flott, aber nicht unhaltbar auf die Rivalen zu. Zudem kann man Würfe antäuschen. Allerdings fallen eher ungeübtere Spieler auf diese simple Finte herein.

Ansonsten ergibt sich ein teils rasantes und dank des passgenauen Autolocks sowie eines als Warnsignal dienender roter Bildschirmrand übersichtliches Hin-und-Her, sofern man das Timing des Fangens verinnerlicht hat und entsprechend einzusetzen weiß. Bei erfolgreichem Fang kannst du den Ball direkt mit gleicher oder sogar voller Kraft bei perfektem Catch zurückwerfen.

Ein stupides Hämmern auf die Fangtaste ist dank eines kurzen Cooldowns erfreulicherweise nicht möglich. Dafür lassen sich ankommende Bälle auch relativ einfach mit der Ausweichfunktion entweder umgehen oder frontal abwehren.

Dieses Dodgen verkommt an manchen Stellen aber zu einer etwas nervigen Keilerei, in der sich Spieler gegenseitig nur bewegungsunfähig kloppen oder einander jagen und versuchen, in Abgründe zu stoßen.

Da hilft oft auch der Gleiter nicht mehr, der jederzeit in der Luft geöffnet werden kann und für zusätzliche Flexibilität sorgt. Ohnehin wirbelt in den Treffen mehrerer Spieler auf kurzen Distanzen eine zuweilen spürbare Brise Chaos.

SLEAZE + Knockout City
Vorsicht, Ball im Anflug! Das Fangen will mit richtigem Timing
gelernt sein.

Die vom ordentlichen Trefferfeedback und der nachvollziehbaren Ballphysik umrahmte Grundmechanik aus Angriff und Abwehr führt unterm Strich aber zu einem spürbaren und befriedigenden Gleichgewicht erfolgreicher wie misslungener Aktionen.

Das Team hat Potenzial

Beim Aufeinandertreffen zweier ähnlich fähiger Spieler entscheiden trotz der unterschiedlichen Wurftechniken vor allem die äußeren Umstände in Form der Mitspieler. Im klassischen Spielmodus stehen sich zwei Trios gegenüber, wobei das Team gewinnt, das als erstes zwei Runden gewinnt.

Einen Rundenpunkt erhält die Mannschaft, die als erste zehn KOs erzielt oder nach Ablauf der fünf Minuten die meisten Punkte aufweist. Erst das durch die Beharkung aller Spieler entstehende Durcheinander führt dazu, dass die zwei Lebens- aka Trefferpunkte eines Spielers schnell gen Punkteverlust fallen.

Sich absprechende Crews, wie die sich bewerfenden Verbünde hier heißen, passen sich rasch die runden Wurfgeräte zu und können damit gleich den Vorteil eines sofort aufgeladenen Wurfs genießen. In der Praxis findet ein derart effektives Zusammenspiel trotz möglicher Ansagen auch abseits der Headsetnutzung aber eher selten statt.

Am ehesten noch nutzt ein Spieler die Funktion, sich selbst einzurollen und so als Ball genutzt werden zu können. Der Werfende schnellt bei voller Wurfkraft seinen Kameraden in die Höhe, der seinerseits wie eine zielsuchende Bombe auf die Erde stürzt und im besten Fall gleich mehrere Gegner auf einmal ausschaltet, zumal bei Menschenbällen nur ein Treffer für ein Ausknocken reicht.

In der Regel weist ein immer hektischeres Alarmsignal auf einen bevorstehenden Artillerieeinschlag hin. Manchmal war der Ton – vielleicht wegen eines Soundbugs – zuletzt aber seltsamerweise nicht zu vernehmen.

Zusätzliche Dynamik erhält das Geschehen durch einen von insgesamt fünf verschiedenen zu Beginn einer jeden Runde zufällig ausgesuchten Spezialball, der wie die Standardgeschosse mehrfach und regelmäßig während des Matches auftaucht.

SLEAZE + Knockout City
Der hat gesessen. Das Treffer-Feedback sorgt für Freude.

Zu diesen besonderen Ballformen zählen runtertickende Bomben, Dreifachbälle, ein die Schwerkraft entschärfender Mondball, der bei voller Aufladung extrem schnelle Scharfschützenfootball sowie Käfigbälle, die Spieler für eine kurze Zeit einsperren, sodass sie etwa für Würfe oder auch das Schmeißen in den Abgrund genutzt werden können.

Trotz seiner diversen spielerischen Möglichkeiten hat die Knockout City bisher ein in erster Linie oberflächliches, präzise spielbares, aber ebenso an Leerlauf leidendes Fundament.

Wurfschlacht im Ruhepuls

Manchmal vergehen mehr als einige Augenblicke auf der Suche nach einem Ball auf den bisher nur sechs verfügbaren Karten, die trotz diverser Charakteristika ohne gewichtige Merkmale und Strukturen bleiben.

Ihr übersichtlicher Arenacharakter mit seinen Abgründen und Sprungfeldern eint sie ebenso wie die Abwesenheit struktureller und visueller Höhepunkte. Ihre mal mehr und mal weniger weitläufigen Umgebungen führen letztlich zu sich gleich anfühlenden Konfrontationen.

Manche Eigenheiten wie langsam im Kreise fahrende Autos, ein sich ankündigender und durchs Level dampfender Zug oder eine umherschwingende, gigantische Abrissbirne durchbrechen die Gleichheit des Völkerballspiels kaum.

In manchen Mehrspielertiteln steckt eine Dynamik, die ihre eigenen Geschichten schreibt. Es sind Geschichten, die ich mit Freude weitererzähle. Knockout City gehört nicht zu dieser Sorte Spiel. Sein durchaus gesundes Herz schlägt von Beginn an auf einer gleichbleibenden Frequenz im Ruhepuls ohne große Ausschläge.

Womöglich steht die Wurfschlacht aber erst am Anfang ihres noch jungen Lebens in einem Meer aus Mehrspielertiteln, das auch flankiert von der Gunst des Streaminghypes auf Twitch und Co. manch ungeahnte Wellen schlägt.

Der Einstieg ist spielerisch ebenso gelungen wie simpel durch die einfachen Tutorials und bietet aktuell neben der klassischen Variante Drei-gegen-Drei noch weitere Spielarten zum Teil auch im Rangsystem an. Darunter etwa ein aus vier Spielern bestehendes Deathmatch und 4 vs. 4 ohne Bälle, sodass nur menschliche Spieler als Wurfgeschoss eingesetzt werden können.

Für potenziellen Langzeitspaß könnte zudem der angekündigte Nachschub an neuen Maps, Bällen, Playlists und Ereignissen sorgen. Doch hier bleibt abzuwarten, ob und inwieweit das aktuell etwas zu gleichförmige und berechenbare Spielgeschehen mit Spannung und unerwarteten Momenten merkbar gewürzt wird.

Derweil können sich Teamspieler verschiedener Systeme schon jetzt über die Möglichkeit freuen, eigene Crews zu erstellen, die samt optisch veränderbarem Schwebeoldtimer und Logo futuristische Greaser auf den Plan treten. Dank vorbildlichem Crossplay geht das sogar systemübergreifend. Auch der schon erzielte Spielfortschritt unterliegt keiner Systemgrenze.

Weniger bedeutsam sind dagegen die existierenden Mikrotransaktionen, in deren Rahmen man sich gegen Echtgeld verschiedene Beträge der Ingamewährung kaufen kann. Immerhin kann man diese auch durch Erledigung von variierenden Herausforderungen in Form von Aufträgen verdienen und sie ist lediglich kosmetischer und nicht spielentscheidender Natur.

Der Startschuss ist mit Ansage gefallen. Die Velan Studios inszenieren mit Knockout City einen grundlegend frischen und munterleicht aus dem Handgelenk spielenden Mehrspielertitel, dem in seinem derzeitigen Zustand vor allem Unberechenbarkeit abgeht.

SLEAZE + Knockout City
Ob Knockout City noch der große Wurf wird? Abwarten…

Das flotte Spielgeschehen neigt besonders auf der Suche nach Bällen zu Phasen der ungewollten Entschleunigung, der den ohnehin dominierenden Ruhepuls nur weiter verlangsamt.

Noch fehlen sie, die großen Momente der Überraschung und es wird sich erst zeigen, ob das Spiel künftig mehr sein wird als der kleine Wurf zwischendurch. Das Potenzial zu einem größeren schlummert noch tief.

Alex

Titel: Knockout City
Entwickler / Publisher: Velan Studios / Electronic Arts
VÖ: 21. Mai 2021
Plattform: Xbox One, PlayStation 4, Nintendo Switch, PC (Microsoft Windows)

Getestet wurde die Xbox One-Version von Knockout City auf der Xbox Series X via Abwärtskompabilität. Auf Konsole ist das Spiel in Microsofts Spieleabo Xbox Game Pass Ultimate seit Release verfügbar. Mitglieder von EA Play (im Xbox Game Pass Ultimate enthalten oder separat erhältlich) können ebenfalls ohne Zusatzkosten spielen.

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