Kinokritik: „Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“

Kinokritik: „Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“

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ab 19. Mai 2011 in den Kinos,

Walt Disney Studios Motion Pictures Germany,

Regie: Rob Marshall (CHICAGO, DIE GEISHA, NINE),

Produzent: Jerry Bruckheimer

 

Ja gut, es ist mal wieder soweit. Wir befinden uns in den Startlöchern zum vierten Freibeuterstreifen aus den Disney-Studios, diesmal sogar in drei Dimensionen. Mit dabei natürlich die Global-Sexmachine Johnny Depp, der wieder in die Rolle des volltrunkenen, ungeduschten Captain Jack Sparrow schlüpft und sich ein weiteres lallend in ein selbstmörderisches Abenteuer stürzt.

Diesmal geht es um nichts Geringeres als die Quelle der Jugend. An Bord sind ein paar bekannte Gesichter, wie Hector Barbarossa(Geoffrey Rush) oder Joshamee Gibbs(Kevin R. McNally), aber auch die Rolle des Captain Teague, Jacks Vater(Keith fucking Richards ladies and gentlemen!!!) wird nochmal kurz aufgewärmt, um das Zwerchfell zu lockern. Die Reise führt unseren Protagonisten wieder einmal über stürmische See, malerische Landschaften und tropische Paradiese. An Captain Jack Sparrows Seite segelt die ebenso schöne wie gefährliche Angelica(Penélope Cruz), mit der er mal-was-hatte und die deswegen nur mäßig gut auf ihn zu sprechen ist. Auf dem feuerspeienden Schiff ihres Vaters, der Queen Anne´s Revenge(das übrigens tatsächlich existiert) gilt es Barbarossa und den Spaniern zuvor zu kommen, um ewige Jugend zu erlangen.

Ach ja, Angelicas Vater ist natürlich nicht irgendjemand. Es ist der Pirat mit der verlorenen Seele, dem dunklen Herzen und einer Crew aus Zombies: Blackbeard(Ian McShane). An seinem Schwert trägt er einen der drei Saphire Tritons, mit dem er sein Schiff befehligt und von Mitleid hat er nur mal gelesen. Dennoch pflegt er ein seltsames Hobby, denn er sammelt die gekaperten Schiffe in Flaschen und verstaut sie in seinem Schrank. Mit dabei auch die geliebte Black Pearl von Jack Sparrow, ich meine Captain Jack Sparrow, die Barbarossa in einer Schlacht aufgeben musste. – Um die Quelle der Jugend nutzen zu können, brauchen unsere Helden etwas, das es nicht einmal im gut sortierten Reformhaus um die Ecke gibt, aber lang erwartete Wesen aus Piratenfilmen heraufbeschwört. Sie brauchen die Träne einer Meerjungfrau. Nun muss man dazu sagen, dass Meerjungfrauen zwar sehr schön, aber auch ganz schön hungrig auf Menschenfleisch sind.

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Nur gut, dass sich der aufopfernde Schiffsmissionar Philip Swift(Sam Claflin) in eine der Meerjungmodels verliebt. Syrena(Astrid Bergès-Frisbey) kommt zwar als Spenderin der dringend benötigten Träne in Frage, zu dumm nur, dass Frauen mit dem Unterleib eines Fisches nicht so einfach heulen wie Topmodels bei Heidi. Soviel vorab: Unsere Piraten bekommen, was sie wollen – der Rest ist Retorten-Kitsch. Da liegt dann leider auch der Hund begraben. So gut alle Schauspieler sind, so profillos wirken auch ihre Figuren. Es kommt einem vor, als ob Captain Jack und seine alten Buddies sich keinen Millimeter verändert hätten, sondern eins zu eins in den vierten Teil kopiert wurden. Sehr schade, angesichts der Potentiale, die dieser Film hat.

Auch Penélope Cruz war ein bisschen zu viel Standard für anspruchsvollere Geschmäcker. Der Film geht kein wirkliches Risiko ein, es gibt nicht viel, was wir noch nicht gesehen haben, sei es in einem der drei anderen Fluch-der-Karibik-Teile oder einem beliebigen anderen Piratenfilm. Es werden eindeutig etwas viele Klischees bedient und das Label Disney stanzt sich auch oft genug in die Leinwand, was beim Singen dann den Höhepunkt erreicht. Das die Musik vor Pathos nur so trieft, machte den Kohl auch nicht mehr fett, war aber dann tatsächlich der Stimmung noch sehr zuträglich, wenn auch irgendwann etwas nervig.

Pirates of the Caribbean-Fremde Gezeiten ist ein schöner, bunter Spaß für die ganze Familie. Das Schauspiel ist grandios, es gibt jede Menge Action und spannungsgeladene Sequenzen zu sehen und natürlich ganz viel Johnny, Johnny, Johnny.

Trotzdem sollte man nicht mit der Erwartung ins Kino gehen, irgendeine neue Idee präsentiert zu bekommen, außer Piraten in 3D.

Der Film enttäuscht zwar nicht, aber es gibt auch keine wirkliche Überraschung.

 

Heiner Sand

 

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