Kingdom Hearts: Melody of Memory – Eine klangvolle Reise durch die Erinnerungen

Kingdom Hearts: Melody of Memory – Eine klangvolle Reise durch die Erinnerungen

Spoilerfrei!

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Alles hat ein Ende, nur Kingdom Hearts hat keins. Der Mix aus Final Fantasy und Disney hat Fans (mich eingeschlossen) über viele Jahre hinweg unterhalten, zum Lachen und zum Weinen gebracht … und macht nach Kingdom Hearts 3 erst einmal wieder eine Vollbremsung. Mit Melody of Memory schenkt uns Square Enix aber das wohl ungewöhnlichste Spin-Off-Spiel der Reihe und davon gab es einige.

SLEAZE + Melody of Memory
Wir müssen alle Gegner im Takt verkloppen.

Melody of Memory ist ein Rhythmusspiel, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es ist zudem ein Dankeschön an die Musik, die Herzstück der Kingdom Hearts-Reihe ist. Doch wie gut spielt sich Melody of Memory? Und ist es ein gutes Kingdom Hearts?

Rhythmus-Rollenspiel

Tatsächlich könnte man hier von einem RRPG sprechen, denn Melody of Memory kombiniert einfache Rollenspiel-Elemente mit einem ähnlichen Gameplay, wie man es vielleicht aus den Final Fantasy-Rhythmusspielen kennt. Schließlich steckt dasselbe Studio Indieszero dahinter. Gemeinsam mit Square Enix verfeinern sie mit Melody of Memory das ohnehin sehr gute Spielgefühl. Wir laufen mit Sora, Donald und Goofy (später auch mit anderen Figuren) über Notenlinien und müssen einen oder mehrere Gegner gleichzeitig treffen. Zudem gibt es Momente, wo wir mit einer anderen Taste Spezialfähigkeiten aktivieren, über Hindernisse springen oder Gegner und Noten in der Luft treffen müssen. Je präziser man trifft und je weniger Fehler man macht, desto besser fällt die Wertung am Ende aus. Soviel zum Grund-Gameplay.

Neben den Standard-Kämpfen (die gewöhnlichen Musiklevel) gibt es noch Erinnerungstauchgänge und Bosskämpfe. Das Gameplay ist in beiden etwas anders als in den Standard-Kämpfen, denn wir bekämpfen keine Feinde, sondern müssen die üblichen Tasten im richtigen Moment drücken, während im Hintergrund entweder ein Zusammenschnitt der Zwischensequenzen oder Bosskämpfe ablaufen.

SLEAZE + Melody of Memory
Zum Glück sind die Bosskämpfe nicht so lang wie in den „richtigen“ KH-Spielen.

Darüber hinaus können wir Rollenspiel-typisch auch Gegenstände herstellen, wie EXP-Booster oder Heiltränke. Wir können nämlich im Level aufsteigen, wodurch sich beispielsweise unsere Abwehr verbessert und wir mehr Treffer einstecken können. Wenn wir aber zu viele Fehler machen, sinkt unsere Lebensleiste. Ohne Heiltränke kann es also mitten im Song das Musik-Aus bedeuten.

Von Anfänger bis Dirigent

Für Spieler mit weniger Rhythmusgefühl gibt es noch weitere Hilfen wie einen visuellen Indikator. Der zeigt an, wann der richtige Zeitpunkt ist, um die entsprechende Taste zu drücken. Während man auf dem einfachen Schwierigkeitsgrad tänzelnd eine fehlerfreie Serie hinbekommt, sieht das auf Profi schon ganz anders aus. Da verlangt der ein oder andere Song volle Konzentration, viel Übung und verdammt flinke Finger. Außerdem fällt es einem leichter, wenn man die Soundtracks bereits kennt.

Die meisten Lieder machen auf den höheren Schwierigkeitsgraden viel mehr Spaß, da man nicht nur gefordert wird, sondern auch das Gefühl bekommt, man leite ein Orchester. Erst trifft man jeden Ton der Melodie, dann spielt man die Begleitung und dann wechselt man dynamisch hin und her.

Auch wenn das Spielprinzip nicht sehr abwechslungsreich ist, die insgesamt 150 Lieder sorgen für eine gelungene Abwechslung. Nur bei sehr wenigen Stücken hatte ich das Gefühl, dass sie einfach nicht geeignet für ein Rhythmusspiel dieser Art sind. Das trifft wenig überraschend auf ein paar der langsameren Lieder und Musikstücke mit Text zu. Dennoch ist es schön, dass originale Disney-Songs wie Circle Of Life oder A Whole New World vertreten sind.

SLEAZE + Melody of Memory
Und natürlich darf auch dieser Welthit nicht fehlen.

In den Erinnerungen liegt die Antwort verborgen

Es würde vermutlich eine Ewigkeit dauern, einem Nicht-Kenner die Handlung aller Kingdom Hearts-Spiele zu erläutern. Und trotzdem macht Melody of Memory über nahezu das gesamte Spiel hinweg genau das, wenn auch in einer sehr komprimierten Fassung. Denn nach Abschluss von bestimmten Welten schalten wir ein paar kurze Szenen frei, in denen uns Kairi oft Handlungen von mehreren Stunden in wenigen Worten wiedergibt. Das ist für Nostalgiker ganz schön, für alle anderen leider weder hilfreich noch von Interesse. Erst ganz zum Schluss erwarten uns neue Story-Häppchen, wobei wir hier von etwa 20 Minuten Zwischensequenz sprechen, bevor dann auch schon der Abspann läuft.

Doch dieses Recap-Format ergibt aus einer erzählerischen Sicht Sinn, auch wenn man es hätte liebevoller umsetzen können. Schließlich sucht Kairi in ihren Erinnerungen nach irgendeiner Spur von Sora. Aber nur weil in Melody of Memory Kairi in den Vordergrund rückt, heißt das noch lange nicht, dass wir auch mit Kairi spielen. Nein, man könnte meinen, der kreative Kopf hinter Kingdom Hearts Tetsuya Nomura sucht nur nach einem Grund, uns wieder in die Haut von Sora aus dem ersten Kingdom Hearts zu stecken. Das ist zwar etwas schade, aber der Fokus liegt hier vollkommen auf der Musik und die darf sich hören lassen.

SLEAZE + Melody of Memory
Nach viel Übung sitzen die Lieder auch.

Musikalische Vielfalt, aber …

Yoko Shimomura ist seit dem allersten Kingdom Hearts von 2002 für die Musik verantwortlich und hat zahlreiche grandiose Soundtracks komponiert. Diese reichen von entspannt und sanft über actionreich und aufregend bis hin zu emotional und bewegend. Und diese weitreichende Spanne kommt in Melody of Memory zusammen. Es sind die meisten Soundtracks aus jedem Kingdom Hearts-Teil und sogar ein paar Überraschungen vertreten.

Dennoch fehlen seltsamerweise ein paar Fan-Favoriten wie die orchestrale Version von Simple and Clean und einige Stücke aus Kingdom Hearts 3. Warum Ersteres fehlt, weiß ich nicht. Aber Letzteres hat damit zu tun, dass Melody of Memory nicht wie Kingdom Hearts 3 in der Unreal Engine 4 läuft, sondern sich erneut der Oldschool-Engine bedient. Bedeutet also zum einen, dass Melody of Memory für die Ohren und nicht für die Augen ist, und zum anderen, dass keine 3D-Hintergründe der Welten aus Kingdom Hearts 3 in der alten Engine vorliegen. Demnach gibt es keine Standard-Musiklevel, sondern nur vergleichsweise wenige Erinnerungstauchgänge. Schade, dass aufgrund dessen einige gute Musikstücke fehlen.

SLEAZE + Melody of Memory
Ein kleiner Ausschnit der Welt(en)karte von Melody of Memory.

Eine Vielzahl an Modi

Melody of Memory kann man sowohl allein, zusammen oder gegeneinander spielen. Die Story erleben wir in der Weltenreise, die im Englischen „World Tour“ heißt, was angelehnt an die „Orchestra World Tour“ ist. Ein charmanter Wink, wenn man mich fragt.

Darüber hinaus kann man alle Musikstücke in verschiedenen Varianten spielen, zum Beispiel einfachheitshalber nur mit einer Taste. Dann gibt es noch den Versus-Modus, wo man gegen Computer-Gegner oder echte Personen online antreten kann. Da kann man wahlweise mit Tricks spielen, die Gegner und einen selbst aus der Bahn werfen können. Und wenn man eher der kooperative Mensch ist, dann begnügt man sich eben mit dem Koop-Modus. Dieser bietet leider nur 21 der 150 Songs an. Und in jedem Modus schaltet man vielerlei Sachen für das Museum frei, darunter Sammelkarten oder Momentaufnahmen aus Zwischensequenzen. Selbst Sammler kommen auf ihre Kosten.

Harmonisches Fazit

Kingdom Hearts: Melody of Memory ist sicherlich nicht für jeden das Richtige, aber mich konnte es richtig überzeugen. Ich spiele normalerweise keine Rhythmusspiele, aber ich liebe die Musik von Kingdom Hearts. Director Tetsuya Nomura sagte zum Konzept von Melody of Memory, dass er daran glaube, dass Musik und Erinnerungen eng miteinander verknüpft sind. Damit liegt er sicherlich richtig, denn für mich war das eine magisch nostalgische Erfahrung.

Auch wenn Melody of Memory hier und da kleine Abstriche machen muss, bietet es letzten Endes eine große musikalische Vielfalt, ein simples, aber clever durchdachtes Spielprinzip und jede Menge Inhalt für ein „Rhythmusspiel“. Wer die Musikstücke von Kingdom Hearts kennt und mag, wird mit Melody of Memory genau das bekommen: Ein großartiges Musik-Spiel. Wer jedoch nichts mit dieser Art Spiel anfangen kann oder sich nur für die Story von Kingdom Hearts interessiert, der macht wohl lieber einen Bogen um diesen Ableger der Reihe.

Titel: Kingdom Hearts: Melody of Memory
Entwickler / Publisher: Indieszero, Square Enix / Square Enix
VÖ: 13. November 2020
Plattform: PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch

Ich habe Melody of Memory auf der Standard-PlayStation 4 getestet.

San L

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