Kampf der Konsolen-Titanen

Kampf der Konsolen-Titanen

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Konsolen-Titanen Xbox One und PlayStation 4
Konsolen-Titanen Xbox One und PlayStation 4

Das Videospieljahr 2014: Was bringt uns die neue Konsolen-Generation?

Neue Konsolen kommen raus und auf einmal hat man Videospiele selbst in einem Koalitionsvertrag? Das ist ein Novum. Klar, 2013 war eines der besten Jahre der Videospielgeschichte, so dass die Erwartungen an das erste echte Next-Gen Jahr riesig sind. Selbst muffige Politiker wittern da zumindest Arbeitsplätze und Jugendschutz. Was für dieses Jahr in der Gaming-Industrie angekündigt ist, hört sich auf den ersten Blick jedenfalls nach Innovation und Spaß an. Doch geht der Trend in die richtige Richtung?
Das letzte Jahr war für viele Gamer eine Hetzjagd von Topspiel zu Topspiel. Den Start machte Bioshock Infinite, das mit seiner grandios authentischen Welt und einer intelligenten Story auf sich aufmerksam machen konnte. Es folgten weitere Blockbuster wie Far Cry 3, Tomb Raider oder Battlefield 4. Sogar der E-Sport konnte durch Starcraft 2: Heart of the Swarm kräftig wachsen. Das größte Highlight war allerdings der Release von GTA V, das längst als erfolgreichstes Videospiel aller Zeiten mit knapp 29 Millionen verkauften Exemplaren unzählige Awards einheimsen konnte.
Für manche war das letzte Jahr aber auch eine Katastrophe. EA preist SimCity als beste Aufbausimulation an, um danach ein Spiel zu veröffentlichen, das vor Bugs und gefakter Tiefe nur so strotzt. Dazu kam eine unausgereifte Always-On Pflicht, bei der zu jeder Zeit behauptet wurde, dass diese absolut notwendig sei, um SimCity spielen zu können. Wenig später wird im Internet veröffentlicht, dass der Onlinezwang ohne Abstriche im Spiel ausgehebelt werden konnte.

Sind PlayStation und Xbox Titanen, ist die Wii U die Titanic.

Einen anderen Tiefpunkt erreicht Nintendo mit der Wii U, die bereits Ende 2012 auf den Markt kam. Da die Verkaufszahlen im gleichen Jahr ausblieben, ging es 2013 um alles oder nichts. Bis auf einige seltene Ausnahmen konnte der Wii-Nachfolger aber immer noch nicht begeistern und spätestens seitdem die neuen Konsolen von Sony und Microsoft in den Startlöchern stehen, steht fest, dass die Wii U ein riesiges Minusgeschäft für Nintendo bleiben wird.
Umso größer waren die Erwartungen für die Playstation 4 und die Xbox One. Selten gab es so einen medialen Kampf um die Vorherrschaft im Konsolen-Sektor, noch bevor die Konsolen überhaupt über die Ladentheke gegangen sind. Nachdem die Xbox durch Always-On und Kinect in einem Shitstorm gefangen war, konnte man bei Microsoft vor dem Verkaufsstart die gröbsten Fehler ausmerzen, indem man beispielsweise die Always-On Pflicht wieder rausnahm. Heute hat Sony mit 4,2 Millionen verkauften Exemplaren die Nase vorn und Microsoft freut sich über 3 Millionen Verkäufe, ihrem PR-Debakel zum Trotz. Ob Sony den Vorsprung aufrechthalten kann, liegt unter anderem an den Exklusivtiteln beider Plattformen, die 2014 erscheinen.

Sind Top-Exklusivtitel die entscheidenden Joker im Titanenkampf?

TitanfallMicrosoft konnte sich die Exklusivrechte für den Ego-Shooter Titanfall sichern, wo besonders damit geworben wird, dass es sich um ehemalige Entwickler der „Call of Duty“-Reihe handelt, die an dem Titel arbeiten. Das bisher Gezeigte sieht auf jeden Fall vielversprechend aus, weil nicht nur die Grafik anspricht, sondern auch das innovative Gameplay für Aufsehen sorgt. So huscht man im ersten Moment noch mit einem Jetpack über das Schlachtfeld, während man im nächsten Moment in einem riesigen Kampfroboter – genannt „Titan“ – für reichlich Chaos sorgt.

Das Line-Up der Playstation 4 enthält noch viel Interpretationsspielraum, weil über die meisten exklusiven Titel kaum etwas bekannt ist. Das gilt auch für The Order: 1886 von Ready at Dawn. Der PS4-Shooter spielt in einem Steampunk-Setting und soll vor allem die Grafikpower der neuen Konsole präsentieren. Ob dabei andere Faktoren vernachlässigt werden, kann man bisher noch nicht einschätzen.
TheOrderBei all dem Hype um die neue Konsolengeneration könnte es aber auch einen glücklichen Dritten in Form von Valve geben. Die Erfinder von Steam und Half-Life kündigten letztes Jahr vollkommen überraschend die Steambox an, die den PC endlich auch ins Wohnzimmer bringen soll. Der kleine unscheinbare Kasten soll als Multimediazentrale und vor allem als leistungsstarke Konsole dienen. Ein unübertroffenes Angebot von Spielen hätte Valve mit Steam auf jeden Fall schon mal, sofern die Steambox auch alles abspielen kann, was auf Steam zu finden ist. Wenn dazu noch ein moderater Preis kommt, müssen sich Sony und Microsoft warm anziehen.
In Deutschland konnte die Gaming-Branche 2013 einen guten Eindruck machen, was dazu führte, dass CDU und SPD im neuen Koalitionsvertrag vereinbarten, dass unter anderem der „Deutsche Computerspielpreis“ weiterentwickelt werde. Wie innovativ und einmalig die deutsche Politik, die damit eine weitere Killerspieldebatte auf Eis legt. Stattdessen lobt man die große kreative Leistung und hohe technische Kompetenz der Spieleentwickler“. Ob in den nächsten vier Jahren wirklich etwas passiert, bleibt abzuwarten. Der Bundesverband Interaktiver Unterhaltungssoftware (BIU) sieht die Erwähnung im Koalitionsvertrag immerhin als „eine solide Basis für die Arbeit in den kommenden vier Jahren zum Wohle der Computer- und Videospielbranche am Standort Deutschland.“
Doch selbst die neuesten Konsolen oder die Erwähnung im Koalitionsvertrag sind nur dann sinnvoll, wenn die aktuellen Trends in der Branche auch Anklang bei den Gamern finden. So kann heute fast alles, was man virtuell erspielt, auf Facebook oder Twitter geteilt werden. Die Rede ist von Social Gaming, was auf dem Smartphone oder dem Tablet mittlerweile gang und gäbe ist. Immer mehr Spiele, auch Titel wie Battlefield 4 oder Need For Speed: Rivals, nutzen Social Media für sich. Dem User wird so die Möglichkeit gegeben, seine Erfolge direkt zu teilen und damit seine Freunde zu beeindrucken. Ein richtiger Vorteil ergibt sich so erst mal nicht, denn nicht jeder aus der eigenen Freundesliste ist interessiert an Games. Vielmehr soll es wohl nur kostenlose Werbung für die Firmen sein. Sony und Microsoft könnten allerdings den richtigen Schritt gemacht haben, denn die Online-Plattformen Playstation Network und Xbox Live sind – seit dem Start der neuen Konsolen – waschechte Social Networks ausschließlich für Gamer. Dort könnte das Teilen und Posten von Erfolgen und der dauerhafte Vergleich mit den Freunden noch Sinn machen, da man dort kaum fürchten müsste, dass jemand genervt von Spieleanfragen oder Sonstigem ist.
Ein weiterer Trend, den man vor allem 2013 erlebt hat, sind Free-2-Play-Titel, also Games, die man kostenlos herunterladen und direkt spielen kann. Über alternative Wege, wie einem Online-Item-Shop, verdient der Entwickler dann sein Geld. World of Tanks gilt auf diesem Gebiet eindeutig als Platzhirsch, angeblich soll es schon 70 Millionen Spieler weltweit geben. Dieser Erfolg führte unweigerlich dazu, dass viele andere F2P-Titel wie Planetside 2, Warframe oder Hearthstone auf den Markt kamen. Vielen dieser Videospiele wirft man das sogenannte „Pay-2-Win“ vor, also die Tatsache, dass Spieler die Möglichkeit haben, Geld in die Hand zu nehmen und damit einen Vorteil gegenüber denen zu haben, die nie einen Cent in das jeweilige Spiel investierten. Der Grad zwischen fairem F2P-Modell und unfairem P2W ist auf jeden Fall ein relativ schmaler.

Immer an kann auch kaputt sein. (alte SLEAZE.weisheit)

Ein letzter, für viele Gamer gravierender Trend ist die Always-Online-Funktion. Als Electronic Arts offiziell angekündigte, dass SimCity nur spielbar ist, wenn man dauerhaft online ist, sorgte das für einen gigantischen Aufschrei in der Community. Zwar versuchte EA mit kleineren Multiplayer-Funktionen einen Sinn für Always-On zu schaffen, doch schnell stellte man fest, dass diese Features alle wenig ausgereift sind und man eher an einem guten Kopierschutz interessiert war. Wie zuvor erwähnt, wurde selbst daraus merklich wenig. 2014 sind mehrere Titel angekündigt, die eine dauerhafte Internet-Verbindung voraussetzen, doch nun hat diese Maßnahme nicht mehr nur den Sinn, ein guter Kopierschutz zu sein, sondern verfolgt den Gedanken eines MMOGs (Massively Multiplayer Online Game, bekanntestes Beispiel: World of Warcraft). In Destiny bereist man beispielsweise unser Sonnensystem in einer dystopischen Zukunft, dabei soll man jederzeit mit seinen Freunden zusammen spielen können und eine große Open World unsicher machen. Man levelt seinen Charakter auf und verpasst ihm von Zeit zu Zeit neue Waffen oder Klamotten. Sogar im Rennspielsektor kommt mit The Crew ein Action-Rennspiel, das auf eben jene Funktion zurückgreift. Dabei erkundet man eine Spielwelt, die eine etwas kleinere, dafür aber immer noch verdammt große Version der Vereinigten Staaten von Amerika ist. Man baut eine Crew auf, tritt gegen andere an und steigt nach getaner Arbeit im Rang auf, um sein Auto noch schneller machen zu können.
TheDivisonEin anderes Spiel, das schon während der E3 für Aufsehen gesorgt hat, ist das selbsternannte Online-Open-World-RPG The Division, in dem man sich mit Freunden im apokalyptischen New York auf die Suche nach Versorgungsgütern und besserer Ausrüstung macht. Man darf sogar mit dem iPad als kleine Drohne ins Spiel einsteigen und damit seinen Mitstreitern unter die Arme greifen. Doch wer denkt, es handle sich nur um das stumpfe Abgrasen der Spielwelt, bis man die beste Ausrüstung hat, irrt sich. Denn neben der eigenen Gruppe von Soldaten, die sich gegen KI-Gegner behaupten muss, gibt es auch andere Spieler, die mit ihren Freunden das gleiche Ziel haben. Bedauerlicherweise kommt The Division höchstwahrscheinlich erst 2015, sodass wir uns noch ein bisschen in Geduld üben müssen.
Auch wenn 2014 wahrscheinlich nicht an die Qualität von 2013 herankommen wird, so wird es unzählige neue Ideen, Technologien und neue, kreative Games geben, die die Videospiel-Branche noch erfolgreicher und größer machen wird. Die neuen Konsolen verkaufen sich wie warme Semmeln und es wird nicht lange dauern, bis auch die ersten Top-Titel in den Startlöchern stehen. Die Steam-Box kommt auf den Markt und könnte Sony und Microsoft die Suppe komplett versalzen, wenn man langsam auf sich aufmerksam macht und triftige Gründe für Valves Konsolen-PC nennt. Auch wenn CDU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag eine Förderung der Gaming-Branche anstreben, sollte man sich vorerst mit der Tatsache zufrieden geben, dass Videospiele in Deutschland mehr und mehr Akzeptanz erhalten. Ganz egal, was 2014 aus dem Angekündigten herausspringt, es wird sicherlich ein spannendes und womöglich wegweisendes Jahr für uns Videospielfreunde.

Paul @ SLEAZE

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