Jack Daniel’s: 150 Jahre spiritu(os)ell

Jack Daniel’s: 150 Jahre spiritu(os)ell

Neun. Ganze neun Jahre wird SLEAZE Ende Oktober alt. Was wir in der Zeit alles erlebt haben, unglaublich. Wie wird das wohl erst sein, wenn SLEAZE 150 Jahre alt wird? Jack Daniel’s, unser treuer Gefährte seit den ersten Tagen, wird dieser Tage 150 Jahre alt. Wir genehmigen uns einen Blick zurück.

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Alles begann mit Jasper Newton „Jack“ Daniel. 1846 wurde er laut der deutschen Wikipedia geboren, wahrscheinlicher ist aber, dass er 1850 geboren wurde. Zumindest, wenn das hier der richtige Grabstein ist. Viel wichtiger als das Geburtsdatum ist jedoch, was für ein guter Geschäftsmann er war. Zwar wurde Jack durch seinen Vater zum Whiskey brennen gebracht, aber Jackie hatte schon früh den Dreh raus, was Eigenvermarktung anging. Mit seinem ungewöhnlichen Modestil für die Gegend, der eher einem Plantagen-Besitzer entsprach, zog er die Blicke auf sich.

1866 ließ er als erste Destillerie überhaupt in einem US-Handelsregister seine Firma eingetragen. Jack hatte die Destillerie in Lynchburg platziert, weil er da eine eisenfreie Kalksteinquelle entdeckte, die sich seiner Meinung nach sehr positiv auf den Whiskey auswirken würde. Um Unreinheiten aus dem Whiskey zu bekommen, wurde zudem sehr früh die Technik des Holzkohle-Filterns eingeführt. Heute macht das allerdings außer Jackie keiner mehr.

Making charcoal at Jack Daniel's, Jack Daniel Distillery, Lynchburg (pop. 361), Tennessee

Der Weg zum Whiskey ist lang. Aus Mais, Roggen, Gerstenmalz und Quellwasser wird Maische. Der Gärprozess hat zur Folge, dass der Zucker sich in Alkohol verwandelt. Dann wird destilliert, und herauskommt eine klare Flüssigkeit – mit 70 Umdrehungen. Dann kommt die Holzkohle, um das enthaltene Fett herauszufiltern. Danach kommt der Whiskey mindestens vier Jahre in Eichenfässer. Durch die Sommerwärme und die Winterkälte öffnet und schließt sich das Eichenholz immer wieder. Die Folge: Der Whiskey dringt bei Wärme in das Holz ein und wird bei Kälte vom Holz wieder herausgepresst. Durch das Hin und Her erhält der Whiskey sein Aroma und die dunkle Färbung.

Typisch Bourbon wurde die Spirituose in der Anfangszeit in Tonkrügen mit Korkverschluss verkauft – und natürlich in Fässern (auch wenn Jackie darauf Wert legt, dass es sich hier um Tennessee-Whiskey handelt, nicht um Bourbon. Der wahrscheinliche Grund: Jack Daniel’s hatte ein eigenes Herstellverfahren entwickelt – und wie alle erfolgreichen Marken will sie sich erfolgreich abgrenzen.) 1870 stieg man auf Glasflaschen um, das ikonische Design der kantigen Flaschen von heute wurde 1895 eingeführt.

1911 verstarb Jack, seine Familie führte die Whiskey-Firma aber natürlich fort. Die Prohibition wurde in Tennessee bereits 1910 eingeführt und somit wurde Lynchburg für die Destille zu einem großen Standort-Nachteil. Sie zog deshalb nach St. Louis in Alabama, aber durch das bundesweite Verbot 1920 brachte der Umzug nicht viel und der Betrieb wurde komplett ausgesetzt. 1933 wurde die Prohibition landesweit aufgehoben, allerdings dauerte es in Tennessee bis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ehe das durchgesetzt war.

Dazu kam, dass Lynchburg die Prohibition NIE aufgehoben hat. Noch heute liegt es in einem sogenannten „trockenen Landkreis“. Heißt: Man darf den Alkohol vor Ort weder kaufen noch konsumieren. Selbst die Vorkoster bei Jackie machen sich strafbar, wenn sie den Whiskey konsumieren. Also schön nach dem Bill-Clinton-Motto arbeiten: probieren, aber nicht schlucken. Der Grund, warum das so sein soll: Nach dem Ende der Prohibition überließ man den Countys die Entscheidung. Allerdings benötigt man in Tennessee für solche Gesetzesänderungen mindestens 1.000 Stimmen. Bei 400 Bürgern fehlten also bisher immer jede Menge Einwohner… Vielleicht sollte Jackie also vor Ort mehr Leute einstellen, um auf die erforderlichen Stimmen zu kommen. Auf der anderen Seite ist es eine sehr charmante Story, dass der weltgrößte Whiskey-Hersteller in einem Dry State produziert.

Jacks Konterfei auf den aktuellen "Limited Edition"-Dosen
Jacks Konterfei auf den aktuellen „Limited Edition“-Dosen

Noch skurriler wird die Story, wenn man bedenkt, dass in und um Lynchburg um die 72 Millionen Fässer lagern sollen. Außerdem zieht der Whiskey-Produzent 200.000 Besucher nach Lynchburg, das 2013 mit „Speckgürtel“ nur 6.000 Einwohner hat.

Heutzutage ist Jackie überall. Es gibt wohl keine (un)anständige Bar, in der JD nicht zu haben ist. Und selbst die reichen Gangster in den Hollywood-Filmen, die zwar sonst nur teuersten Champagner trinken, überraschen, wenn sie zu dem viel zu günstigen Jackie greifen. Aber das hat vielleicht auch andere Gründe. 🙂

Das persönliche Ende von Jack Daniel’s jedenfalls war nicht so glamourös wie Hollywood. Als er eines Morgens an seinen Safe ging, konnte er sich nicht an die Zahlenkombi erinnern. Ob es am Whiskey lag? Jedenfalls war er darüber so wütend, dass er gegen den Geldschrank trat und sich verletzte. Die Blutvergiftung führte daraufhin zum Tod des Whiskey-Genies.

danilo

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