Im Abgrund wohnt die Wahrheit

Im Abgrund wohnt die Wahrheit

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Was Schiller schon damals ganz richtig erkannt hat, lässt der Film „True Story“ wieder neu aufleben. Dabei sollte der Titel des Films nicht allzu wörtlich genommen werden, denn schon das Filmposter lässt nichts Gutes erahnen. Erscheint auf den ersten Blick ein harmloser Fingerabdruck, wird bei genauerem Hinsehen das englische Wort „Lies“ sichtbar. Der Film begibt sich in die Welt der Medien, in der ja gerne mal geschummelt wird, das sich die Kameras schamvoll abwenden wollen. Wie abgrundtief mediale Manipulation gehen kann, zeigt der Film „True Story“ doch recht eindrucksvoll. Was passiert, wenn man der Wahrheit nicht immer treu bleibt, bekommt der Journalist Mike Finkel am eigenen Leib zu spüren. Denn um seine SLEAZE True Story 4Karriere zu retten, trifft er eine folgenschwere Entscheidung.

Als renommierter Times-Journalist Mike hat Jonah Hill die Nase in der Medienwelt weit vorne. Um sich seinen Rang nicht ablaufen zu lassen, frisiert er seine letzte Titelgeschichte. Leider fällt die Manipulation auf und er verliert seinen Job. Während er immer weiter verzweifelt in das Karrieretief rutscht, liegt seine nächste Top-Story zum Greifen nah. Denn Christian Longo, der wegen Mordes an seiner Familie angeklagt ist, hat sich mal eben Mikes Identität angeeignet. Es geht nun nicht mehr nur um Macht und Manipulation, sondern vielmehr um die Frage der Wahrheit. Das ist auch SLEAZE nun wirklich nicht fremd.

Mit dem Dreamteam Jonah Hill und James France hat sich Regisseur Rupert Goold für sein Debüt „True Story“ genau die Richtigen mit ins Boot geholt. Obwohl ich nach ihrer Chaoskomödie „Das ist das Ende“ doch eher meine Zweifel hatte, ob Jonah und James diese Rollen wirklich glaubwürdig rüberbringen können. Doch die wortwörtlich wahre Geschichte hat mich dann vom Gegenteil überzeugt. Vielleicht grade, weil die beiden schon lange Filmkollegen sind, klappt die Umsetzung des Katz- und Mausspiels so gut. 

SLEAZE True Story 3Dass Rupert eigentlich als Spielleiter am Theater arbeitete, sieht man auch in seinem Film. Besonders in seiner wahrheitsgetreuen Darstellung der Gefängnisszenen vermittelt er dem Zuschauer glaubhaft die kühle Atmosphäre, die dort herrschen musste. Nur verschwommen werden die eigentlichen Morde durch Flashbacks angedeutet und so immer mehr Puzzleteile zusammengesetzt. Der Zuschauer besitzt bis zum Ende nicht die Möglichkeit, sich ein klares, komplettes Bild über den Ablauf der Verbrechen zu machen. Rupert schafft es gekonnt, aus den tristen Gefängnisszenen ohne großen Dekorationsaufwand sein eigenes Kammerspiel zu machen und legt so den Fokus auf die Wirkung der Gespräche zwischen Jonah und James. Anders wie in vielen amerikanischen Filmen, die zu emotionaler Überschwänglichkeit neigen, verhindert der britische Regisseur genau das in „True Story“. Die Natürlichkeit der Emotionen und Gefühle lassen sich gut nachempfinden. Manchmal sogar so sehr, dass man selber gerne James an den Hals springen möchte.

True Story“ ist nicht nur eine wahre Geschichte, sondern spielt auch mit der Wahrheit, die von jedem Einzelnen von uns gelegentlich zu verheimlichen versucht wird. Obwohl die SLEAZE True Story 2Spannung zu wünschen übrig lässt, ist die schauspielerische Darstellung doch sehr sehenswert. Der Film lässt den Zuschauer ab dem 06.08.2015 an dem manipulativen Psychogramm teilhaben, ohne zu viel von der Wahrheit preiszugeben.

Leo

 

Titel: True Story – Spiel um Macht
Regisseur
: Rupert Goold
Dauer
: 100 Minuten
: 06.08.2015
Verleih
: 20th Century Fox

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