Good bye Lenin! Hello Kaminski!

Good bye Lenin! Hello Kaminski!

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Kennt nicht jeder diese Tage, an denen einfach alles schief läuft und man sich eigentlich nur in seinem Bett verkriechen möchte. Doch dann findet man sich um ein Uhr nachts vor dem Fernseher und lässt sich von Bob Ross, seinem Afro und seiner Malerei für einen kurzen Moment in eine andere, heile Welt mitreißen. Auch Sebastian Zöllner sucht die Ruhe und die hypnotische Aura des Malers und auf einmal scheinen alle Sorgen verschwunden. Zumindest für die halbe Stunde, die Bob Ross über den Bildschirm läuft.

Und Sebastian, gespielt von Daniel Brühl, braucht die halbe Stunde Glückseligkeit mehr als jeder andere. Nicht nur wurde er von seiner Freundin auf die Straße gesetzt, sondern auch im Berufsleben will es einfach nicht flutschen. Mehr schlecht als recht meistert Sebastian sein Leben als Kunstkritiker, obwohl er sein Interesse an der Kunst schon längst verloren hat.

SLEAZE.IUK07Sebastian könnte einem sogar beinahe Leid tun, wäre er nicht so ein Arsch. Trotz seiner Verliererposition trägt er die Nase extrem hoch und lässt dies auch jeden spüren. Und nun ist sein beruflicher Durchbruch zum Greifen nah. Er wird der Biograph des Malers Manuel Kaminski, gespielt von Jesper Christensen. Dafür muss er eigentlich nur in ein abgelegenes Dorf in der Schweiz, um mit dem Maler persönlich zu sprechen. Doch für seinen Erfolg muss Sebastian hart kämpfen, denn weder der sture blinde Maler noch dessen dominante Tochter machen es ihm einfach, sein Werk zu vollenden. Erst als Sebastian auf Kaminskis große Liebe Therese stößt, kommt der Ball ins Rollen. Ein gemeinsamer Road-Trip zur Angebeteten wird zum emotionalen und chaotischen Abenteuer für ihn und Kaminski.

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Daniel Brühl stand bereits für „Good bye, Lenin!“ vor Wolfgang Beckers Kamera und wie außerordentlich erfolgreich diese Zusammenarbeit war, haben wir wohl alle noch in bester Erinnerung. Ein Hoch auf die Spreewaldgurke! Auch bei „Ich und Kaminski“ steht der Humor an erster Stelle und da könnte so mancher deutsche Zuschauer jetzt vielleicht kurz panisch hochschrecken. Doch keine Sorge, hier sorgt kein Frettchen für Unfruchtbarkeit noch ist irgendein Schweiger-Sprössling in der Hauptrolle zu sehen. Dieser Film ist wirklich lustig und das, ohne albern zu werden oder sich irgendwelcher Klischees zu bedienen. In diesem Film ist der Humor oft schwarz und böse, doch ist das nicht eh die schönste Art zu lachen? Auch wenn Daniel auf den ersten Blick nicht an einen typischen Comedian erinnert, ist es gerade die Figur Sebastian, die dem Zuschauer ein Lachen rauskitzelt. Klar ist die Geschichte des chaotischen Road-Trips nicht völlig neu im Kino und insbesondere unsere Freunde aus Hollywood haben diese Art des Reisens schon in jeglicher Form auf der Leinwand durchgekaut. Bei „Ich und Kaminski“ ist das aber überhaupt nicht störend, sondern bringt den Film sprichwörtlich in Fahrt. Nicht nur die beiden Hauptfiguren lernen sich besser kennen, sondern auch der Zuschauer versteht, mit wem er es da eigentlich zu tun hat. Es stellt sich nämlich raus, dass auch Kaminski nicht unbedingt ein Sympathieträger ist.

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Der Film ist die perfekte Fälschung und das ist keineswegs als Beleidigung gemeint. Aber die fiktive Dokumentation über den fiktiven Maler Kaminski und seine Werke wirken so authentisch, dass man tatsächlich an Kaminskis Existenz glauben möchte. Man sieht Kaminski mit Picasso Café trinken und mit Andy Warhol für die Fotografen posieren, das muss doch stimmen! Doch sind es wie immer die genialen Visual Effects, die uns die fiktive Wahrheit glauben lassen.
Insgesamt ist der Film perfekt bis ins kleinste Detail. Jede noch so kleine Szene ist fehlerfrei inszeniert, jeder Schauspieler und auch jeder Komparse steckt in seiner Rolle.

Auch wenn der Film auf dem gleichnamigen Buch von Daniel Kehlmann beruht, soll hier nicht zu viel verraten werden. Lieber am 17. September in die Kinos gehen und sich selbst ein Bild machen.

Mareike

Titel: Ich und Kaminski
Regie: Wolfgang Becker
VÖ: 17.09.2015
Dauer: 120 Minuten
Verleih: X Verleih

 

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