Glückshormone otologisch verabreicht

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Dopamine heißt die neuste Platte von Third Eye Blind. Hoffentlich kann Sänger Stephan Jenkins seine Band und die Musik wieder zurück nach oben bringen.

Sie haben angekündigt, dass dies ihr letztes Album wird. Doch warum wollen sie trotz Weiterbestehen keine Platten mehr veröffentlichen? Spontan fallen mir da zwei Möglichkeiten ein. Entweder ist das Album unfassbar gut geworden und alle sind sich einig, dass sie niemals mehr ein Besseres machen können oder das Album ist einfach so schlecht geworden, dass sie davon abgeschreckt sind, noch einmal so viel Arbeit in eine Platte zu investieren.

Ich bin wirklich gesSLEAZE.Third Eye Blind.Foto1pannt, ob eine dieser Theorien auf Dopamine von Third Eye Blind zutrifft. Ihr letztes Album haben sie vor sechs Jahren rausgebracht und auf der neuen Platte sind auch nur zwei Mitglieder der ursprünglichen Besetzung übrig geblieben. Bekannt wurden sie vor allem 1997 durch ihre Debütsingle „Semi-Charmed Life“, die bis heute im Radio läuft. Es gehört zu diesen Liedern, bei denen man immer mitsummt, aber nie weiß, von wem es eigentlich stammt.

Der Beginn ist für mich leider etwas enttäuschend. Das Lied „Everything is easy“ ist sehr unauffällig und hat diesen konventionellen Dance-Beat, mit dem momentan fast jedes Lied unterlegt wird. Trotzdem hat es, so wie fast jeder Song auf dem Album, einen eingängigen Refrain und ist somit sehr leicht zugänglich. Damit beweist Sänger Stephan Jenkins, dass er immer noch Songs mit Ohrwurmpotential schreiben kann. Jedoch haben die ersten Lieder auf dem neuen Album nicht viel vom früheren Stil der Band. Auf den vorherigen Alben war meist Alternative Rock zu finden, der sich vor allem durch Stephans eigenwilligen Gesang und unerwarteten Melodiewechseln von vergleichbaren Bands wie Goo Goo Dolls unterschieden hat.

Doch zum Glück wendet sich die Stimmung ab dem vierten Song, der sich den Namen mit dem Album teilt. Es ist das perfekte Stück für mich als Fan der früheren Werke. Es ist ein typischer Third Eye Blind-Song. Damit meine ich nicht, dass alle Lieder der Band gleich klingen, sondern dass hier auch unerwartete Elemente versteckt sind und auch die Stimme von Stephan genauso stark wie vorher klingt. Ab „Rites of Passage“ wird es dann auch endlich rockiger, wie man es eigentlich gewöhnt ist von den Amerikanern. Das erste Gitarrensolo ist sehr kurz, dafür fällt es in „Something in you“ umso länger aus. Das hier nicht mehr Tony Fredianelli, sondern neuerdings Kryz Reid in die Saiten haut, fällt nicht auf. Als Songschreiber und Sänger bleibt Stephan Jenkins das entscheidende Bandmitglied. Er ist auch der Einzige, der seit der Gründung 1993 bis heute Mitglied ist.SLEAZE.Third Eye Blind.Foto2

Zum Ende hin verwischt sich die klare Linie wieder und die Lieder werden vor allem ruhiger. Hier schließt sich der Kreis, da die Stücke ebenso gewöhnlich sind wie am Anfang der Platte.Lediglich die Schlussnummer bietet wieder einen kleinen Lichtblick.

Auf dem Album Dopamine sind vor allem Popmelodien zu finden mit ein paar sehr guten Gitarrenmomenten. Besonders in der Mitte des Albums kann man sich auf ein paar außergewöhnlich ausgearbeitete Sequenzen freuen. Das sind besondere Details, wie man sie von dieser Band kennt und erwartet. Der gelungene Mittelteil ist leider umrahmt von durchschnittlichen Nummern, von denen nicht viel hängen bleibt. Stephan Jenkins ist der Meinung, ein Album zu schreiben mache so viel Arbeit, dass er nur noch Singles rausbringen möchte. Vermutlich ist das der Grund, warum Dopamine die letzte Platte bleiben soll. Denn es könnte definitiv die smegachlechteste dieser Band sein. Doch man ist von Third Eye Blind musikalisch so verwöhnt, dass es im Vergleich zu anderen Künstlern immer noch ein gelungenes Album ist.

Maurin

Interpret: Third Eye Blind
Album: Dopamine
VÖ: bereits veröffentlicht
Label: Megaforce

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