Ein-Mann-Musik-Armee

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Wann ist eine Band eigentlich eine Band? Es gibt Boy Bands, Big Bands und auch Rock Bands. Gemeinsam haben sie nur, dass sie aus mehreren Mitgliedern bestehen. Doch auf die Band The Radar Post trifft nicht mal das zu. Esben Svane ist die Band.

Nachdem er Schlagzeuger zahlreicher Musikgruppen war, wollte Esben alleine weitermachen und veröffentlichte eine EP unter seinem Namen. Doch die neuen Stücke, die er schrieb, fühlten sich für ihn einfach mehr an wie eine Band. Also wurde der Name geändert. Bei The Radar Post hat Esben alle Lieder geschrieben und auch so gut wie immer die Instrumente selbst gespielt. Nur vereinzelt spielen andere mal den Bass oder die Flöte. Der Däne selbst bedient auf seinem gleichnamigen Debütalbum als Ein-Mann-Band sieben Instrumente und singt natürlich.

Das Eingangsstück „ForewordSLEAZE.Radar 2“ lässt ein Album mit Britpop- / Alternative-Sound vermuten, doch bleibt dieses Lied das einzige in diesem Stil. Der Text ist definitiv autobiographisch und als Zuhörer schwebt man irgendwo zwischen Mitleid und Belustigung. Doch „Foreword“ bleibt alleine im The Kooks-Stil. Daraufhin wird das Tempo deutlich herausgenommen und nicht nur der Melodie, auch Esbens Stimme wird die Leichtigkeit genommen. Bei „Traces“ klingt er sogar sehr kräftig und Esben packt eine Pop-Ballade direkt vor das rockigste Stück der Platte. Durchgehende Gitarre und ein lautes Schlagzeug läuten die vermutlich schnellere Phase des Albums ein. Doch wieder falsch gedacht. Abschließend wird es nämlich um einiges ruhiger. Ähnlich wie die Platte wird auch Esbens Leben verlaufen sein. Lange Zeit kämpfte er mit Drogen und Alkohol. An ganze zwei Jahre aus seinem Leben kann er sich sogar nur verschwommen erinnern. 2012 zog er schließlich aufs Land, um etwas Ruhe zu finden.

Auf The Radar Post gibt es Überraschungsmomente, in denen die Erwartungen durchkreuzt werden, da eine völlig andere Richtung eingeschlagen wird. Doch gerade die langsameren Stücke werden schnell eintönig. Das Album ist durchdacht und startet sehr gelungen. Die Abwechslung des Mittelteils hätte jedoch auch dem Ende der Platte sehr gut getan. So wird man nach 40 Minuten etwas unzufrieden zurückgelassen. Ein weiterer Stimmungswechsel fehlt hier einfach.

Esben beschreibt The Radar Post als Projekt. Vielleicht bleibt es bei diesem einen Album und danach gibt er sich einen neuen Namen und macht als Solokünstler weiter oder verpasst sich gleich eine ganz neue Präsenz und macht es wie Blur-Sänger Damon Albarn, der mit Gorillaz eine ganze Comic-Band erschaffen hat. Zuzutrauen wäre es ihm. Erfahrungen hat er auf jeden Fall genug für gleich mehrere Leben.

Maurin

Interpret: The Radar Post
Album: The Radar Post
VÖ: 27.02.2016
Label: Nordic Music Society

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