DVB-T2 HD: Das Ende des Privatfernsehens?

DVB-T2 HD: Das Ende des Privatfernsehens?

Am Ende dieses Monats wird sich das Fernsehen wie wir es kennen, für immer verändern. Genauer gesagt am 29. März. An diesem schicksalsträchtigen Tag passiert es nämlich: der Wechsel von Irgendwas zu DVB-T2 HD. Ja es ist krass. Und ja, uns vom SLEAZE schockiert es genauso wie dich. Aber Moment, wer zum Geier ist das eigentlich, dieser DVB-Terminator?

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Das gute, alte Fernsehen, wie wir kennen, seit uns die Eltern jeden Nachmittag davorsetzten, damit wir ruhig sind, (ver)endet. Ersetzt durch DVB-T2 HD, ein Wortkürzel, so sperrig wie Tante Helgas Gesäß. Warum macht man solche Dinge nicht simpel? Jochen. Warum heißt dieses neue Fernsehen nicht einfach Jochen, hm?

Das Logo, welches von nun an unser Leben bestimmen soll

Jochen ist der Wechsel zu besser Bildqualität, neudeutsch auch High-Definition genannt, und mehr Sendern – per Antenne wohlgemerkt. Einige (Test)Gebiete unserer deutschen Lande konnten bereits seit längerer Zeit auf Jochen zugreifen. Insgesamt sollen drei Millionen Haushalte von der Umstellung betroffen sein, das entspricht ungefähr 75 Prozent der DVB-T-Empfänger in Deutschland. Grundsätzlich gilt: Wenn man nicht nur dieses öde intellektuelle Zeug der öffentlich-rechtlichen Sender per DVB-T empfängt, sondern auch dieses viele dumpfe Zeug der privaten wie RTL, ProSieben und so weiter, dann gehört man zu den betroffenen Haushalten. Und damit es nicht zu einfach ist, erfolgt die Umstellung auf DVB-T2 HD im März nur in den Ballungsräumen Deutschlands. Der ländliche Bauer muss seine Frau weiterhin ohne HD finden (vielleicht auch besser so). Diese unwichtigen Gebiete sollen dann jedenfalls bis 2019 in den Genuss des neuen Standards kommen.

Die Fernseh-Antenne. Bald ausgefunkt?

Was die Hardware betrifft, braucht man nach dem Wechsel auf DVB-T2-auf jeden Fall den passenden Receiver. Der kann zum Beispiel eine sogenannte „Set-Top-Box“ sein, also ein Receiver, der an den Fernseher angeschlossen wird. Neue Fernseher haben meist schon so einen DVB-T2-Empfänger integriert. Dazu kommt jetzt halt auch noch, dass man für die privaten Sender jetzt auch noch ein Abo braucht. Jo, klingt nach „Jamba Spar-Abo“, oder? Also muss man sich die Freischaltkarte des Plattform-Betreibers Freenet-TV besorgen, die sind nämlich die Einzigen, die so etwas anbieten dürfen. (Anfang 2015 gab es Ausschreiben der Medienanstalten, welches damals Media Broadcast als einziger Bewerber gewann. Die wurden dann aber von Freenet aufgekauft. Klingt nach Monopol? Finden wir auch, auch wenn es sich um lediglich drei Millionen Haushalte handeln soll.)
Die Freischaltung ist preislich dementsprechend angepasst und kostet happige 69 Euro pro Jahr. Genau: Endlich eine GEZ auch fürs bisher komplett werbefinanzierte Privatfernsehen. Der Empfang des „intelligenteren“ Fernsehens, den öffentlich-rechtlichen Sendern, wird weiterhin aus unseren Rundfunkgebühren gedeckt und ist damit „kostenlos“.

Wer also wie bisher über Antenne seinen öffentlich-privaten TV-Mix möchte, muss recht tief in die Tasche greifen. Aber dafür  bleibt eine Sache gleich: Das Aufnehmen aller Sendungen wird wieder möglich sein, sobald der Wechsel über die Bühne gegangen ist.

Tja so ist das nun mal, die Welt hört nicht auf sich zu drehen, und auch in der Fernsehlandschaft, die uns so wunderbare und hochmoderne Premium-Unterhaltung wie Bauer sucht Frau oder Big Brother beschert, will man immer auf dem neusten Stand sein.

Stellt sich nur eine wichtige Frage: Wer braucht das? Alle, die im Internet zuhause sind, haben – wenn überhaupt – einen Fernseher für YouTube und Netflix. Aber auch die anderen, die von Haus aus Fernsehen irgendwie dabei haben – kaufen sich da viele ernsthaft einen Receiver (das der Onkel unseres Obersleazels übrigens wortwörtlich ausspricht, also mit einem „Ei“ in der Mitte)? Wir zweifeln daran und raten dem Privatfernsehen generell, sich warm anzuziehen – oder doch mal etwas genauer die Strategien von ARD und ZDF sowie von Netflix & Co zu studieren / kopieren / fusionieren.

Simon

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