Indy mit Anspruch: Die Versunkene Stadt Z

Indy mit Anspruch: Die Versunkene Stadt Z

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Manche Film-Genres sind einfach gnadenlos aus der Mode gekommen. Dazu gehört auch leider der Abenteuerfilm. Die goldene Zeit der kernigen Helden und Heldinnen, die sich durch historische Bauten kämpfen, Fallen überwinden, mit Eingeborenen und Schurken kämpfen, und schließlich den glitzernden Goldschatz oder die große Liebe finden, ist vorbei.
Schade an sich, war es doch immer ein ehrliches und unterhaltsames Genre. Wenn sich heutzutage noch ein Filmemacher rantraut, kommt halt meistens mieser Mumpitz wie die neusten Teile der Fluch der Karibik-Reihe bei raus. Naja, um fair zu bleiben, auch damals, in der Hochzeit des Abenteuerfilms (den 80ern natürlich!), war die Chance sehr hoch, miesen Mumpitz zu sehen, wenn man zu einem solchen Film ins Kino ging (oder viel wahrscheinlicher: ihn sich in der Videothek auslieh). Wissenschaftler behaupten sogar, die Wahrscheinlichkeit belaufe sich dabei um 80 Prozent (Vorsicht, alternative Fakten). Stereotypen, schlechte Sets und Rassismus waren oft vertreten. Legendär ist ja zum Beispiel die Dinner-Szene in Tempel des Todes. Oder wie James Bond in Dr. No die Bewohner der „Dritten Welt“ durch die Gegend tritt.

Zwischen Amazonas und Themse

Anderer Wind weht da vom neusten Abenteuerfilm, den man ab dem 30. März im Kino sehen kann. Dieser trägt den unhandlichen Namen Die Versunkene Stadt Z und ist eine Verfilmung des gleichnamigen Romans aus der Feder von dem New Yorker Journalisten David Grann. Dieser Roman basiert auf dem Leben des britischen Entdeckers und Soldaten Percy Fawcett, der ein wirklich spannendes Leben Anfang des 20. Jahrhunderts führte.

Beschauliche Bootsfahrt durch den Amazonas

Der Film erzählt die Geschichte von Percy Fawcett, der bei seiner Expedition zum Ursprung des Amazonas auf Beweise für die Existenz einer unbekannten, fortgeschrittenen Zivilisation stößt, die einst die Dschungelregion bewohnt haben könnte. Während er in seiner britischen Heimat von dem wissenschaftlichen Establishment belächelt wird, die die indigenen Völker immer noch als zurückgebliebene Wilde ansehen, wird er hingebungsvoll von seiner Frau und seinem Sohn unterstützt. Durch seine häufige Abwesenheit muss sich die Familie allerdings auf viel Entbehrung und Leid einlassen. Und ganz nebenbei bricht auch noch der erste Weltkrieg aus, in dem Percy die desillusionierenden Schlachtfelder Frankreichs erleben darf.

Was hat der Film zu bieten?

Es gibt also eine ganze Menge zu sehen in dem Film. Zu sehen gibt auch einen Charlie Hunnam, der als Percy Fawcett gecastet wurde. Wer Sons of Anarchy gesehen hat, denkt sich jetzt vielleicht, dass das nicht unbedingt passt. Tatsächlich tut es das aber. Genau dasselbe bei Ex-Vampir-Softi Robert Pattinson, der in Die Versunkene Stadt Z Percys Assistenten spielt.

Wenn man nicht wüsste, das man hier Robert P. sieht, würde man es bei seinem Rauschebart und runtergekommenen Aussehen einfach nicht glauben. Beide spielen ihre historischen Vorbilder absolut überzeugend, und man leidet bei ihren Touren durch den Dschungel richtig mit. Ausserdem darf man sich auf Sienna Miller (Foxcatcher) und Tom Holland freuen.

Eine ganz ungemütliche Situation

Für alle, die sich jetzt fragen wer Tom Holland ist: Das ist der neue, blutjunge Spiderman, der jetzt beim dritten Aufguss der Reihe dabei ist. Der Film hat also auch ein paar Namen auf dem Plakat vorzuweisen.

Aber das ist nicht alles. Der wirkliche Star des Films ist der Dschungel, der Schauplatz der vielen Abenteuer ist. Man fühlt direkt mit den Protagonisten mit, wenn sie sich durch die grüne Hölle durchkämpfen. Mit all seinen Krankheiten, Moskitos und undurchdringlichen Pflanzen wird diese hier dargestellt, wie sie ist: tödlich. Der Dschungel ist ein Ort, der so weit weg von unserer Zivilisation ist wie nur möglich. Vielleicht machte das auch gerade die Obsession Percys aus.

Die ist nämlich neben den Abenteuern in den gefährlichen Tropen ein wichtiger Teil der Handlung. Die ständige Abwesenheit des Pater Familias, der besessen davon ist, die verlorene Zivilisation im Urwald zu finden, führt in der britischen Heimat zu vielen Problemen. Sein Sohn entfremdet sich von ihm, denn ihm fehlt die Vaterfigur. Seine Tochter kennt Percy kaum. Und seine Frau, die ihn zwar immer unterstützen will, egal was er tut, versucht selbständig zu sein und mit der Entbehrung klarzukommen. In diesen „Familiendrama“ werden die Themen der Emanzipation in einer Zeit behandelt, in der diese noch in ihren Kinderschuhen steckte. In manchen Szenen wirkt das leider etwas zwanghaft, aber meistens ist es realistisch rübergebracht, was dem Film noch zusätzliche Punkte sichert.

Für die abschließenden Worte kann man eigentlich nur sagen, dass der Film absolut sehenswert ist. Es ist kein reiner Abenteuerfilm, aber hat genug Abenteuer dabei, um einen bei Laune zu halten. Es wird eine spannende Geschichte voller Zeitgeist und Anspruch erzählt, bei der eigentlich für jeden was dabei ist. In diesem Kontext also: Sieh dir diesen Film an!

Simon

Titel: Die Versunkene Stadt Z
Regie: James Gray
Laufzeit: 140 Min.
: 30.3.2017 (dt. Kinostart)
Verleih: Studiocanal

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