Der Wild(gähnend)e Westen

Der Wild(gähnend)e Westen

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Zuletzt machte Regisseur Gavin O’Connor 2011 auf sich aufmerksam, als sein vielfach gelobtes Sport-Drama Warrior in die Kinos kam. Der mit Tom Hardy (Mad Max: Fury Road) und Joel Edgerton (Black Mass) besetzte Film um zwei Brüder, die sich irgendwann ausgerechnet im Ring als Kontrahenten gegenüberstehen und das ohnehin zerrüttete Familienverhältnis weiter auf eine harte Probe stellen, verhalf auch Nick Nolte (Der Schmale Grat) als zwischen den Fronten stehender Vater der beiden endlich wieder zu einer starken Darstellung. In seinem neuen Film, dem Western Jane Got a Gun, steht wieder die Familie und eine Dreiecksbeziehung im Mittelpunkt des Geschehens. Erneut mit Joel Edgerton besetzt, der auch am Drehbuch mitwirkte, ist es diesmal allerdings Natalie Portman (Black Swan), die als Zentrum der Geschichte fungiert und sich in einer harten, männerdominierten Welt behaupten muss, um sich und ihre Familie zusammenzuhalten.

Verloren im Bekannten: Natalie Portman
Verloren im Bekannten: Natalie Portman

Denn als ihr Mann (Noah Emmerich) eines Tages, schwerverletzt und fortan bettlägrig, auf dem heimischen Hof in der Wildnis auftaucht, sieht sie sich gezwungen, ihre Tochter in Sicherheit zu bringen und den Kampf gegen die Geister der Vergangenheit aufzunehmen. Diese wird in Form einer düsteren Bande des von Ewan McGregor (Im August in Osage County) verkörperten John Bishop dargestellt und steht letztlich als nichts weiter als der große Antagonist, da auch der unwirtliche Wilde Westen nicht über das Dasein einer reinen Kulisse hinauskommt. Leider erweist sich die gegenspielerische Kraft allerdings als reichlich malträtiertes Western-Klischee, das zwar durch Rückblenden immer wieder beleuchtet wird und somit die Beziehung zur Protagonistin greifbarer erscheinen lässt, letztlich aber nicht in wirklich interessante Höhen stößt, um einen prägenden Eindruck zu hinterlassen.

Ausdrucksstark: Joel Edgerton
Ausdrucksstark: Joel Edgerton

Warum sich Gavin auch in seinen Duellierungen in solch alter, miefiger Musterbrühe suhlt, ist fraglich: Es passiert schonmal, dass eine Figur plötzlich und unbemerkt auftaucht – nach obligatorischem Gefühl der Sicherheit eines zuvor gewonnenen Kampfes – oder der Dialog der Tat vorausgeht und damit die eigentliche Tötungsaktion ad absurdum führt. Das sind Groschenromanfantasien ohne Trashcharme derselben und wirken daher nur vollkommen deplatziert und als ideenlose Brücken zwischen den Ereignissen konstruiert. Somit schleift sich das Geschehen ein wenig abgemüht, aber insgesamt unterhaltsam bis zum finalen Home Invasion-Part des Films, in denen alle emotionalen Verknotungen zueinander finden und sich teils zusammentun, reißen oder neue Verbindungen eingefädelt werden. Das in Blei gegossene Finale erweist sich dabei als logische Folge der zuvor etablierten Gewöhnlichkeit. Einer mag in dem ganzen Geschehen aber dann doch herausstechen: Joel Edgerton. Der australische Schauspieler legt seine von innerer Tragik durchzogenen Figur zum Teil in einem Blick offen, was auf nichts weniger als einen großen Darsteller schließen lässt. Wenn ihm dieser Western doch nur gerecht werden würde.

Alex Warren

Titel: Jane Got a Gun
Regie: Gavin O’Connor
Laufzeit: 94 Min.
VÖ: 13.05.2016 (DVD, Blu-Ray, VoD)
Verleih: Universum Film

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