Call of Duty: Black Ops Cold War – Der zerrissene Krieg

Call of Duty: Black Ops Cold War – Der zerrissene Krieg

Die Freiheitsstatue. Militärparaden unter roter Flagge, Breschnew und Castro Hand in Hand. Eine explodierende Atombombe und der frischgewählte US-Präsident Reagan, der die Freiheit der willensstarken und mutigen Menschen heraufbeschwört gegen jene, die Terrorismus verbreiten.

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In einer rasanten Introsequenz bringt Call of Duty: Black Ops Cold War seine erzählerischen Geschütze in Stellung und zeichnet ein Bild der frühen 80er, in denen der titelgebende Kalte Krieg in seinem finalen Jahrzehnt flammte.

Es ist der Auftakt zu einem hochgetakteten Agententhriller zur Zeit des Superkonflikts zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion, der die Welt an den Rand der atomaren Katastrophe manövrierte.

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Bereit für den Kalten Krieg à la Call of Duty?

1981 übernimmst du im neusten Ableger des Call of Duty-Franchises die Rolle des stummen Protagonisten, Codename „Bell”. Gemeinsam mit einer Gruppe US-treuer Kämpfer befindest du dich auf der Jagd nach „Perseus”, einem mutmaßlichen sowjetischen Spion, der das Gleichgewicht der Supermächte zugunsten Moskaus verschieben will.

Entwicklerstudio Treyarch, das gemeinsam mit Franchise-Gründer Infinity Ward sowie Sledgehammer Games zu den drei treibenden Kräften hinter der Reihe zählt, inszeniert erneut eine laute Achterbahnfahrt, die innerhalb der von Raven Software entwickelten Einzelspielerkampagne vorsichtige neue Schritte wagt und zumindest oberflächlich versucht, dem der Serie anheftenden Vorwurf des US-Patriotismus zu unterwandern.

Ist ihnen dieser Versuch geglückt? Und wie steht es um den inhaltsreichen Mehrspielermodus, dem für viele Spieler Kernstück der Reihe? Wir haben uns die Next-Gen-Version auf der Xbox Series X angesehen.

Im Auftrag des Präsidenten

Dieser fiktive Historienthriller gibt sich auf Seiten der Regie besonders in den schnell geschnittenen Zwischensequenzen reichlich Mühe, ein atmosphärisches Fundament seines Settings zu gießen. Früh im Spiel triffst du denn auch auf eine etwas befremdliche Version von Ronald Reagan, dessen Sprecher aber erstaunlich nah ans reale Vorbild kommt.

Sein Äußeres ist ebenfalls unverkennbar, wirkt aber wie eine mit Eyeliner betonte Puppe des einstigen US-Machthabers. Seine Ansprache in einem finsteren, verrauchten Konferenzraum macht deutlich: Findet die Gefährder der freien Welt um jeden Preis. Und so beginnst du deine Hatz in Amsterdam zunächst als CIA-Agent Alex Mason an der Seite des Serienneulings Russell Adler, der äußerlich an einen jungen und rauen Robert Redford erinnert. Es folgt ein globaler Actionritt, der dich an weitere Orte der Kalten Kriegsgeschichte führt, darunter die Türkei und Ost-Berlin.

Obwohl Treyarch immer wieder versucht, das Tempo aus der nur wenige Stunden gehenden Kampagne zu nehmen, thront auch über Black Ops Cold War der große Name Call of Duty und damit eine Spiele-DNA, die sich im spielmechanischen Kern vor allem über eine große Portion Action definiert.

Abseits ausufernder Schussgefechte und wuchtiger Granatenexplosionen, die hie und da durch Einsatz eines Hubschraubers oder Panzerwagens aufgelockert werden, stehen zum Teil längere Schleichmissionen, denen Tiefe fehlt.

Sie entschleunigen das Gesamtgeschehen zwar angenehm. Mit einer schallgedämpften Pistole etwa nahe der verregneten Berliner Mauer bei Nacht durch die geteilte Metropole zu streifen ist ein atmosphärischer Höhepunkt der Erzählung. Gleichzeitig erzählt sich aber auch dieses Call of Duty unter dem Dogma strikter Linearität.

Ja, du kannst dich manchmal entscheiden, nach links oder rechts zu gehen. Selbst optionale Ziele innerhalb der Missionen können vereinzelt angegangen werden. Letztlich gibt es aber nur diesen einen Pfad und diese eine Herangehensweise, die dich sicher weiterbringt.

Problematisch erweist sich hierbei auch die nur rudimentäre Stealth-Mechanik. Über den Köpfen dir feindlich gesinnter Schergen erscheint eine Art Füllmeter, sobald du dich in ihrem äußerst beschränkten Sichtfeld bewegst. Erreicht er einen kritischen Wert, werden sie deinen Standort zunächst prüfen bzw. das Feuer eröffnen.

Das Sichtfeld in Kombination mit dem stillen Ausknocken oder Töten der Feinde sowie das Wegtragen lebloser Körper sind denn auch die einzigen Schleichelemente von Bedeutung, da es nahezu keinerlei Interaktionsmöglichkeiten mit der Spielwelt gibt: Manipulative oder ablenkende Aktionen sind nicht möglich. Nicht einmal Lichtquellen lassen sich ausschießen oder auf andere Arten löschen. Das ist Stealth in den frühsten Kinderschuhen und kann an Genregrößen wie Splinter Cell oder Metal Gear Solid nicht einmal im Ansatz heranreichen.

Entscheidungen ohne Konsequenzen

Ohnehin zieht sich eine gewisse Entscheidungsarmut durch das Spiel, das zumindest augenscheinlich Entscheidungsfreiheit suggeriert. Tatsächlich erinnert ein Auftrag in der Rolle eines verbündeten Genossen im Sicherheitsapparat der Sowjetunion spielerisch sogar an IO Interactives Spielereihe Hitman. Um an eine wichtige Schlüsselkarte zu gelangen, stehen dir verschiedene Herangehensweisen zur Verfügung, die ihrerseits aber stark linear ablaufen.

Letztlich arbeitest du die entsprechend ausgewählte Checkliste lediglich ab. Der Ausgang des Vorhabens ist ohnehin folgenlos derselbe. Dennoch sind es solche Missionen, die der überwiegend gleichförmigen Action einen angenehmen Rhythmuswechsel aufzwingen.

Hinzu kommen interaktive Briefings in einem Safehouse, in denen du dir während der Aufträge gesammelte Beweise ansehen und mit deinem Team kleine, insgesamt steife Unterhaltungen inklusive Dialogoptionen führen kannst.

Sogar das Kombinieren von Beweisen ist für zwei bleihaltige Nebenmissionen notwendig, sofern man sich für ihre Ausführung entscheidet. Bis auf Kamerad Russell Adler sticht aber kaum ein anderer Charakter aus dem illustren, wenn auch recht farblosen Figurenensemble heraus. In emotionale Tiefen hat mich das Spiel nicht gestürzt.

Das rächt sich gerade im finalen Akt gnadenlos, denn das Schlusskapitel hinterfragt deine Rolle als Spieler, den US-Patriotismus und die Beziehungen zu den Teammitgliedern und Supermächten. Vor dem Hintergrund eine der dunkelsten Kapitel der US-Geschichte unternimmt Black Ops Cold War einen psychedelischen Trip, der dich stakkatoartig vor Entscheidungen stellt.

Hier offenbart sich die erzählerische Inkonsequenz über weite Teile des Titels am heftigsten. Die Konsequenzen sind von kurzer Dauer, da sie dir in den letzten Minuten um die Ohren geworfen werden. So entgeht ihnen ihre womöglich anvisierte, dramatische Imposanz.

Einige Entscheidungen machen sich gar erst in der Schlusssequenz in Form eines Informationshäppchens bemerkbar. Als aktiver Spieler ballerst du dich bis zu diesem Zeitpunkt grundlegend folgenlos durch die Welt. Selbst Gespräche innerhalb der Aufträge zeigen keine nachhallenden Folgen, sondern einen maximal geringfügig veränderten Missionsverlauf.

Raven entgleiten somit die Zügel: Statt den Kampf der Ideologien und das gefährliche globale Tauziehen anzupacken, verpufft die Schwere des Themas in einem Vakuum aus Ansätzen, die für sich genommen löblich sind, aber nicht konsequent aufgebaut und verfolgt werden. Letztlich kann dir der Ausgang der Geschichte gewissermaßen egal sein, weil sie dich vorher eben nur als passiven Wüterich Aufträge hat erfüllen lassen.

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Schweres Geschütz: Mit Panzer und Teamwillen zum Mehrspielersieg.

Das passt zwar zu ihrer Metaebene, die selbst aber als narrativer Sprengsatz auf den letzten Metern viel zu spät gezündet wird. So funktioniert Call of Duty weiterhin als launige Ballerbude. Um das unausgeschöpfte Potenzial der an sich unterhaltenden Geschichte ist es dennoch schade, zumal das mitschwingende Aushöhlen alter Gut-und-Böse-Schemata viel zu kurz kommt.

Massiver Technikschluckauf trifft auf Mehrspielerfreuden

Dagegen liefert Treyarch mit dem Mehrspielermodus ein prallgefülltes, aber technisch problembehaftetes Paket ab, welches auch Solospieler betrifft. Während an spielmechanischen Stellschrauben gedreht wird, ist auch heute und damit rund drei Wochen nach der Veröffentlichung des Spiels noch kein Patch erschienen, der massive Performanceprobleme des Titels beheben könnte.

Im Netz gibt es diverse Reporte und Erfahrungen von Spielern, die von abstürzenden Partien, Systemen und weiteren technischen Unzulänglichkeiten wie Ruckler und Freezes sowie flackernde, fehlerhafte Beleuchtung berichten. Das kann ich alles bestätigen.

Besonders bei aktiviertem, auf die Next-Gen-Konsolen Xbox Series X und S, PlayStation 5 sowie einen entsprechend ausgerüsteten PC beschränkten Raytracing leidet das Spiel teils deutlich. Sowohl in der Kampagne wie auch im Multiplayermodus ist es teils unspielbar, da es wahlweise besonders während des Zooms entweder kurz oder auch länger einfriert oder gleich komplett abstürzt.

Mit ausgeschaltetem Raytracing, bei dem es sich um eine im Gamingbereich relativ neue Technologie für den Verlauf von Lichtstrahlen (und so etwa realistischere Reflektionen ermöglicht) handelt, halten sich die Probleme in Grenzen. Verschwunden sind sie aber auch dann nicht, wenngleich das Spiel immerhin flüssig mit 60 Bildern pro Sekunde (120 Bilder möglich mit kompatiblem Bildschirm / Fernseher, nicht auf Series S) läuft.

Abstürze kommen aber immer noch vor, wobei der neue Modus Fireteam: Dirty Bomb bis heute nicht spielbar für mich ist. Spätestens nach wenigen Minuten hängt sich die Partie auf, weshalb ich auch angesichts der weiteren technischen Probleme ernsthaft darüber nachgedacht habe, auf einen Test bis zur Optimierung zu verzichten. Selbst Berichte, denen zufolge das Spiel Systeme temporär oder final schrotten kann, machen die Runde. Meine Eindrücke möchte ich trotz dieser gravierenden Technikfehler teilen.

Im Kern schlummert nämlich eine der für mich spaßigsten Mehrspielererfahrungen der jüngeren Vergangenheit in diesem neuen Call of Duty. Treyarch schaltet im Gegensatz zu Infinity Wards Modern Warfare aus dem vergangenen Jahr einen Gang runter, was nicht nur am Fehlen des so genannten taktischen Sprints liegt – in Modern Warfare ist damit eine zweite, noch schnellere Sprintstufe mit reduzierter Waffenmobilität möglich.

Besonders die aktuell dreizehn verfügbaren Karten gefallen mir in ihrer insgesamt verbesserten Übersichtlichkeit und Struktur deutlich besser als jene des Vorjahrestitels. Auch Black Ops Cold War ist nach wie vor ein temporeicher Egoshooter, der Reflexe, Präzision, Mapkenntnis und besonders in den Standardmodi ständige Rotation von dir fordert.

Der Ableger von 2019 hatte aber für meinen Geschmack immer den einen kleinen Gang, das eine winzige Fenster und die eine düstere Ecke zu viel, aus der geschossen wurde. Nun wirkt vieles geradezu wie ein alter, zugleich beschleunigter Arcadeshooter inklusive des bekannten Level- und Belohnungssystems. Auch die 80er-Ästhetik mit ihrem zum Teil farbenfrohen Ambiente, darunter das neonfarbene Miami, kitzelt meine Sinne weitaus intensiver als die dominanten Braun- und Grautöne aus dem letzten Jahr.

Welcher Modus darf es sein?

Für Onlinespieler gibt es inhaltlich das gewohnt breit gefächerte Paket aus überwiegend teamorientierten Spielmodi, darunter die für zehn bis zwölf Spieler ausgelegten Team Deathmatch (Team vs. Team), Hardpoint (zwei Teams kämpfen um das Halten eines auf der Karte wechselnden Punktes), Domination (zwei Teams kämpfen um drei fixe Punkte auf der Karte), Kill Confirmed (Team vs. Team, wobei nicht die Tötung des Kontrahenten, sondern seine darauf fallengelassene Hundemarke den Punktezähler erhöht).

Dazu Control (zwei Teams im Wechsel zwischen Angreifen und Verteidigen von Zonen, Angreifer müssen alle Punkte holen, um eine Runde zu gewinnen), Search and Destroy (zwei Teams müssen ein Objekt verteidigen bzw. zerstören, kein Respawn) und Free for All (Jeder gegen Jeden) für sechs bis acht Spieler.

Zwei weitere Teammodi ums Einnehmen und Verteidigen von Punkten erlauben Partien für 16 bis 24 Spieler, in denen zudem Fahrzeuge wie Panzer, Schneemobile sowie Truppenboote und Jetskis zum Einsatz kommen. Gerade die größeren Schlachtfelder mit mehr Spielern leiden derzeit aber am übermäßigen Einsatz von Scharfschützengewehren.

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Auf der Mauer, auf der Lauer: Berlin im Kalten Krieg.

Neu ist der schon erwähnte Modus Fireteam: Dirty Bomb für 32 – 40 Spieler mit bis zu zehn Teams. Die aus vier Spielern bestehenden Squads landen mit dem Fallschirm auf eine der aktuell zwei verfügbaren Karten und müssen Uran sammeln, dieses sicher an mehrere auf der Map verteilte dreckige Bomben bringen und diese schließlich zünden.

In den vor dem Release des Spiels durchgeführten Testphasen wirkte dieser ebenfalls mit Vehikeln daherkommende Modus noch arg unübersichtlich und überhektisch. Nicht selten landete ich mit dem Fallschirm inmitten des nächsten Gegnertrupps, während meine Kameraden, bei denen ein Respawn potenziell möglich ist, gerade tot waren oder sich isoliert auf der Karte verteilten.

Deutlich entschleunigt präsentiert sich der weitere Neuzugang in Form von VIP Escort für zehn bis zwölf Spieler. Abwechselnd müssen zwei Teams einen VIP an ein Zielort geleiten, wobei es sich hierbei um einen zufällig ausgewählten Spieler des angreifenden Trupps handelt. Dieser startet mit einer einzigartigen Waffenauswahl sowie einem Aufklärungsflugzeug, das Feinde auf der Minimap am Bildschirmrand aufdeckt.

Auch des Eliminieren des kompletten gegnerischen Teams führt zum Rundensieg. Einige Spiel-Settings gibt es darüber hinaus auch wieder in einer Hardcore-Variante ohne Radar und mit deutlich reduzierter Widerstandsfähigkeit gegen die Waffen des Feindes und der Freunde.

Zwischen Freud‘ und Frust liegt eine Menge Lust

Das Mehrspielererlebnis steht und fällt mit der Qualität des eigenen Teams. Entsprechende Fertigkeiten oder eine freche Camperattitüde mögen den ein oder anderen Spieler statistisch herausstechen lassen, doch erst mit willigen Mitstreitern läuft Black Ops Cold War zur Hochform auf.

Dann nämlich entfaltet sich ein Rausch aus schnellem und punktgenauem Gunplay, vielen kleinen Taktikentscheidungen und ein sich gemeinsam zum Sieg anpeitschendem Trupp. Auch diese Call of Duty-Ausgabe fühlt sich schlichtweg gut an, denn die von Leichtfüßigkeit beflügelte Mobilität mit ihrem umstandslosen Erklimmen von Hindernissen und dem Rutschen aus vollem Sprint verwandeln die Karten fast schon zu einer Art Parkour.

Alte Probleme in der Spielbalance und der grundlegenden Bewertungsphilosophie trägt aber auch sie nach wie vor mit sich. Fleißige Punktesammler erhöhen ihre Schlagkraft mit teils absurd starken, insgesamt sechzehn verschiedenen Scorestreaks, die nun wieder anstelle der ebenfalls bekannten Killstreaks zum Einsatz kommen.

Damit du in einer Tötungsserie nicht selbst draufzugehst, musst du die entsprechende Punktzahl während einer Partie erreichen, um beispielsweise ein Aufklärungsflugzeug, einen Napalmangriff oder Kampfhubschrauber rufen zu können. Deine Punkteserie wird durch das eigene Ableben nicht unterbrochen. Besonders starke oder schlicht egozentrische Spieler erhalten für ihre Punkte so eine durchschlagskräftige Belohnung, die den Ausgang der Runde entscheidend beeinflussen kann. Drei Scorestreaks kann jeder bei sich führen.

Das eigentliche Problem dahinter ist die seit Jahren dysfunktionale Punktevergabe, die nach wie vor besonders Spieler mit vielen Tötungen bevorzugt. Wer sich für sein Team opfert, viele Stellungen einnimmt und hält, aber vergleichsweise wenig tötet, landet in der Regel nicht ganz vorne in der Rangliste.

Treyarch verpasst hier die Chance, den unsäglichen Statistikfreaks den Wind aus den Segeln zu nehmen und den Teamgeist entsprechend zu belohnen. Ich wäre ohnehin dafür, das für manche Spieler wichtige Verhältnis von Tötungen und eigenem Sterben nicht mehr aufzuzeichnen. Schön ist allerdings, dass dir Eliminierungen auch dann zugeschrieben werden, wenn du das Opfer nicht ganz allein umgenietet hast.

Probleme gibt es darüber hinaus immer noch in der Waffenbalance: Quickscoping (Technik, um schnell mit Scharfschützengewehren einen Kill zu landen) führt jeden Nahkampf ins Absurde, wenn du mit Maschinengewehr & Co. auf einen Scharfschützen schießt und dieser dich kurzerhand mit einem Schuss wegpustet, wobei es noch nicht einmal ein Kopfschuss sein muss.

Auch die Schrotflinten erscheinen mir noch einen Tick zu stark und präzise, während der Tomahawk wie die Flummi-Variante eines Wurfbeils wirkt, bei dem ein einziger Treffer den Tod bedeutet. Manchmal kann es auch vorkommen, dass du nach einem Tod zu dicht an befeindeten Spielern startest und damit im schlimmsten Fall gleich nochmal ins virtuelle Gras beißt.

Nichtsdestotrotz hatte ich lange nicht mehr so viel Freude mit dem kompetitiven Mehrspielermodus eines Call of Duty, der darüber hinaus durch den Zombiemodus ergänzt wird. Hier gilt es, immer stärkere Wellen von untoten Wesen zu überstehen und diverse Aufträge mit bis zu drei Mitspielern zu erfüllen. Aktuell steht aber nur ein Szenario samt eigener kleiner Geschichte zur Verfügung.

Ohnehin empfinde ich das Gemetzel trotz diverser Level-Ereignisse, verfügbarer Power-Ups und verbesserbaren Fertigkeiten auf Dauer zu monoton. Ein gewisses Retrogefühl bringt Dead Ops Arcade, der spielmechanisch ebenfalls einem Wellenprinzip folgt und aus der isometrischen Perspektive gespielt wird. Beiden Zombievarianten fehlt für mein Geschmack aber die spielerische Substanz, um länger als die zwei, drei Runden zwischendurch zu fesseln.

Onlinespieler, die auf Konsolen auch einen Mitspieler per Splitscreen ins Team holen können, erwartet insgesamt jedoch ein erneut reichhaltiges und motivierendes Menü serviert, das auch diesmal wieder von der kontinuierlichen Progression profitiert.

Nach und nach schaltest du immer mehr Waffen, Ausrüstungsgegenstände und Fähigkeiten frei, mit denen du deine Spielfigur auf deine Vorlieben zuschneiden kannst. Insgesamt lassen sich zehn so genannte Loadoutslots freispielen, um eine breitgefächerte Auswahl verschiedener Spielstile voreinzustellen.

Diesen einflussreichen Grundstein hat das Franchise 2007 übrigens selbst gelegt. Im allerersten Modern Warfare feierte die effektive Doppelhelix aus schnellen Scharmützeln und dauerndem Fortschritt ihre Premiere. Künftig wird es dank bevorstehender Seasons auch wieder neue kostenlose Inhalte geben, darunter frische Maps. Erst kürzlich kam der Klassiker Nuketown hinzu.

Der Kalte Krieg, wie schön

Kampagne und Mehrspielermodus profitieren beidermaßen von der audiovisuellen Klasse des Spiels. Call of Duty: Black Ops Cold War sieht trotz einiger steriler, starrer Kulissen und steifen Charakteranimationen besonders in seinen mit starken Farbakzenten und kontrastreichen Beleuchtungsspielen ausgeschmückten Settings famos aus.

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Der farbenfrohe Konflikt: 80er-Flair in Black Ops Cold War.

Seltsam nur, dass im Einzelspieler kein Eigenschatten zu sehen ist. Die Entwickler inszenieren eine stylistisch ansprechende, da farbenfrohe und wiedererkennbare Ästhetik für ihre Fantasie des Kalten Krieges, den Jack Wall mit einem pulsierenden Score antreibt, der sich irgendwo im musikalischen Land zwischen Disco, Thriller, anschwellendem Orchester und sowjetischen Chören wiederfindet.

Nicht nur Waffennarren können sich an den detaillierten, teils mit Kratzern versehenen Waffenmodellen erfreuen, die darüber hinaus ordentlich krachen. Gerade in hitzigen Mehrspielergefechten bin ich bei aufgedrehter Lautstärke schon das ein oder andere Mal dank eines wuchtigen Knallens, eines Vorbeizischens feindlicher Projektile oder durch dröhnendex Explosionen zusammengezuckt.

Treyarch und Raven Software haben mit ihrem interaktiven Historienthriller einen der aus meiner Sicht ansprechendsten Ableger des Franchises hingelegt. Nach wie vor gelingt es den Erzählern aber nicht, ihrer Geschichte Konsequenz einzuverleiben.

Narrativ interessante Schritte verlaufen sich noch immer im lauten Actionfest, das immerhin von ruhigeren Schleich- und Infiltrationspassagen einen angenehmen, wenn auch spielerisch höchst oberflächlichen Gegenpol an die Seite gestellt bekommt. Viel zu spät forcieren die Autoren ihren Plot mit nachwirkenden, aber dann schon nicht mehr sich entfaltenden Folgen.

Die multiplen Enden sind dann ihrerseits nur eine Variation verschiedener Szenarien, die während fast der gesamten Spielzeit keine Rolle spielen und damit wie der schnell abgefeuerte Knallfrosch in letzter Sekunde wirken.

Die technischen Probleme sind zudem ein qualitatives Armutszeugnis, zumal mit Activision einer der größten Publisher der Welt hinter dem Titel steht. Besonders der im Vergleich zu Modern Warfare etwas geerdetere Mehrspielerpart aber fesselt mich immer wieder an den Controller. Dieser Kalte Krieg ist ein Konflikt der verpassten Erzählchancen, der online aber aus vollen Spielspaßrohren ballert.

Alex

Titel: Call of Duty: Black Ops Cold War
Publisher: Activision
VÖ: bereits erhältlich (13.11.2020)
Plattform: PlayStation 4/5, Xbox One, Xbox Series X/S, Microsoft Windows (getestet wurde die Xbox Series X-Version)

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