Battlefield 2042: Klima, Krieg, Chaos

Battlefield 2042: Klima, Krieg, Chaos

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SLEAZE + Battlefield 2042Battlefield 2042 zeigt eine Welt in Aufruhr. In zwanzig Jahren haben massive Klimaveränderungen und offen ausgetragene Kriege um strategische Positionen und Ressourcen auch Industrienationen unmittelbar erreicht. Es ist eine Menschenwelt, die im Angesicht der unaufhaltbaren Veränderungen vor dem Kollaps steht.

Mit dem neusten Teil der populären Shooter-Reihe zeichnet Electronic Arts’ hauseigenes Studio DICE das düstere Konfliktszenario einer Zukunft, die im Chaos zu versinken droht. Das trifft in vielerlei Hinsicht auch auf das Spiel selbst zu, welches die Einzelspieler-Erfahrungen diverser Vorgänger strich und sich in Gänze auf seinen Mehrspielermodus konzentriert.

Diesmal nehmen bis zu 128 Spieler (aka 64 vs. 64) auf den aktuellen Konsolen (PlayStation 5, Xbox Series X/S) und PC an den Schlachten teil. PS4 und Xbox One unterstützen maximal 64 Spieler pro Gefecht, wobei Leerplätze zunächst mit KI-Gegnern gefüllt werden.

Übrigens: Das Spiel baut auf drei grundlegenden Säulen auf. Die großen Massenschlachten finden vorrangig in den Modi Eroberung und Durchbruch statt, in denen es auf den sieben neuen, zum Start verfügbaren Karten diverse Punkte zu erobern gilt.

Im dritten Modus Hazard Zone mit bis zu 32 Teilnehmern gilt es, mit seinem aus insgesamt vier Personen bestehenden Squad Datenlaufwerke sicherzustellen und zu extrahieren, während Portal ein Baukasten ist, der bis an die Anfänge der Reihe zurückkehrt.

Kurz: Es ist ein fülliges Gesamtpaket, das bei allem Spektakel allerdings grundlegende Designschwächen und Umsetzungsprobleme offenbart. UUUUND den Thrill des Unberechenbaren nimmt…

Der einsame Soldat

Der offizielle Launch am 19. November (Early Access startete eine Woche früher) war eigentlich eine brüchige und am Rande der Dysfunktionalität schrammende Beta, deren größte technische und spielmechanische Probleme immerhin inzwischen in großem Maße behoben wurden.

Allerdings kommt es noch immer hie und da zu heftigen Einbrüchen bei der Bildwiederholrate, die das Geschehen auf Zeitlupenniveau herunterbremsen. Das fällt insbesondere beim systemübergreifenden Spielen (Crossplay) zwischen Konsolen und PC auf.

Die weitaus tieferen Risse ziehen sich jedoch durch den Spielentwurf selbst, in dem irre Actionunterhaltung auf Inkonsistenzen und Frustmomente prallen. Battlefield ist für Spieler seit jeher einer der ersten Anlaufpunkte für unkomplizierte, mit zahlreichen Fahrzeugen angereicherte Großkonflikte samt Teamfaktor.

Das trifft bei Battlefield 2042 nur noch bedingt zu! Denn in seinem aktuellen Zustand ist das Mannschaftsspiel oft dysfunktional abwesend und vielmehr zufallsbasiert. Dem Spiel fehlt hier eine klare Regie. Schade!

Die aus den Vorgängern bekannten Klassen sind de facto nicht mehr existent und wurden durch so genannte Spezialisten ersetzt, von denen es zum Start zehn gibt. Sie verfügen neben bescheuerten Onelinern über diverse Gadgets wie Drohnen, Heilungsspritzen, Greifhaken, Wingsuits und Schildern sowie passive Fähigkeiten.

So können die beiden Heiler nicht nur Kameraden des wie gehabt verfügbaren Vierer-Squads wiederbeleben, sondern jedes Teammitglied innerhalb des obligatorischen Zeitlimits. Über ihre grundlegenden Spezialitäten hinaus lassen sich Heilungskits, Munitionsboxen oder auch Raketenwerfer sowie Sprengstoff frei konfigurieren.

Zwar sind vier frei veränderbare Voreinstellungen nach dem Klassensystem älterer Titel benannt, doch in der Realität sind es nur Platzhalter und keine verbindlichen Spielstile, die in früheren Ablegern der Reihe maßgeblich zur Mannschaftsdynamik beigetragen haben.

SLEAZE + Battlefield 2042
Massenschlachten finden auch vor startenden Raketen statt.

Selbst im unmittelbaren Vorgänger Battlefield V war es noch so, dass ein funktionales Kriegerquartett maßgeblich den Kampfverlauf prägen konnte. Dieses Gefühl vermittelt Battlefield 2042 leider selten bis gar nicht.

Nach wie gibt es zwar ein Squad-System. Zudem bleibt es zunächst das Geheimnis der Entwickler, warum man sein zugewiesenes Team nicht verlassen oder frei wählen kann – wobei man selbstverständlich mit Freunden eine Gruppenbildung möglich ist.

Doch die nötigen Werkzeuge für die Errichtung eines zusammenwirkenden Teams sind extrem abgeschwächt, unwirksam und kommen quasi nicht zum Einsatz. Durch den Anführer des Squads ausgerufene Befehle wie das Einnehmen eines bestimmten Punktes gehen oft komplett unter, weil die entsprechende Meldung sowohl visuell als auch auditiv leise und unentdeckt im Getümmel stecken bleibt. In den Vorgängerspielen waren es noch klare, laute und bildlich deutlich dargestellte Ansagen.

Ohnehin ist das nur bedingt konfigurierbare HUD mit seinen Bildschirmanzeigen und den vielen Punkten über den Köpfen naher Kameraden eine überfrachtete Informationstafel, der Reduzierung und eine minimalistischere Struktur gut tun würde.

Dazu fehlt aktuell ein Sprachchat, der nochmal im taktischeren Modus Hazard Zone ins Gewicht fällt, bei dem ständige Absprachen auch mit fremden Spielern maßgeblich zum Spielgefühl beitragen würden. Immerhin soll dieser bald nachgereicht werden.

Eroberung mit Hindernissen

In der Folge des häufig mannschaftlosen Spielablaufs avanciert das Spektakel zu einem teils unübersichtlichen, teils einsamen Unterfangen – und das trotz 128 Spielern.
Besonders im Modus Eroberung, in dem diesmal aus teils mehreren Punkten bestehende Sektoren einzunehmenden sind, um bei Sektor-Dominanz den Truppennachschub des gegnerischen Teams effektiv Richtung null zu treiben, verläuft sich das Geschehen auf den großen Schlachtfeldern zuweilen stark. Manchmal versuche ich gar, einen Punkt allein einzunehmen, weil weder Freund noch Feind zu sehen sind.

Weitaus konzentrierter ballt sich die Feuerkraft im Modus Durchbruch, in dem ein Angreifer-Team versucht, bis zu zwei Punkte der Verteidiger und somit den Sektor einzunehmen, um optimalerweise bis zum Finalsektor vorzurücken. Im besten Falle entfesselt sich hier ein Blockbuster-Spektakel wahnsinnigen Ausmaßes, das im schlimmsten Falle aber nur noch albern ist.

Albern deshalb, weil einige der einzunehmenden Punkte schlichtweg kaum zu erobern sind. Zu den berüchtigsten gehören winzige Flächen auf Hochhäusern, die ohne größere Anstrengung von den Verteidigern gehalten werden können.

Nach wie vor ist es zwar möglich, mit bewaffneten Luftkissenbooten an den Wänden der Gebäude hochzufahren. Doch auch diese Absurdität führt meist nicht dazu, das Ziel effektiv angreifen zu können.

Eigentlich logo: Wenn 64 Verteidiger vor den Fahrstühlen mit Maschinengewehren, LMGs und Granaten warten. Sie dazu Hubschrauber rasch mit Antiluftraketen vom Himmel fetzen können. Und dazu noch Panzer und weiteres, schwerbewaffnetes Gefährt mit neuen Anforderungsfunktionen auf den Turm absetzen… Tja, dann ist das das ultimative Sinnbild eines Spielentwurfs, der in seinen Grundfesten teils massiv wackelt und heftig aus der Balance geraten ist.

SLEAZE + Battlefield 2042
Mit dem Wingsuit in den Wirbelsturm? Na klar!

Das an sich abwechslungsreiche, strukturell und architektonisch ansprechende sowie mit einigen interaktiven Elementen und mit kleineren wie größeren Veränderungen angereicherte Map-Design lässt an diesen Punkten zwei Armeen wie in einem grotesken Experiment aufeinanderprallen.

Dem mangelt es aber an Leitung und Struktur, um daraus mehr als ein chaotisches Gemetzel zu machen, in dem die Angreifer Welle für Welle auf eine Wand zu rennen und in dem jeder verliert.

Die Eroberer, weil sie nicht effektiv erobern können. Und die Verteidiger, weil ihnen nicht besonders viel abverlangt wird. Abgesehen davon, wenige Zugriffspunkte in Überzahl zu bewachen.

Und das sind nur die grundlegendsten Probleme, die von weiteren Unzulänglichkeiten umrahmt werden. Eine kritische Fragerunde: Warum gibt es systemübergreifendes Spielen (Crossplay) – abgesehen von den alten Systemen – nicht nur zwischen den Konsolen, sondern legendlich in Verbindung mit PC-Spielern, die durch ihre präzisere Steuerung mit Maus und Tastatur einen inhärenten Vorteil gegenüber Controllerspielern auf PlayStation und Xbox haben?

Warum kann ich die Scheibe eines Fahrzeugs locker mit Gewehrkugeln durchbohren, nicht aber zerbersten mit dem dicken Geschütz auf meinem Vehikel? Warum stecken die Gegner und man selbst viel zu viele Treffer bis zum Ableben ein? Warum kann ein Kampfhubschrauber dermaßen hoch über dem Einsatzgebiet schweben, von dort selbiges zerbomben, während er gleichzeitig von der Luftabwehr nicht mehr erfassbar ist?

Warum fehlen konsequente Zerstörungsoptionen à la Battlefield 4, in dem sogar ein ganzer Wolkenkratzer kollabieren konnte und sich daraus neue Eroberungspunkte ergaben? Warum gibt es inflationär genutzte Bewegungssensoren, die jeden Spieler in seinem Wirkradius aufdecken und einen eher zurückhalteneren, unentdeckteren Ansatz zunichte machen?

Rasantes Spektakel à la Fast & Furious

Battlefield 2042 macht sich sein Dasein so viel schwerer, als es sein müsste. Denn in dem Spiel schlummert grundsätzlich ein herausragender Ableger der Reihe.

Nach dem zwar krachenden, aber sich relativ gleichförmig anfühlenden und vor allem in der Horizontale abspielenden Battlefield V entfesselt diese Zukunftsvision fern des Zweiten Weltkriegs wieder jene erinnerungswürdigen und unberechenbaren Momente des Wahnsinns, die dem Vorgänger tendenziell abgingen.

So erinnere ich mich etwa gerne an eine Szene zurück, die aus Fast & Furious hätte stammen können. Mein Spielgefährte und ich rasten mit einem Luftkissenboot in einen Tornado, der uns aufsaugte und hoch in die Luft hob, während die Instrumente verrückt spielten, das Bild sich verzerrte und von unseren Spielfiguren nur noch abbrechendes, aufgeregtes Gestotter über Funk zu vernehmen war.

Doch dann sahen wir einen der Türme, den es einzunehmen galt. Ich navigierte uns irgendwie raus aus dem Strudel Richtung Gebäude, klatschte an die Wand, fuhr von dort gen Himmel und erreichte schließlich den zu erobernden Punkt.

Beinahe wäre ich zu schnell über ihn und den Turm hinweggeschossen, doch unter knallendem Feuer landeten wir nahe der gegenüberliegenden Gebäudekante. Inzwischen war der Bereich ausnahmsweise ausreichend von feindlichen Truppen befreit und wir konnten ihn erobern. Wir lachten lautstark und staunten. Grandios!

Dazu spielt sich Battlefield 2042 flüssig, rasant und zielgenau. Es verfällt trotz einer weiteren, an jüngere Teile von Call of Duty angelehnten Sprintstufe grundsätzlich nicht in einen dermaßen unübersichtlichen und teils arg hektischen Spielfluss des erwähnten Shooter-Kollegen.

Im Gegenteil, es wahrt sich auch wegen der meist großflächigen Umgebungen eine gewisse Übersicht, die erst in den teils zu kleinen und manchmal zu deckungslosen Eroberungszielen deutlich an Klarheit verliert.

Das mit Battlefield V noch einmal beschleunigte Parcours-Element lässt dich auch hier flüssig und schnell über Wände, Zäune und andere Hindernisse gleiten. Dadurch scheint der geneigte Infanterist teils durch die Gebiete zu fließen. Dabei ist er zusätzlich in der Lage, seine Waffe ad hoc mit freigeschalteten und vorausgewählten Aufsätzen zu konfigurieren.

Zudem findet der Kampf nun auch wieder deutlich vertikaler statt, denn die neuen Karten warten mit zahlreichen natürlichen und künstlichen Höhenunterschieden auf, während Fahr- und Fluggeräte häufig verfügbar sind und der Wechsel zwischen Luft- und Bodeneinsatz auch dank des stets verfügbaren Fallschirms flüssig erfolgt.

Lediglich ein Cooldown sowie ein Limit für gleichzeitig auf dem Schlachtfeld sich befindliche Vehikel sorgen für ein gewisses Gleichgewicht, was zu einer regelmäßigen Verfügbarkeit führt.

Einmal mehr sorgt das aus meiner Sicht nicht zu schnelle Aufleveln für einen gewissen Motivationsschub, da etwa neue Waffen und zusätzliche Ausrüstung des insgesamt nicht ausufernden Inventars für Mann und Maschine erst bei Erreichen einer bestimmten Stufe oder bestimmter Ziele freigeschaltet werden. DICE wird das Spiel in der Zukunft zusätzlich mit neuen Inhalten – darunter Spezialisten und Maps – erweitern.

Freischaltbare Uniformen sowie Bilder und Titel für die Individualisierung der eigenen Spielerkarte sind Dreingaben, auf die ich hätte verzichten können, denn letztlich zählt das Geschehen selbst.

Immerhin übertreiben es die Entwickler nicht mit dem Individualisierungszirkus, was sich auch daran zeigt, dass es keine Statistik über Abschüsse und Tode gibt.
Manch andere Multiplayertitel verlieren durch eine solche Statistik eine gewisse Leichtigkeit, denn einige Spieler können eine niedrige oder gar negative Statistik nicht ertragen und passen ihren Spielstil auf Lasten des Spielflusses entsprechend gemäß des eigenen Vorteils an – der selbstredend keiner ist. Schön, dass diese Streicheleinheit des Egos kein Thema ist.

Klima, Extraktionen, Portale

Die auf einigen Karten entstehenden Wirbelstürme sind dagegen ein größeres, motivisches Leitthema und bringen vor allem audiovisuell wortwörtlich frischen Wind in die Schlachten.

Abgesehen von der Imposanz fehlt ihnen aber etwas spielerische Tiefe, da sie keinen konsequenten oder allzu tiefgehenden, spielerischen Pfad der Zerstörung hinterlassen. Der nur im katarischen Doha vorkommende Sandsturm sowie die grundlegenden Starkwetterereignisse wie Wind und Regen dagegen sorgen mit ihrem tosenden Lärm und den optischen Beeinträchtigungen über die ganze Karte hinweg für ein dynamisches Element, das man für sein Spiel nutzen kann.

SLEAZE + Battlefield 2042
Metropole mit Sand im urbanen Schuh: Doha in Katar.

Sie sind die Symptome einer Welt, in der Metropolen vom Sand verschluckt werden und von Stürmen einer steten Bedrohung ausgesetzt sind. Diese mit angenehm kräftigen Farbenspielen gemalte Dystopie, die angesichts der lethargischen Bemühungen hinsichtlich des menschengemachten Klimawandels nicht ausgeschlossen erscheint, ist ein faszinierender Schauplatz für das neuste Battlefield. Zudem hält Battlefield 2042 mit dem Modus Hazard Zone eine interessante, zusätzliche Facette bereit, wenn 32 Spieler in Viererteams über die großen Karten huschen, um Datenlaufwerke sicher aus dem Gebiet zu holen.

Im Grunde handelt es sich dabei um eine Anlehnung an so genannte Extraktionsshooter, also Spiele wie Hunt: Showdown oder Escape from Tarkov. In denen geht es sowohl gegen menschliche wie auch von der KI gesteuerte Gegner darum, bestimmte Objekte aus dem Missionsgebiet zu holen und dafür in diesem Fall Credits zu ernten, mit denen sich das Ausrüstungsset zu Beginn einer Runde verändern lässt.

Die Jagd nach den Datenlaufwerken bringt eine entschleunigte Komponente ins Battlefield-Universum, die für intime und aufreibende Shootouts mit wenigen Spielern sorgen kann. Zunächst scannt man mit einem entsprechenden Gegenstand den Fundort der begehrten Objekte, die auch während einer Partie aus dem All auf die Erde krachen.

Durch auffindbare Uplinks lassen sich zudem ähnlich wie in Eroberung oder Durchbruch diverse, auch aufzufindende Fahrzeuge oder ein kampferprobter Roboterhund rufen. Tod bedeutet zudem nicht gleich Tod.

Ein abgeschossener Spieler kriecht zunächst auf allen Vieren. Ihm kann auf die Beine geholfen und komplett aus dem Spiel genommene Mitstreiter via gefundenem oder zu Beginn der Runde gekauftem Wiedereinstieg zurückgeholt werden, sofern es noch einen Überlebenden des Teams gibt.

Das Spielgebiet lässt sich durch zwei Extraktionsphasen verlassen, innerhalb derer ein Transporthubschrauber erreicht, bestiegen und bis zum Ende des Abflugs gehalten werden muss.

Hazard Zone mag nicht an die Komplexität und den Hardcoreaspekt der angesprochenen Vergleichstitel heranreichen, die sich zudem deutlich langsamer spielen. Dennoch bildet die Spielart einen angenehmen und intensiven und mit einem eigenen Upgradesystem (u.a. schnellere Heilung und Versicherung für gekaufte Waffen) ausgestatteten Gegenpol zur teils lärmenden Massenschlacht.

SLEAZE + Battlefield 2042
Finden, sicherstellen, extrahieren: der neue Modus Hazard Zone.

Der noch fehlende Voice Chat führt das Prinzip des eher ruhigeren Voranpreschens und der nötigen Absprachen, sofern man nicht gerade mit Freunden per systemintegriertem Sprachchat kommuniziert, aber aktuell ad absurdum. Absurd wenig Eigeninhalt gibt es überdies noch im Modus Portal. Er ist ein in der Battlefield-Historie verankerter Spielplatz, der Inhalte wie Fahrzeuge, Regeln, Modi, Waffen, Klassen, Spielermodelle, Bewegungsabläufe und Karten aus den Spielen Battlefield 1942, Battlefield: Bad Company 2, Battlefield 3 und Battlefield 2042 unter einem gemeinsamen Dach vereint.

Zwar fehlen derzeit viele der alten Maps, doch wer beispielsweise mal wieder eine Runde Rush auf Arica Harbor inklusive aufgemotzter Grafik sowie den traditionellen Soundeffekten aus Bad Company 2 spielen möchte, dürfte sich freuen.

DICE hat hierfür einige gut besuchte, grundlegende sowie immer wieder neu hinzukommende Spiellisten zusammengestellt, mit denen schnell ein Abstecher in die modernisierte Vergangenheit möglich ist und etwa alte Modi wie eben Rush auf den neuen wie einige ältere Karten gespielt werden kann.

Mindestens so interessant ist das im damit einhergehenden Baukasten steckende Potenzial. Der lässt sich leider nicht unmittelbar im Spiel selbst, sondern per Link oder QR-Code ansteuern und ermöglicht das Durcheinanderwirbeln verschiedener Spielelemente.

Potenziell lassen sich hier alternative und ausgefallene Kreationen erschaffen. 100 Spieler mit Messer vs. 28 Spieler mit Maschinengewehren etwa oder auch Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg gegen moderne Kampfjets. Warum nicht?

Bisher finden sich aber noch recht wenige oder nur gering besuchte Ideen in der Serverliste. Trotzdem steckt darin aber ein kreatives Werkzeug, das noch freier in seinen Gestaltungsmöglichkeiten sein und einige seiner Elemente erklären könnte. Das Engagement der Spieler dürfte letztlich die Zukunft von Portal grundlegend mitprägen.

Zukunftsaussichten

Für Battlefield 2042 stehen die Zeichen gut für eine vielversprechende Zukunft. Der verpatzte Start mit seinen etlichen technischen und spielerischen Problemen zeigte aber einmal mehr, dass in der Spieleentwicklung besonders einiger größerer Studios manche Dinge falsch laufen.

Unfertiges zum Start als Normalität hinzunehmen kann nicht die Lösung sein. Inzwischen ist das Spiel nach einigen Updates endlich in einem Zustand, in dem es schon Mitte November hätte erscheinen müssen.

Noch immer frieren Animationen teils ein und das technische Gesamtbild ist mit seinem kleineren und bei angeschaltetem Crossplay größeren Stottern merklich von Unsauberheiten gestört. Auch das Absetzen der teils schwammig zu manövrierenden Fahrzeugen sowie den Robohund mitten im Spiel ist manchmal etwas ungenau.

Nicht immer nachvollziehbar ist zudem der durch Kollisionen erlittene Schaden an den motorisierten, teils durch Elektrokraft angetriebenen Kampfgeräten. Der jetzige Zustand des Spiels ist aber ein merklich verbesserter und ausgeglichenerer im Vergleich zu seiner Ursprungsversion. Und damit befreit es mehr und mehr sein Potenzial eines knallenden Mehrspielerblockbusters in einem interessanten Szenario.

Wenn 64 Spieler auf 64 Spieler treffen, fliegen die Kugeln aus allen Richtungen, während der Himmel von Kampfjets, Hubschraubern und Projektilen bedeckt ist. Panzer, Jeeps, Luftkissenboote und kleinere Kettenfahrzeuge rauschen manchmal gefühlt überall übers Schlachtfeld. Es entsteht eine Überladung der Sinne, die auch durch die inzwischen deutlich verbesserte, da lautere und klarere Tonkulisse nicht oft zur Ruhe kommt.

Die von „Joker“-Komponistin Hildur Guðnadóttir und Sam Slater kreierte Musik ist keine wohlgeformte Symphonie mehr, sondern unheimliche Klangfetzen und vibrierende, antreibende und auch melancholische Tonwelten, die dem Chaos einer disruptiven Zivilisation im Untergangsmodus musikalischen Ausdruck verschaffen.

Der visuellen Präsentation merkt man indes ihren Spagat zwischen alter und neuer Generation an. Battlefield 2042 fährt besonders mit seinen stürmischen Wetterereignissen apokalyptische, beeindruckende Impressionen auf, doch besonders Gebäude und ihre Innenräume sowie fahle Beleuchtungsprobleme bei klarem Wetter und teils undetaillierte Oberflächen trüben das Gesamtbild ebenso wie manchmal lasche Explosionseffekte und Detailprobleme bei Reflexionen und Schatten.

SLEAZE + Battlefield 2042
Eine mögliche Kreation aus dem Baukasten Portal: Weltkriegsjäger vs. Robohunde.

Davon abgesehen befindet sich das Spiel auf dem richtigen Weg, auf dem es hoffentlich mehr Zuneigung fürs Teamspiel und mehr Struktur besonders im Modus Durchbruch findet. Denn in der Dysfunktionalität des Mannschaftsgefüges und einiger Designschnitzer bei den manchmal kaum einzunehmenden Eroberungspunkten liegt derzeit der größte Bremsklotz eines ansonsten spaßbringenden, sich flüssig spielenden Mehrspielershooters in dystopischer Kulisse.

Dieser virtuelle Krieg ist ein lautstarker Blockbuster, der mit dem Extraktionsmodus Hazard Zone aber auch ruhigere Töne anschlägt und mit Portal das Tor in die Vergangenheit und der eigenen Spielideen in der Welt von Battlefield aufgestoßen hat. Was vom Spekakel übrig bleibt? Man wird es sehen.

Alex

Titel: Battlefield 2042
Entwickler / Publisher: DICE / Electronic Arts
VÖ: 19. November 2021
Plattform: PC (Microsoft Windows), PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series X/S
Getestet wurde die Xbox Series X-Version von Battlefield 2042.

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