Zwischen Minimalismus und Individualismus

Zwischen Minimalismus und Individualismus

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Daniel "Tattoo-Krause" mit weiblicher Begleitung vor ebenfalls weiblichen Plakat

Magneto auf der Convention
Magneto auf der Convention

Schwarze Augen flimmern dem Publikum entgegen. Flammenmuster umschließen sie, unten Piercings, gespaltene Zunge. Magnetische Platten durchdringen seinen gesamten Körper. „Ich bin Einer von den ganz Harten“, so Wolfgang Kirsch, den alle nur noch unter Magneto kennen. Mit Leichtigkeit hebt er ein Centstück mit seinem Unterarm auf. Das Publikum staunt. Doch nicht nur über ihn: Die Tattoo Convention in Berlin entpuppte sich auch beim 26. Mal als Fest der Tätowierkunst.

Die Besucher schlendern im Neonlicht durch die Gassen der Arena. Die riesige Halle füllen Stände aus aller Welt. Das Sirren ertönt aus allen Ecken, nicht einmal das Gemurmel der Besucher übertüncht es. Einer der Aussteller, das Tattoo-Studio B52, organisiert seit Jahren mit: „Bei der ersten Convention waren es nur etwa 20 Tätowierer. Aber trotzdem standen plötzlich 4.000 Leute vor der Tür.“, erzählt Timm, einer der Mitarbeiter. Nun ist die Show eine der größten Tattoomessen in Deutschland und Tätowierer aus rund 45 Ländern reisen dafür in die Hauptstadt. Die Besucher sind überwiegend zufrieden: „Es macht sehr Spaß, hier zu sein.“, sagt Lisa, deren Arm ein Aquarellkompass ziert. Vor allem das Tätowieren per Hand beeindrucke sie sehr.

Per Hand gestochenes Tattoo (Tattoo Tatau)
„Geklopftes“ Tattoo (Tattoo Tatau)

Dieses traditionelle Tätowieren stammt ursprünglich aus Südostasien. Aber auch Tattoo Tatau aus Österreich praktizieren auf der TC. Sie schlagen wieder und wieder einen Stock wie einen Hammer auf eine gezackte Bürste und rammen die schwarze Farbe unter die Haut. Ein leises Klacken ersetzt das Sirren der Tätowiermaschine. „Das tut gar nicht weh. Durch die Pausen ist’s sogar angenehmer“, sagt offenbar ein sehr schmerzresistenter Kunde. Seinen Arm wird ein Band aus schwarzen Dreiecken zieren. Auf dem anderen prankt ein Tribal Tattoo. Nicht nur unterschiedliche Tätowierarten, auch unterschiedliche Stile fusionieren auf dieser Messe. Aber welcher sticht besonders heraus?

Timm weiß zunächst auch keine klare Antwort: „Was gerade Trend ist, kann ich gar nicht so richtig sagen. Tattoos werden immer individueller. Heutzutage lassen sich Leute sogar so’n Kindergekritzel tätowieren, das würde ich selbst nie machen. Aber du hast heute Mandalas, klassische Tattoos… von jedem etwas.“ Trotzdem einigt er sich nach langem Überlegen, dass Aquarell Tattoos und Sketch lines gerade sehr in seien.

Diese lassen sich reichlich auf der Show entdecken. Zudem kommen im Gegensatz zum letzten Jahr minimalistische und geometrische Formen hinzu.

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Aber nicht nur Tätowierungen stechen den Besuchern ins Auge: Tattoo trifft Schmuck und fusioniert zu buntgeschmückten Glasohrringen, die sich die Käufer in die weit gedehnten Ohrlöcher hängen. Daneben liegen goldene und silberne Piercings aller Art.

Irgendwann braucht das Visuelle aber einen anderen Reiz und so schlendern die Besucher in den Außenbereich der Arena: Sie entspannen hier, beobachten Sprayer oder erfreuen sich an der bunten Kulisse verschiedenster Gestalten. Denn die Skizzen und Vorlagen sind bei Weitem nicht alles auf der Tattoo Convention. Die Menschen posieren selbstbewusst im Innenhof. Jeder ist auf seine Art ein Model, präsentiert die Kunst. Der Individualismus verschmilzt hier zu einem Bild, das alle gemeinsam zeichnen.

Lisbeth

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