Salon der Wilden Renate: Die Hoffnung bleibt, wenn das Wochenende geht.

Salon der Wilden Renate: Die Hoffnung bleibt, wenn das Wochenende geht.

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SLEAZE + Salon der Wilden Renate

Heute nehmen wir uns den Salon zur Wilden Renate vor.Eigentlich ein cooler Laden, der in guter alter Berliner Off-Location-Manier steht, obwohl es ihn seit Jahren gibt. Leider gibt es aber auch andere typisch Berliner Fisimatenten. Doch von vorn…SLEAZE + Salon der Wilden Renate

Der Freitag steht vor der Tür, die Stunden bis zum nächsten Event vergehen im Trott des Alltags. Nur noch einige Vorbereitungen sind zu treffen, einige Stunden, um sich in den Strudel des Vibes zu verlieren.

Keine Erwartungen, keine Hoffnungen, kein Konfetti. Die farbenfrohen Strobo-Kanonen richten sich auf die Routine des Abends in der Spaßhauptstadt ein. Das Hedonistentum ereifert sich in den Schlangen vor den Clubs mit kauenden Kiefern und schlottrigen Knien. Im „Salon der Wilden Renate“ steigt ein Fest.

Die Mär vom Glück

„Mein Lieber, was hast du eigentlich gemacht?“ würde mich die eine innere Stimme fragen – oder mein Chefredakteur. Tatsächlich fühle ich mich schuldig. Nicht, weil ich loszog in die Welt des Technos an einem Freitag in Berlin, sondern weil ich mich bemühte, etwas Positives zu sehen, etwas anderes, was ich aus der Erinnerung mit mir trage. Die Energie, den Moment des Glücks in einer offenen und unkonventionellen Location. Wie es für Techno üblich ist.

Geld? Koks? Freie Liebe?

Es scheint, als hätten Herbstdepressionen am 17.11.2018 im Salon der wilden Renate Einzug gehalten. Auf Residentadvisor aka RA wurde die Veranstaltung „Liquid w PEARL, Seuil, Lerosa & more“ als ein Überflieger-Event präsentiert. Geld? Koks? Freie Liebe?

Irgendwie wurden die Eventscouts von RA in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigt . Zwar haben die Jungs von T_st ihr Wort gehalten und auch andere BPM-Virtuosen haben den ein oder andren Krachermoment gehabt , doch was hier zu klären gilt, ist in keinem Techno-Tripadvisor zu finden. Nämlich: Der Umgang mit dem Menschen.

How to be a Gastgeber.

Ich möchte nicht auf den Satz pochen, „Der Kunde ist König“. Eher darauf, dass der Kunde ein Mensch ist und sich für Techno in räudig baufälligen Häusern interessiert. Dort, wo die Sicherheitsglocken bei den einen schrillen (Stichwort: Stufenmarkierungen, Hygiene!), läuten bei den anderen Freiheit und Subkultur in unhaltbaren BPM-Takten. Doch geht es nicht auch um Respekt, Rücksicht und die Lust, eine Party schmeißen zu wollen? Also kurz: Wenigstens ein Gastgeber für die Menschen zu sein, die es rein geschafft haben?

Gefühlt war es trotzdem ein Sausage-Fest.

Das ist die größte Schwäche an diesem Abend. Kälteverzerrte Gesichter vor der Tür und in der Schlange, ein falsches Wort, ein falscher Blick und schon entscheidet jemand über den Verlauf des Abends, wenn du einige Stunden vor der Tür ausgehalten hast. Beim Eintreten prägte die paradiesische Halbleere die Dancefloors, die beim Anblick der Schlangenmenschen draußen eher verwundert machten.

Ich habe mir einige Unglücksraben vorgenommen und gefragt, woran es wohl lag. Einige behaupten, es liege an ihrem Geschlecht. Und Überraschung, es waren viele Männer, die enttäuscht an mich ihre Rede der Ungerechtigkeit richteten. Man kann es auch Sexismus nennen.

Im Mood der Gleichgültigkeit

Die Liebe, die auf der Homepage propagiert wird, ist zu einem mechanisch maschinellen Begriff verkommen. Grimmige Bouncer, genervte Kassierer, überforderte Barkeeper. Willkommen ward zum Willgehen. Und wenn ich die 15€ bezahlt hätte, würde ich mich dann möglicherweise fragen, wie das Preis-Leistungsverhältnis aufgebaut ist.

Vielleicht kam ich nicht im richtigen Modus in die Renate und hätte wissen müssen, dass diese SM-Methoden zum Teil des Konzepts gehören. „Du kannst hier alles sein, aber lass uns bloß in Ruhe, du Arschloch“-Stimmung ist nicht für jeden.SLEAZE + Salon der Wilden RenateDie Dogs von Berlin

Der nimmer endende Besucherandrang macht meine Milchmädchenträume zur Utopie. Es geht nicht mehr um das Gefühl einer allgemein bindenden Musikkraft, sondern was du dir nimmst und was du draus machst unter all den widrigen Bedingungen. Also eigentlich wie bei den anderen überteuerten baufälligen Läden.

Techno ist, wenn man trotzdem ravet.

Der nächste Renate-Besuch ist trotzdem nicht ausgeschlossen. Das Line-Up war kräftig feurig, die Atmosphäre unter den Feiernden gelassen, trotz der Tortur. Ich unterhielt mich mit David aus London, er sprach auch von der inneren Stimme und den Genuss, den es nur in Berlin gibt.

Vielleicht können wir alle ein wenig innehalten und den Feierfreunden der Renate mal einen angenehmen Abend gestalten, ohne Ansprüche und persönlichen Befindlichkeiten, den so schönen Austausch nicht fordern, sondern kommen lassen. Dann wandeln sich auch die verzerrten Gesichter aus einer bestimmten Perspektive zu einem Lächeln.

Roman

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