Zur Wahl: So tickt das Nachtleben!

Zur Wahl: So tickt das Nachtleben!

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sleaze.plakat(5)Plötzlich taucht neben breitgrinsenden Politikern ein weiteres Plakat am Laternenpfahl auf: Lieber international zusammen als national allein. Es könnte ein Plakat der Linken sein. Doch die angesprayten Kulissen des Berliner Reggae-Clubs Yaam sind darauf zu sehen. Unten drunter sind Logos der Initiatoren wie der Clubmap zu sehen. Sie wollen mit der Kampagne ein Zeichen gegen die AfD setzen. Aber was haben Politik und Nachtleben plötzlich gemein? Mehr als nur die Schnittstelle des Nachtbürgermeisters!

„Die Aktion ist eine Reaktion auf die Blockade bei Facebook“, so Jens Schwan, der Hauptinitiator der Clubmap sowie der Raveparade Zug der Liebe. Bei Facebook könne man kaum auf einer AfD-Seite einen negativen Kommentar lesen. Außerdem gilt die Inaktivität der Parteien seit den Landtagswahlen als Hauptgrund der Kampagne. In Berlin hängen seit knapp zwei Monaten wieder Plakate. Hier wird das Abgeordnetenhaus gewählt, aber keine Partei setze sich auf ihren Plakaten mit der AfD auseinander, so Jens. Ihm wurde das zu viel und so startete er Anfang August eine Hauruckaktion. Er griff eilig zum Hörer oder kontaktierte per Mail etliche Clubs, ob sie nicht mitmachen wollen. Einigen war der Druckschluss zu knapp, andere wollten sich aus der Politik raushalten – aber dann gab’s doch ein paar, die sich beteiligten: Die Magdalena, das Yaam, SchwuZ und das Golden Gate gaben unter anderem ihre Stimme – 2.000 solcher Plakate gesellen sich seit Montag zu den bekannten Parteiplakaten.sleaze.plakat(2) Die Clubs hätten nichts zahlen müssen: Jens erzählt, dass er die Kampagne privat mitfinanzierte, aber auch Spenden und Gelder des Zug der Liebe seien geflossen. „Wir sind nun ein frisch eingetragener Verein.“, meint er zu Letzterem: „Da können wir nicht nur eine Parade im Jahr machen und ansonsten Eier schaukeln – das wird die erste, aber nicht einzige Aktion sein.“

Die AfD setzte noch keine Richtlinien für die Clubszene fest, nur in der Kulturszene beispielsweise, dass in Theatern mehr deutsche Stücke gespielt werden sollen. „Es wird dann nicht mehr lange dauern, bis jemand auf die Idee kommt, eine Quote für deutsche Musik einzuführen“, sagt Jens spöttisch. Die Meinung anderer Parteien zum Nachtleben ist seit Kurzem bekannt: Die Clubcommission erbat ihre Stellungnahme – ihre Ergebnisse siehst du in der Tabelle auf der Webseite.

Die Clubcommission fungiert als Sprachrohr der Berliner Szene. Sie organisiert Infoveranstaltungen, diskutiert mit der Politik und berät Clubs und Veranstalter. sleaze.plakat(3)So setzte sie sich beispielsweise für das Fortbestehen des Yaam ein. Die Tabelle erzählt von den Problemen der Clubs, die immer wieder mit der Bürokratie in Konflikt geraten: Lärmschutzprobleme, Verdrängung in die Randbezirke oder Gesundheitsprävention. Egal, ob sie wollen oder nicht: Clubs müssen sich mit Politik beschäftigen. „Die meisten Clubs stehen Toleranz und Internationalität positiv gegenüber.“, antwortet Jens auf die Frage, ob sie der Politik wohlgesonnen seien. Hinsichtlich der Anti-AfDkampagne fügt er hinzu, dass die zunehmende Macht der AfD auch einen wirtschaftlichen Nachteil hätte: „Clubs werden für ausländische Investoren oder Touristen unattraktiver.“

Lisbeth
Genehmigung der Bilder: Jens Schwan

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