Zombie-Daywalker Mel: The Girl with All the Gifts

Zombie-Daywalker Mel: The Girl with All the Gifts

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Es fängt alles an, wie es so oft anfängt im ZombieHungry-Land: Eine Militärbasis, Soldaten, an den Außenzäunen stehen die Untoten-Horden in Zehner-Reihen und wollen rein. Wir sehen: eine der letzten Bastionen der Menschheit. Denn England ist überrollt von Hungries, wie die Zombies in The Girl with All the Gifts heißen. The Girl with… ist ein Zombie-Apokalypse-Sci-Fi-Horrorfilm. Was die Zuschauer mal nicht sehen: Wie es losgeht. Stattdessen steigen wir ein paar Jahre später ein (ungefähr 5 oder 10 Jahre). Unterschiede zu etwa The Walking Dead? Zombie-ismus ist kein Virus, sondern eine Pilzinfektion. Die Hungries sind schnell, können richtig rennen. Und du mutierst auch sehr fix nach einer Infektion zu einem, ungefähr innerhalb von einer Minute. Die Sache mit dem Kopfschuss bleibt gleich.

Aber was ist das, auf der Militärbasis findet auch Schulunterricht statt? Ja, denn es gibt einige hybride Kinder. Die tragen den Infekt in sich, sind keine Menschen mehr, ernähren sich von lebenden Wesen wie die regulären Hungries. Aber sie können auch sprechen und denken, und dich mal (wenn sie wollen!) nicht essen. So z.B. Melanie (Sennia Nanua). Sie ist sogar außerordentlich begabt. Monster und kleines Mädchen zugleich sticht sie in ihrer Klasse durch Wissbegierde und Auffassungsgabe hervor. Dadurch wird sie zur Lieblingsschülerin von Lehrerin Helen (Gemma Arterton). Wissenschaftlerin Caroline (Glenn Close) hingegen möchte am liebsten ihr Rückenmark und ihr Gehirn sezieren, da sie an einem Heilmittel / Impfstoff gegen den Infekt forscht.

Ruinen der Menschheit: London © SquareOne/Universum

Das ist die Ausgangssituation von The Girl with…, eine durchaus in Teilen vertraute Lage für eben beispielsweise The Walking Dead-Zuschauer. Und einige bekannte Standardsituationen aus dieser Serie werden in der Folge auch durchgespielt. Hier soll bestimmt nicht alles verraten werden, doch Fans erinnern sich sicherlich an diese todesspannenden Szenen bei TWD, in denen sich die Gruppe mit Leichenfetzen und Kadavern einschmiert und dann, geruchsmäßig nicht zu wittern, durch eine Masse Zombies läuft…

Aber während The Walking Dead die offensichtliche Referenz für Zombie-Themen ist, stellt The Girl with… auch eine Genre-Variation dar, und zwar eine nicht unbedeutende: In The Girl with… wirst du Dinge sehen, die du noch nie in einem Zombie-Film gesehen hast. Das garantiere ich dir! Vieles dreht sich hier um den Charakter Melanie. Soll selbstverständlich nicht gespoilert werden, doch lass dir so viel gesagt sein: Melanie ist eine Kreatur von ganz anderem und neuem Typ, steht auf einer anderen Stufe als alle, die vor ihr kamen.

Dieser wunderbare und einzigartige Charakter entstammt der Feder von Mike Carey, dem Autor der Romanvorlage Die Berufene und auch Drehbuchautor von The Girl with…. Und Mike spielt wirklich exzellent mit sowohl den Genre-Konventionen wie auch den -Neuerungen. Denn auch vieles, was immer gut wirkt, wird beibehalten in The Girl with…: So gibt es beispielsweise ja immer die Charaktere, die sich der neuen, ach so harten Welt scheinbar besser angepasst haben (und auch gerne darüber reden, wie man sich jetzt zu verhalten hat). Und dann wiederum eher die Figuren, die sich ihre Menschlichkeit bewahrt haben, obwohl diese ja offensichtlich keinen Nutzen mehr hat. Das Spektrum wird in diesem Streifen von Glenn Close (hart) und Gemma Arterton (menschlich) abgedeckt.

Wissenschaftlerin Glenn, auch ziemlich monströs © SquareOne/Universum

Dann gibt es noch – klar! – viele Überlebenskämpfe gegen Hungries. Und diese Actionszenen sind richtig fett gemacht: Es sind wirklich Massenszenen. Und du siehst auch nicht nur eine Masse aus der Ferne, sondern die Charaktere, besonders Melanie, bewegen sich mittendurch. Auch im Filmstil ist das von Regisseur Colm McCarthy (Peaky Blinders) super umgesetzt: Während andere Actionfilme gerne mit vielen und schnellen Schnitten beschleunigen, setzt Colm eher auf Kontinuität: Weniger Schnitte, dafür eine beweglichere Kamera, die mitläuft, folgt, und sich um die Charaktere dreht, wenn diese gerade fressen oder gefressen werden. So bist du als Zuschauer richtig nah dabei. Scary!

Dichte Grusel-Atmosphäre durch und durch und auch Soundtrack und Soundeffekte überragen und werden empfindlichen Naturen unter den Zuschauern schon ziemlich zum Anfang des Streifens schnell den letzten Nerv rauben.

© SquareOne/Universum

Doch letztendlich steht und fällt alles mit Melanie. Sie reiht sich ein in eine lange Reihe äußerst unheimlicher und beunruhigender Kinder im Horrorfilm. Seien es jetzt die beiden kleinen Mädchen aus The Shining oder Damien aus The Omen – Melanie ist jetzt auch in diesem Club. Tipp!

Robert

Titel: The Girl with All the Gifts
Regie: Colm McCarthy
Laufzeit: 112 Min.
VÖ: 9.2.2017 (dt. Kinostart)
Verleih: Universum Film

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