Zauberhaftes C/O Berlin

Zauberhaftes C/O Berlin

Das C/O Berlin am Zoologischen Garten begeistert einfach immer mit beeindruckenden Ausstellungen. Mein place to be. Meine Muse. Dieses Mal begeistert die Galerie im Amerika Haus mit gleich drei neuen Ausstellungen, die ich dir jetzt vorstellen werde.

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Im 1.Stock des C/O Berlin findet sich aktuell die Ausstellungsfläche von Hans Hansens Still Life. Hans ist seit Anfang der 60er Jahre als selbstständiger Fotograf in Hamburg tätig und hat einige große Kunden wie zum Beispiel Audi, Daimler, Kodak, Lufthansa und Siemens. Die Ausstellung setzt sich einmal mit seinen angewandten Arbeiten auseinander, zeigt aber auch freie Werke.

SLEAZE + C/O Berlin
Hans Hansen selbst und C/O Berlin-Hauptkurator Felix Hoffmann führen durch die neue Ausstellung

Die Fotografien von Hans Hansen zeigen oft Gegenstände oder Objekte, die man auf den ersten (und vielleicht auch auf den zweiten) Blick überhaupt nicht zuordnen kann. Man muss ein bisschen rumrätseln, wenn man herausbekommen will, was abgelichtet wird. Oder man lässt die Fotografie einfach auf sich wirken und stellt keine weiteren Fragen.

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Hans erklärt sein farbiges Fotogram

Er lichtet am liebsten unbelebte Objekte ab und man merkt, wie präzise seine Lichtgestaltung ist.

Anknüpfend an Hans‘ Stillleben geht die Ausstellung weiter mit Fotografien von Künstlern, die die Grenzen zwischen künstlerischem Stillleben und kommerzieller Produktfotografie immer weiter aufbrechen. Werbe- und Produktfotografie begleitet unseren Alltag mehr, als uns bewusst ist. Es ist inzwischen Teil unserer Gesellschaft (wie gut oder schlecht man das auch finden mag) und ist somit super interessant für Künstler.

Ann-Christin Bertrand kuratiert die Ausstellung Optical Illustions, die vier Künstler umfasst: Lucas Blalock, Anette Kelm, Antje Peters und Oskar Schmidt.

Oskar Schmidt mit seiner Serie Liquid, die sowohl auf den wirklichen Aggregatzustand bezogen ist als auch auf die Beweglichkeit, das Fließen der Medien

Die vier haben einiges gemeinsam. Es geht viel um die Wahrnehmung und das strategische Aufbrechen der klassischen Werbefotografie.

Oskar Schmidt zum Beispiel hat schon mehrere Einzel- und Gruppenausstellungen hinter sich. Seine Fotografien sind unheimlich reduziert und man sieht auf den ersten Blick die Perfektion, mit der er an die Arbeit geht. Seine Werke sind zwar Ergebnisse von digitaler Bildmanipulation, aber wenigstens sagt er das offen und sieht das auch nicht als Nachteil. Wenn wir ehrlich sind, ist die ganze Werbefotografie, die wir sehen, komplett manipuliert (und somit manipulativ).

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Ann-Christin Bertrand ist die Kuratorin von Optical Illusions, hier vor den Werken von Antje Peters
Nun zum Herzstück der neuen Ausstellungen.

Josef Koudelka, geboren in der Tschechoslowakei, ist ehemaliger Fotograf bei der renommierten Fotoagentur Magnum. Mit seiner Ausstellung INVASION/EXILES/WALLS werden drei wesentliche Schaffensphasen von ihm präsentiert.

SLEAZE + C/O BerlinIm ersten Teil, Invasion, siehst du auf den Fotografien, wie die Rote Armee im tschechischen Prag einmarschiert und wie Josefs Landsleute leidenschaftlich Widerstand leisten. Die Schwarz-weiß-Fotografien sind unheimlich emotional und historisch wertvoll. Zusätzlich zu den Bildern an der Wand läuft ein Film mit weiteren Fotografien und kurzen Filmsequenzen, der durch das bewegte Bild die Situation nochmal etwas näher an einen heranträgt und einen richtig einsaugt.

Josef Koudelka ist 1970 aus der Tschechoslowakei ausgereist und fand in England als politischer Flüchtling Asyl. Er konnte jahrelang keine Autorenschaft über seine Fotografien anerkennen, da er Angst vor politischer Verfolgung hatte. Zwanzig Jahre lang hatte Josef keinen festen Wohnsitz und keinen Besitz außer seine Kamera, mit der er umherreiste und Fotografien machte, die u.a. jetzt hier unter dem Ausstellungsnamen Exiles gezeigt werden.

Zahlreiche Bilder von Menschen, Tieren, Landschaften und dem Alltag in verschiedenen Ländern wie Portugal, England und Irland zeigen den spirituellen und physischen Zustand des Exils.

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So viel Stacheldraht…

Erst vor wenigen Jahren, zwischen 2008 und 2012, bereiste Josef Koudelka dann Israel und Palästina und dokumentierte die von Israel im Westjordanland gebaute Mauer, die fast dreimal höher und fünfmal länger ist als die Berliner Mauer war. Hier entsteht seine Serie Wall.

Josef Koudelka arbeitet hier nur noch mit Panorama-Aufnahmen und zeigt die Sperranlage mit Stacheldraht und Bewegunsmeldern. Erstmals nach fast 30 Jahren ist das hier die erste Ausstellung in Deutschland, die ihm gewidmet ist. Die Ausstellung wurde kuratiert von Xavier Barral und Sonia Voss in Partnerschaft mit dem Nederlands Fotomuseum in Rotterdam.

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Josef Koudelka steht der Presse Rede und Antwort im C/O Berlin

Von meiner Seite aus ist das C/O wieder mal komplett gefüllt mit wundertollen Fotografien und definitiv einen Besuch wert. Vielleicht kennst du schon den tollen Buchladen im C/O Berlin. Wenn nicht, lass dir den auf keinen Fall entgehen, man kann hier die besten Fotobücher kaufen oder einfach nur ein wenig stöbern.

Ein kleiner Tipp noch: Josef Koudelkas Film Shooting Holy Land läuft momentan an zwei verschiedenen Stellen in Berlin, einmal im Tschechischen Zentrum und einmal in der Brotfabrik.

Viel Spaß!
Doro

Museum: C/O Berlin
Aktuelle Ausstellungen: Josef Koudelka: Invasion/Exiles/Wall, Hans Hansen: Still Life und Optical Illusion
Ort: Hardenbergstr. 22-23, 10623 Berlin
Zeitraum Ausstellung: 13. Juli bis 10. September
Kosten: regulär 10€; ermäßigt 6€, Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr frei
Öffnungszeiten: täglich 10-20 Uhr

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