Wiederkehr? Bitte umkehren!

Wiederkehr? Bitte umkehren!

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Verzerrten Gesichtes durch die Dunkelheit

Roland Emmerich ist der Inbegriff hollywood’esken Katastrophenkinos. Ob schrullige Alien-Invasion (Independence Day), das Heraufbeschwören japanischer Riesenechsen (Godzilla) oder Weltuntergangsklamauk (2012). Der in Stuttgart geborene Regisseur ist bekannt für seine vor allem in den vergangenen Jahren oft mit Spezialeffekten allzu versalzenen Filme. Mit Indepence Day: Wiederkehr inszeniert er nun erstmals eine Fortsetzung eines seiner eigenen Werke. Wo sich das Original noch mit stets ironischer Launigkeit selbst dem präsenten Patriotismus entgegenstellen und sich vor allem durch die auf den Punkt getroffenen, wenn auch simplen Charaktere in eine unterhaltsame Sehbarkeit retten konnte, ist die Rückkehr seiner invadierenden Außerirdischen ein Kniefall vor starren Regeln des Mainstreams, bei dem einzig die alte Garde den Film nicht vollends gegen die Wand fahren lässt. Denn was Roland hier an „Neuem“ bietet, ist eine Brühe aus Recycling, jugendlicher Charakterlosigkeit und dem Abfeiern gängiger Blockbusterklischees.

Die durchaus eigene Note seines Vorgängers aus dem Jahre 1996 geht hierbei fast gänzlich verloren – trotz ständiger Verbindungen zum Original, die mal mehr, mal weniger funktionieren. Der Beginn gleicht einer hyperaktiven, rasch abzugrasenden Exposition, in der Kernkonflikte und die (aufgeblasene) Figurenriege durchgehetzt werden. Sein Vorgänger spielte mit der Invasionsprämisse und nahm sich Zeit für das Aufplustern seiner Bedrohung. Hier folgt ein Schnitt viel zu schnell dem anderen und der ständig wechselnde Blick auf Figuren mitsamt ihren konstruierten, uninteressanten Konflikten ist von einem hilflosen erzählerischen Tempo angeheizt, das selbst nicht so recht zu wissen scheint, wie es seine Fäden zusammenhalten soll. Im Zentrum der Urfassung stand mit Bill Pullman (Lost Highway), Jeff Goldblum (Grand Budapest Hotel) und Will Smith (Erschütternde Wahrheit) ein klar definiertes, in sich greifendes Trio. Mit den zwei wichtigsten Neuzugängen Liam Hemsworth (Die Tribute von Panem) und Jessie Usher, der Will Smiths Filmsohn spielt, sowie einer Reihe unwichtiger und nur als reine Sidekicks bzw. Alibikonfliktherde ins aufgedunsene Skript geschriebene Figuren rufen die fünf (!) Autoren vor allem Desinteresse für diese hervor.

Die müden Neuen
Die müden Neuen um Liam Hemsworth

Denn keiner der neuen Darsteller vermag es auch nur im Geringsten, so etwas wie Charisma zu versprühen. Die Konstellation, zu der auch eine, natürlich!, US-PräsidentIN sowie eine asiatische Pilotin zählt, ist von solch politisch korrekter Diversität, dass diese Zusammenstellung stark an wahlkampfähnliche TV-Spots einer heilen Gesellschaft erinnert – das ist auf ethnische Analyse begründete Sozialromantik und fast schon die moderne Form eines Heimatfilmmotivs denn ein selbstständig fungierendes, lebendiges Ensemble. Ohne den Witz und den Ausdruck Jeffs und Bills, Judd Hirsch (Cheyenne – This Must Be the Place) als schrulliger Filmvater Jeffs sowie dem ebenfalls wiederkehrenden Brent Spiner (Aviator) in der Rolle des verschrobenen Alien-Doktors zerliefe das Interesse am Schicksal der Akteure in der Belanglosigkeit. Den Schönlingen fehlt hier vor allem die Aura und der nonchalante Witz ihrer kantig überzeichneten Vorgänger.

Von wenig bis nicht vorhandenem Belang ist auch die Geschichte, die nicht mal auf Grund ihrer Einfachheit sauer aufstößt. Es ist vielmehr das inspirationslose Recycling der Urstory – z.T. werden Motive, Lösungsansätze und sogar ganze Szenen 1:1 übernommen. Diese werden hier blaupausenartig um eine Komponente angereichert, die der außerirdischen Rasse eine ambivalente Färbung geben soll – und sich dabei als gängige Sequelregel entpuppt, um das Auftischen des schon Durchgekauten zu legitimieren. In Konsequenz dessen wird auch klar auf einen möglichen (und wohl wahrscheinlichen) Nachfolger verwiesen, in der eine weitere Steigerung dessen als regelkonforme Folge thematisiert wird. Problematisch auch, dass die Erde selbst in einem zu einfallslos-futuristischen Licht getaucht wird, sodass die damalige Gegenüberstellung von erdbekannten Motiven und extraterrestrisch-unbekannter Bedrohung nicht mehr vorhanden ist und dieser Gegenüberstellung damit viel dramatisches Potenzial genommen wird.

Sie könnens auch hier: Jeff Goldblum und Bill Pullman
Sie können’s auch hier: Jeff Goldblum und Bill Pullman

Erstaunlich, wie sehr sich Roland Emmerich bei seiner Erzählung dem Dogma einer auf reiner Zerstörung ausgelegten Inszenierung verschreibt. Gewiss, schon Independence Day aus den 90ern zeigte Sequenzen totaler Zerstörung. Nur besitzen diese einen gewissen ikonischen Charakter und waren nie in dieser Dauerpräsenz zu sehen – die Explosionen des Weißen Hauses oder des Empire State Buildings zählen bis heute zu den bekanntesten Impressionen des Blockbusters und sind zudem tricktechnisch und inszenatorisch der heutigen Green-Screen-Hässlichkeit überlegen, da Roland hier, auch auf Grund der technischen Limitierung, weitaus mehr auf das geschickte Zusammenspiel von handgemachten Effekten und Perspektivspielen angewiesen war. Das Sequel gerät da eher in die Spur überspektakelorientierter Orgien à la 2012, die durch ihre übertriebene Abgehobenheit nie greifbar und stets künstlich wirken, damit ihre eigene Fiktion geradezu verleugnen.

So wird Independence Day: Wiederkehr auch ein körperlich anstrengender Sehakt, da das dauerhafte und gehetzte Getöse ermüdende Wirkung zeigt. Viel zu selten scheinen dabei der auflockernde Humor und die selbstreferentielle Komik durch, die dem Film seine zu schwere Ernsthaftigkeit nehmen und eigenen Unzulänglichkeiten ad absurdum führen würden. Diese Momente sind ohnehin den bereits etablierten Figuren vorbehalten, da die Jungstars auf pubertierendes Geblubber und steife Anflüge von Coolness reduziert werden. So bleibt diese Alien-Invasion eine viel zu sehr mit Regelkonformitäten angereicherte und oft schlicht belanglose. Dieser laute Unabhängigkeitstag, der ohnehin zur Randnotiz verkommt, ist ein wenig charmanter, kaum zum Feiern einladender und mag hoffentlich schnell vorübergehen.

Alex Warren

Titel: Independence Day: Wiederkehr
Regie: Roland Emmerich
Laufzeit: 120 Min.
VÖ: 28.07.2016 (dt. Kinostart)
Verleih: 20th Century Fox

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