Wie Winnie Puh, nur ganz anders

Wie Winnie Puh, nur ganz anders

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Als ich ein Kind war, war das mein liebster Platz auf der ganzen Welt.“ Unter normalen Umständen ist das eine harmlose Äußerung. Doch reden wir hier nicht über normale Umstände, sondern über dem Film „Backcountry“ und da befindet sich eben so ein Lieblingsplatz in einem Nationalpark. Eins sollte auch zu Beginn gleich klar sein: Es ist nicht klug, auf eine Karte zu verzichten, nur um seine Freundin zu beeindrucken. Orientierungslosigkeit schreit doch förmlich nach Ärger.

SLEAZE.Backcountry.jpgDas Debüt des kanadischen Regisseurs Adam MacDonald nimmt sich seine Zeit zu einem überraschendem Höhepunkt und einer Auflösung, die fast unmöglich zu beschreiben sind, ohne nicht etwas vorweg zu nehmen. Adam weiß, was das Publikum erwartet und einer der Plus-Punkte an „Backcountry“ ist, wie gekonnt der Regisseur mit diesen Erwartungen spielt. Er schafft es, bereits in den ersten zehn Minuten dem Zuschauer ein Bild der beiden Hauptfiguren Jenn und Alex zu vermitteln. Die Einstellungen der beiden dem Trip gegenüber könnten unterschiedlicher nicht sein. Auf den ersten Blick scheint es, als seien beide – vor allem Jenn, gespielt von Missy Peregrym – nicht so helle. Ihr Interesse an Camping und Survival ist doch sehr gering. Das Blackberry immer zur Hand und top gestylt ist die Anwältin bestens ausgerüstet für ein Meeting, aber nicht für ein Wochenende in der Wildnis. Währenddessen schreckt Alex, gespielt von Jeff Roop, nicht davor zurück, sein Wissen an Camping und Sicherheit preiszugeben, was Jenn jedoch sichtlich unbeeindruckt lässt. Alex behauptet, früher als Kind oft am Schauplatz des Geschehens im Restoule Provincial Park in Southern Ontario gewesen zu sein und einen abgelegenen Bergsee zu kennen, den er Jenn zeigen will. 15 Minuten drin und schon ahnt man, dass den beiden etwas Schlimmes zustößt. Wie sollte es auch anders sein, übergehen Jenn und Alex die Warnung des Parkrangers.

Zirka zu diesem Zeitpunkt taucht der merkwürdige Fremde Brad auf und dank Jenn wird aus dem romantischen ersten Abend ein Dreier-Date. Mit seiner arroganten Art und den Provokationen gegenüber Alex macht er aus dem Abend ein Spiel mit dem Feuer zwischen den zwei Alphamännchen. SLEAZE.Backcountry.3.jpgDas alles endet erst, als Brad entscheidet, seinen fröhlichen Weg zu gehen, den er als professioneller Wanderführer natürlich selbst im Dunkeln kennt. Aber wie wir es von solchen Filmen besser wissen, wird das nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir ihn gesehen haben. Naja, ja und nein.

Adam MacDonald kurbelt die Spannung systematisch an. So nutzt er auch beim Angriff des nicht sichtbaren Feindes die Kraft von Soundeffekten à la Duschszene in „Psycho“. Von da an greift die Essen-oder-gegessen-werden-Regel ohne jegliche Orientierung und Hilfsmittel, die Jenn viel Mut abverlangt.

Backcountry“ ist keine komplett entwickelte Idee für ein Film, aber Adams ist bemerkenswert einfallsreicher und überzeugender als die meisten Grundgedanken, die als Vorlage für viele Horrorfilme dienten. Der Film kann den Zuschauer schon aus der Fassung bringen. Da reichen schon eine Schnauze, die an die äußere Zeltwand gedrückt wird oder aber auch die hypnotisierend wirkenden Baumkronen, die im Wind schwingen.

Anders als die meisten Survival-Filme, in denen die mysteriösen Menschen immer wieder auftauchen oder sogar der Feind selbst sind, ist in „Backcountry“ die einfache Natur und der Stolz von Alex der Feind der Beiden. So erscheinen die Geschichte und die Darstellungen realistisch und lässt den Zuschauer an die wahre Begebenheit im Film glauben.

Leo

Titel: Backcountry
Regie: Adam MacDonald
: 10.07.2015
Dauer: 87 Minuten
Verleih: Pandastorm Pictures

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