Wie leicht die Natur doch ist…

Wie leicht die Natur doch ist…

…und wie leicht man die natürliche Schönheit doch zerstören kann.

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SLEAZE + Susumu Shingu
Ein Perpetuum Mobilé? Vielleicht…

Steht man zum ersten Mal vor den Kunstwerken Susumu Shingus, weiß man nicht, ob das ein Protest sein soll gegen die Zerstörung der Natur oder ist hier einfach ein Junge seines Fisher-Technik-Kastens überdrüssig geworden und entwarf deshalb diese mechanischen Gebilde.

Aber auch wenn man das nicht weiß, erkennt man die Schönheit dieser Figuren. Teilweise schwingen sie, als würden sie tanzen. Was sie irgendwie auch tun. Und das oft in einem Rhythmus voller Anmut. Susumu selbst beschreibt es als ein „Interesse an unsichtbaren Energien“.

SLEAZE + Susumu Shingu
Was bin ich?

Denn alle seine Gebilde werden durch ein Natur-Element bewegt. Sein Hauptfokus liegt dabei auf Wind, aber auch die filigranen Kelche, die (Regen)Wasser aufnehmen, durch das Gewicht in Bewegung geraten und durch perfekte Platzierung aneinander abgeben, ist einfach hypnotisch schön.

Das luxemburgische Museum für moderne Kunst, SLEAZE-Lesern auch vertraut als MUDAM, hat den japanischen Künstler nun zu sich geladen. „Spaceship“ heißt die erste große Ausstellung in einem europäischen Museum, die auch das MUDAM selbst adelt. Denn wie es Susumu selbst sagt vor Ort, „lasse ich meine Kunst nur an Orte, die ich mag. Und ich bin nun das erste Mal im MUDAM – und ich liebe es!“

Kein Wunder. Seine Werke wirken in diesem Ausnahmebau des Architekten Ieoh Ming Pei beeindruckend. Und das, obwohl die Stücke Susumus eigentlich für den Außenbereich gedacht sind. So wird der Wind im MUDAM selbst durch viele Ventilatoren erzeugt, was aber gut versteckt geschieht und der Eleganz somit keinen Abbruch tut.

SLEAZE + Susumu Shingu
Ein extrovertierter Brunnen: Water Tree II

Japan im Jahre 1937. Susumu Shingu wird in Osaka geboren und nach den schwierigen Jahren des Zweiten Weltkriegs widmet er sich zunehmend der Kunst. 1960 schloss er an der Universität der Künste in Japan sein Studium ab und ging nach Rom, um dort weiter zu studieren.

1966 ging es mit vielen neuen Erfahrungen und Techniken zurück nach Japan. Sein Interesse für die Kräfte des Windes war da bereits so groß, dass er 1967 seine erste alleinige Show denn auch gleich den „Wind Structures“ widmete, wie er seine Show auch nannte.

Dann nahm seine Karriere an Fahrt auf. Er stellte 1970 auf der EXPO aus und heimste in den Folgejahren viele Preise ein. Auch wurden seine Ausstellungen weltweit nachgefragt – was sich bis heute nicht geändert hat.

SLEAZE + Susumu Shingu
Der Meister (ganz rechts) wird vorgestellt!

Aber ist es nun Kritik?

Das lässt Susumu Shingu (wahrscheinlich bewusst) offen. Aber eigentlich kann man sich die Frage auch selbst beantworten: Sollte man etwas, das so schön ist wie unsere Erde und all ihre verrückten Kleinigkeiten, wirklich zerstören?

Nun werden alle natürlich „Nein“ denken. Aber wie sieht es aus, wenn man dafür ein Stück weit sein Leben ändern müsste? Z.B. mehr vegetarisch essen und keine Rinder mehr, um für die eigenen Kinder den Treibhauseffekt zu minimieren?

SLEAZE + Susumu Shingu
Eine Wasserwaage? Mitnichten…

Susumu regt an, ohne sich oder andere aufzuregen. Das könnte man jetzt klischeemäßig als japanisch bezeichnen. Auf jeden Fall bewegt seine schöne Kunst etwas – und das im doppelten Sinne.

danilo

Wer: Susumu Shingu
Was: Spaceship
Wo: MUDAM Luxembourg, 3 Park Dräi Eechelen, 1499 Luxemburg
Wann: 17.5.2018 – 6.1.2019
Weitere Infos: www.mudam.lu

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