Wie Hollywood mit China flirtet

Wie Hollywood mit China flirtet

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SLEAZE + Hollywood
Blame…. Partner?

Amerika und China sind nicht gerade das, was man gute Freunde nennt. Gute Freunde brüllen sich nicht unentwegt an und beschuldigen sich auch nicht die ganze Zeit für sämtliche Missstände in der Welt.

Man könnte sogar soweit sagen, dass sie gar keine Freunde sind, sondern halt irgendwie im selben großen „Freundeskreis“, der Erde, rumsteuern und nun gezwungenermaßen miteinander auskommen müssen. Weil sie dieselben Freunde haben. Und beide ziemlich wichtig für den Freundeskreis sind, da sie verdammt groß, reich und einflussreich sind. Kennt eigentlich jeder, der auf der Schule war.

Dass sie sich nicht riechen können, ist verständlich, könnten zwei Staaten kaum unterschiedlicher sein, ideologisch wie auch politisch. Die USA hat sich ja schon immer gegen die Kommunisten im Freundeskreis Erde quer gestellt. Aber wie gesagt, sobald man wichtig genug ist, gibt es keinen Weg aneinander vorbei, und man muss sich arrangieren.

Ähnlicher als man denkt

Im Grunde sind sie sich aber ähnlicher, als man beim ersten Anblick denkt. Umweltschutz? Finden beide doof. Journalisten? Nur wenn sie brav konform bleiben. Militär, fragwürdige Demokratie, Marionettenstaaten und Menschenrechtsverletzungen? Total geil! Da fragt man sich, warum sie eigentlich nicht die besten Freunde sind. Und wenn man tiefer diggt, könnte man vermuten, dass Donald Trumpeltier mit seiner USabotage sogar China auf dem Weg zur Weltmacht unterstützt. Stellt sich dann die nächste Frage, ob das aus Versehen oder mit Absicht geschieht…

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Lange Zeit der filmische Regenwald…

Dazu passt, dass die beiden Riesenstaaten sich sogar noch ähnlicher werden. Während die amerikanische Mittelklasse stetig schrumpft, befinden sich die chinesischen Gutverdiener auf dem Vormarsch. Im Moment sind es zwar nur gute zehn Prozent, aber selbst das macht bei einer Bevölkerungszahl von weit über einer Milliarde trotzdem ganz schön was aus. In ein paar Jahren könnte es gut sein, dass sich die beiden Staaten bei den Zahlen in der Mitte treffen.

Das ist für die USA wirtschaftlich natürlich nicht uninteressant und durchaus ein Grund, sich eben mal zu arrangieren. Vielleicht sogar (partiell) Freunde werden, immerhin ist das ein gigantischer, für den Westen praktisch noch immer unerschlossener Markt.

Hollywood auf Kuschelkurs

Ganz besonders Hollywood hat das bemerkt und versucht, sich ganz ungeniert an den Riesen im Osten anzukuscheln. Wie in einer frischen Liebesbeziehung versuchen die großen Studios, also Warner, Disney & Co., dem neuen Partner alles recht zu machen, Komplimente zu geben und generell zu schmeicheln, wo es nur geht. Und wenn es sein muss, dann eben auf künstlerische Kosten.

Aber warum ist das überhaupt nötig, sich so bei China einzuschleimen? Ganz einfach: Die Kommunistische Partei Chinas ist beinhart, wenn es darum geht, was im Kino läuft und was nicht. Gerade mal 34 ausländische Filme dürfen pro Jahr in den chinesischen Kinos laufen. Bei 60.000 chinesischen Kinos wohlgemerkt. 20.000 mehr als in den USA (Deutschland krebst mit seinen 1.700 Sälen fast in einem Teich der Unbedeutsamkeit).

Und quasi jeder dieser 34 Filme ist ein finanzieller Hit, selbst wenn es der letzte Müll ist und ihn im Rest der Welt eigentlich niemand sehen will. Diese peinliche Ausrede einer Videospielverfilmung namens Warcraft z.B. wäre vor ein paar Jahren der totale Flop (was er auch wirklich verdient hätte), wenn er nicht über chinesische Leinwände geflimmert wäre.

34 Filme schaffen es also pro Jahr in den chinesischen Kinomarkt. Mal zum Vergleich: Es werden allein in der Traumfabrik in Übersee jährlich 500 Kinofilme produziert. Wenn ein Film also in China laufen darf, ist das wie das goldene Ticket von Willy Wonka zu ziehen. Und das, obwohl sich das Studio die Ticketeinnahmen mit China teilen muss. Deshalb wird geschleimt, wie es nur geht, und zwar meistens mit dem Inhalt der Filme.

Story(un)telling: Lieber Südkorea als China anpissen

Ein recht berühmtes und auf gruselig ironische Weise aktuelles Beispiel hierfür wäre der Zombiekracher World War Z von 2013. Im Roman (geschrieben von Mel Brooks‘ Sohn Max), auf dem der Film basiert, bricht das totbringende Virus in China aus (Corinna lässt grüßen).

Da die Produzenten der Verfilmung den Chinesen nicht auf den Fuß treten wollten, ließ man den Ursprung der Seuche eben mal fix auf Südkorea verlegen. Mit denen kann man’s ja immer machen. Hat im Endeffekt aber alles nichts gebracht, da Brad Pitt die Hauptrolle spielt, und der ist seit Sieben Jahre in Tibet immer noch durch in der Volksrepublik.

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Ist China auch beim Film der Game-Changer wie so oft?

Tibet ist da sowieso so eine Sache. Alles, was mit Tibet oder Taiwan zu tun hat, kann Hollywood prinzipiell eigentlich gleich vergessen, wenn der Film auf die 34er Liste kommen soll. So wurde aus Tilda Swintons tibetanischen Mönch-Charakter in Doctor Strange eine keltische Druidin und aus der taiwanesischen Flagge auf Tom Cruise‘ Jacke im neuen Top Gun irgendein geometrischer Unsinn.

Zusätzlich zu solchen dreisten Inhaltsänderungen setzen die Studios zudem auf Product Placement mit chinesischen Produkten oder, gerade wenn es Weltraumfilme sind, auf ein „Deus-Ex-Machina-Süß-Sauer“. So wird zum Beispiel Matt Damon in Der Marsianer nur durch die aufopferungsvolle chinesische Weltraumbehörde gerettet und Sandra Bullock überlebt in Gravity durch die hilfsbereite Besatzung der Tiangong.

Einerseits ist es zwar ziemlich cool, dass so dem amerikanischen Pathos in Hollywood endlich ein wenig Einhalt geboten wird und in den Big-Budget Filmen nicht immer nur die Amis als die großen Helden dastehen, aber das ganze verliert leider etwas an Bedeutung, wenn man weiß, es geht bei solchen Story-Elementen vor allem um eins: den schnöden Mammon.

Aber um an den ranzukommen, hat Hollywood noch eine zweite Möglichkeit. Wenn der Film zusammen mit einer chinesischen Firma produziert wird, ist es technisch gesehen kein ausländischer Film mehr. Daher dürfte er außerhalb der 34 laufen.

Das hat aber natürlich auch einen Haken. Wird der Film auf die Art produziert, muss mindestens ein Drittel der Darsteller chinesisch sein und zudem eine tragende Rolle haben. Und zwar nicht als Bösewicht (wovon schwarze und PoC-Schauspieler in Hollywood nur träumen können!). Bei so etwas kommt allerdings meistens so ein merkwürdiger Historien-Fantasy-CGI-Käse wie The Great Wall raus. Wollte außer den Chinesen wirklich niemand sehen.

 

Wegen solchen wirtschaftlichen Vorteilen wird China in Zukunft wohl immer einen gewissen Einfluss darauf haben, was wir in den meisten Hollywood-Filmen zu sehen bekommen. Eine interessante Entwicklung in Hinblick auf die politische Beziehung zwischen Amerika und China, aber eigentlich schade in Bezug auf die inhaltlichen Visionen der Filmemacher großer (kalifornischer) Studios. Aber Hand aufs Herz: Der Qualität der meisten Filme wird man das eh nicht anmerken.

Simon

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