Wette verloren, wetten?

Wette verloren, wetten?

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Sport, wohin der internationale Fernsehzuschauer blickt. Ob Magazine, eigens ausgelegte TV-Sender oder Public Viewing. Der Sport verbindet, begeistert – und betrügt. Denn auch das oft zwielichtige Geschäft ist eine Seite des Massenspektakels, dass derzeit medial vor allem durch die FIFA eindrucksvoll präsentiert wird: Dem internationalen Fußballverband wird u.a. die inkorrekte Vergabe der WM 2006 in Deutschland vorgeworfen. Das deutsche Sommermärchen wird seinem Märchencharakter immer mehr gerecht. Es war eine schöne Bettgeschichte. Auch tauchen immer wieder Berichte über geschobene Spiele auf, also das bewusste Manipulieren einzelner Partien oder auch ganzer Ligen, um mit entsprechend ausgenutzten Wettquoten möglichst viel Gewinn abzugrasen. Seit Jahren schon geistern Enthüllungen solcher Art durch die Gazetten und verkommen dort dann doch schnell wieder zur Randnotiz. Philipp Kadelbachs (Nackt unter Wölfen) Film Auf kurze Distanz, der auf dem gleichnamigen Roman basiert, taucht ab in das kühle Milieu des Wettbetrugs, doch weiß der Regisseur seine Geschichte nicht immer voll zu entfalten.

Im Sumpf des Wettbetrugs: Klaus mit "Neufreund" Luka
Im Sumpf des Wettbetrugs: Klaus (re.) mit „Neufreund“ Luka

Denn der Film ist immer noch stark einer dramatischen Struktur unterworfen, die im Grunde ihre früh etablierte Grundstimmung konsequent zu Ende führt. Mit einem häufig dominierendem Blaufilter versucht Philipp schon anfangs, das unbehagliche Gefühl im Kreise verruchter Wettgeschäfte zu etablieren. So sehen wir Tom Schilling (Oh, Boy) als Klaus zunächst vor allem dabei, wie er in verrauchten Wettbüros biertrinkend versucht, Kontakte zu einer serbischen Organisation herzustellen. Denn als Undercover-Ermittler soll er der Polizei helfen, einen ganz großen Fisch einzubuchten. Dazu freundet er sich zunächst mit Luka (Edin Hasanovic) an, einem Spross der serbischen Familie, um Vertrauen zu gewinnen und schließlich in die innersten Zirkel der Gangster hineinzukommen. Toms Figur selbst weckt als verlorene Seele in der deutschen Hauptstadt einiges Interesse. Vor allem auch, da manch hintergründiger Konflikt nur angedeutet, aber niemals ausgesprochen wird. Das Skript allerdings stellt immer wieder die Thrillerelemente in den Vordergrund, sowie säuberlich nachkonstruierte Kopien allseits bekannter dramaturgischer Gewohnheiten, was den Film ein wenig überladen erscheinen lässt und seine scheinbare Konsequenz als Lehrbuchvorgabe entlarvt.

Zwielichtige Machenschaften im Fußballstadion
Kurz mal ein paar Geschäfte nebenbei regeln.

Nur selten bleibt Zeit, einen tieferen Blick auf den emotionalen Zwiespalt des Geschehens zu richten. Zwar liegt ein Schwerpunkt auf der Freundschaft von Klaus und Luka, doch im Banne des stets präsenten Thrills fühlt es sich so an, als hätte manch beziehungserhärtende Szene nur ihre Berechtigung, um den Zuschauer nochmal vorzuführen, wie traurig das doppelte Spiel doch eigentlich ist. Insbesondere auch, wenn man das lakonische Ende noch berücksichtigt, das nicht wirklich überraschen mag und somit einiges an Schockwirkung einbüßt. Das an Schreibseminare erinnernde Drehbuch wird hier somit zur größten Schwäche. Denn ansonsten schafft der Filmemacher manch hübsches Motiv. Sein Berlin ist durch die entsättigte bzw. blaudominierte Farbgebung ein atmosphärisches, da trostloses, das nur selten durch wortwörtlich glühende Lichtblicke aufgehellt wird. Die leider ein wenig zu aufdringlich eingesetzte Musik überzeugt vor allem dann, wenn sie ambientisch den dahintreibenden, verlorenen Protagonisten Ausdruck verleiht. Dass der Film selbst ein wenig verloren scheint in seinem spannungskomprimiertem Skript, ist leider letztlich der Hauptgrund, dass er nicht mehr ist als ein zwar unterhaltsamer, aber doch arg solider und zahmer Thriller, der auch das Thema um Sport-Manipulation kaum neu anstoßen wird.

Alex Warren

Titel: Auf kurze Distanz
Regie: Philipp Kadelbach
Laufzeit: 90 Min.
VÖ: 27.05.2016 (DVD, Blu-Ray)
Verleih: Eye See Movies

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