Welcome to Norway: Die schnelle Kritik

Welcome to Norway: Die schnelle Kritik

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„Haschisch, Vergewaltigung und Terrorismus!“ Das holt man sich ins Haus, nimmt man Flüchtlinge Geflüchtete bei sich auf. So zumindest denkt sich das Hotelier Primus, seines Zeichens (leichter) Rassist. Primus ist Teil der neuen Komödie Welcome to Norway, die diese Woche für den heimischen Kinogenuss erscheint. Aber Moment mal! Geflüchtete und Humor – passt das? Darf das beides vermischt werden angesichts der ernsten Thematik und der dramatischen momentanen Weltlage?

Zwei Schlitzohren unter sich: Primus & Abedi

Welcome to Norway tut es auf alle Fälle: Primus hat ein Hotel irgendwo in der norwegischen Einöde, doch das möchte niemand besuchen. Könnte daran liegen, dass es sich bei der Bleibe um eine totale Bruchbude handelt. Türen oder Fußböden gibt es in vielen Zimmern nicht. Was also tun, wenn die Gäste ausbleiben? Man kann ja auch einfach an Geflüchtete vermieten, dann übernimmt der norwegische Staat die Rechnung. Das war Idee #1 von Primus. Außerdem hatte er noch darauf gehofft, dass die Geflüchteten lange nicht so anspruchsvoll sind wie Feriengäste. Am Anfang will er sie mit trockenem Schwarzbrot abspeisen und findet auch die Sache mit den fehlenden Türen gar nicht so schlimm.

Ganz so leicht wie vorgestellt wird es dann aber doch nicht. Denn die Geflüchteten sind keine homogene Gruppe, sondern setzen sich aus den unterschiedlichsten Konfessionen (= Religionen, du Ignorant 😉 ) zusammen und sprechen nicht so gut Englisch oder Norwegisch. Auch sind viele von ihnen aus politischen Gründen geflohen und reagieren deshalb ein wenig verständnislos auf Machtmissbrauch. Gerade deshalb sind sie ja da! Lustig wird es dann, wenn die Geflüchteten aus Protest „Guantanamo“ auf Transparente schreiben und richtig protestieren.

Primus hat derweil seine eigenen Probleme: Der schon mit vielen Geschäftsideen gescheiterte kapitalistische Kleinunternehmer ist pleite. Geld gibt es erst, wenn seine Unterkunft vom Staat anerkannt ist. Doch wie soll er die dafür nötigen Reparaturen bezahlen? Vielleicht kann die leicht durchgeknallte Sozialarbeiterin Line weiterhelfen? Nebenbei legt sich Primus noch mit seiner politisch korrekten Tochter an und zwischen dem Raubein und Abedi (Schauspieler Olivier Mukuta lebte tatsächlich zwölf Jahre in einer solchen Unterkunft) entwickelt sich eine zarte, vorsichtige Freundschaft.

Klingt gut? Ja! Welcome to Norway kann durchweg empfohlen werden für den heimischen Komödien-Genuss. Die Thematik ist frisch und gerade die Schauspieler, die die Geflüchteten spielen, begeistern. Zwar bewegt sich der Streifen öfter auch auf besserem Fernsehfilm-Niveau und nicht jede Story trifft voll ins Schwarze, doch dazwischen kommen immer wieder richtig gute Lacher. Und ganz besonders über die so bierernste Thematik Geflüchtete auch mal zu lachen, sie nicht nur als Problem zu definieren, das tut gut. Möchtest du auch mal, ein bisschen zumindest, ein Gefühl dafür kriegen, wie es sich anfühlt, in so einer Unterkunft leben zu müssen, dann schau dir Welcome to Norway an. Tipp.

Robert

Titel: Welcome to Norway
Regie: Rune Denstad Langlo
Laufzeit: 90 Min.
: 7.4.2017 (DVD & Blu-ray)
Verleih: Neue Visionen

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