Eine richtig gute Idee: das Öko-Payback „GreenPay“

Eine richtig gute Idee: das Öko-Payback „GreenPay“

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Klimaschutz? Wenn du den FDP-Politiker Christian Lindner fragst, dann ist das „eine Sache für Profis“. Und die CDU-Chefin AKK hätte ihren Kindern auch „keine Entschuldigung geschrieben“, wenn sie sich an den Schulstreiks fürs Klima beteiligen würden.

Anscheinend stößt die Generation, die es verdammt nochmal juckt, ob sich die Erde weiter um 1,5 Grad oder 2 oder 3 Grad erwärmen wird, in den Reihen der Politik auf Unverständnis.

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YES! Das strahelnde GreenPay-Gewinnerteam

Neun junge Köpfe, eine grüne Idee

Dabei steckt gerade auch in jungen Menschen das Potential, kreative nachhaltige Ideen zu entwickeln (fernab von Lobbyismus und Sorgen um das polierte Image). Das zeigt eine Gruppe von Schülern aus Weinheim.

Im Rahmen des YES! Young Economic Summit hat ein neunköpfiges Schülerteam des Werner-Heisenberg-Gymnasiums die Projektidee GreenPay ins Leben gerufen. GreenPay ist ein „grünes“ Bonussystem, das umweltbewusstes Konsumverhalten fördern soll.

Für nachhaltige Verhaltensweisen wie den Einkauf regionaler Lebensmittel oder das Mitbringen eigener Einkaufsbeutel und Kaffeebecher erhält man sogenannte Eco-Points. Diese Punkte soll zukünftig auch sammeln können, wer z. B. den ÖPNV nutzt, Kleidung in einem Second-Hand-Laden kauft oder beschädigte Produkte in entsprechenden Geschäften reparieren lässt, anstatt sich neue zu kaufen.

Diese Eco-Points werden, ähnlich wie beim Payback-System, über eine „Green Card“ oder mithilfe der GreenPay-App an der Kasse auf das eigene GreenPay-Konto geladen. Später können die Punkte dann gegen verschiedene Prämien mit möglichst geringer Umweltbelastung, wie z. B. ein günstiges ÖPNV- Ticket, ein Gutschein für einen Buchladen oder eine Fahrradreparatur bei entsprechenden Partnern von GreenPay eingetauscht werden.

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Noch ein paar Tipps vor dem finalen Auftritt

Die soll aber nicht nur Prämien dienen. Eine klare Kennzeichnung der GreenPay-Produkte soll für mehr Transparenz auf dem Markt sorgen und Menschen bei der Auswahl umweltfreundlicher Produkte unterstützen.

Young Economic Summit Jugend und Forschung im Austausch

Mit ihrer Projektidee gewann das Team dieser innovativen Projektidee das diesjährige Bundesfinale des YES! Young Economic Summit.

Der Young Economic Summit ist ein Wettbewerb zur Entwicklung von Lösungen für aktuelle ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Probleme und Projekt des Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) und der Joachim Herz Stiftung. Dort können sich Schülerteams bewerben und aus einer Liste eins der verschiedenen Themen wählen. Dazu gibt es dann eine von Forschenden aus renommierten Wirtschaftsforschungsinstituten formulierte Forschungsfrage.

Dann beginnt die Projektarbeit, in der sich die Schüler mit Forschenden treffen, Ideen austauschen und entwickeln und Onlinekurse besuchen. Schließlich stellen die Teams ihre Ideen in einem Regionalwettbewerb vor und verteidigen ihr Projekt gegenüber Experten.

Die zwei Schülerteams mit den besten Projekten werden von den Teilnehmenden selbst gewählt und erhalten Einzug ins Bundesfinale. Dort diskutieren die Finalisten mit nationalen und internationalen Sprechern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft über ihre Lösungsvorschläge.

Den zweiten Platz im diesjährigen Bundesfinale erreichte übrigens das Team des Kasseler Engelsburg-Gymnasiums, das gemeinsam mit Experten ein Lösungskonzept zur Integration von Geflüchteten in den deutschen Arbeitsmarkt erarbeitete.

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Screenshot der offiziellen GreenPay-Website: https://green-pay.org/

Das Weinheimer Gewinnerteam hat das GreenPay-Projekt zum Thema „Klimawandel und der europäische CO2 -Markt“ entwickelt und wurde dabei von Forschenden des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung unterstützt.

Von den Kinderschuhen in die Supermärkte

Im Herbst ging GreenPay in die erste kleine Testphase und im lokalen Weinheimer Supermarkt integriert. Zunächst wurde jedes Produkt nach der Regionalität und dem Plastikanteil der Verpackung bewertet und die umweltfreundlichen Produkte markiert.

In der Testphase sei der „Absatz von umweltfreundlichen, nachhaltigen Lebensmitteln […] in dem Markt […] deutlich angestiegen“, so äußerten sich zwei der projektentwickelnden Schüler in einem Artikel der Zeit. Es muss jedoch noch ein ausgereifteres Bewertungssystem in Zusammenarbeit mit Experten entwickelt werden.

GreenPay ist mittlerweile nicht nur ein Projekt, sonder eine Non-Profit-Organisation. Das Team verfolgt das Ziel, immer mehr „Eco-Partnerschaften“ mit allen möglichen Produzenten und Verkäufern – zunächst regional, später auch überregional – zu schließen. So soll das Bonussystem Schritt für Schritt in immer mehr Geschäfte eingegliedert werden, vom kleinen Laden um die Ecke bis hin zur großen Supermarktkette.

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Sogar schon ein eigenes GreenPay-Logo auf dem Hemd

Die Idee GreenPay scheint, denke ich, in eine gute Richtung zu weisen. Ein nicht nachhaltiges Konsumverhalten inmitten von Billigfleisch und Billigflügen darf nicht die günstigere und bequemere Alternative bleiben. Es muss nicht nur unangenehmer werden, klima- und umweltschädlich zu leben. Vor allem muss es auch erschwinglicher und attraktiver werden, seinen Lebensstil umweltfreundlicher und nachhaltiger zu gestalten (und dafür braucht es wohl mehr als ein „Klima-Päckchen“ der Bundesregierung).

Und doch ist individuelles Konsumverhalten nur ein kleiner Teil des Problems. Da gibt es noch viel mehr, was sich ändern muss. Also, gehen wir es an!

Nele

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