Was kann der Boomster von Teufel?

Was kann der Boomster von Teufel?

Der Boomster von Teufel steht heute mit seinen knackigen 3,35 kg auf unserer musikalischen Testwaage des Grauens. Die Soundspezialisten aus Berlin versuchen mit ihrer tragbaren Klangbox und viel Schnickschnack, die Konkurrenz auf dem Markt der aktiven Bluetooth-Lautsprecher gehörig in den Schatten zu stellen. Ob die Gegenspieler Gottes damit die Musikwelt angemessen aufmischen oder der Boomster doch nur im Fegefeuer der technischen Unbrauchbarkeiten bis ans Ende aller Tage leidet, erfährst du jetzt!

TEILEN

Ich hab da mal eben eine Frage an dich: Was muss ein tragbarer Bluetooth-Lautsprecher deiner Meinung nach können, um dich von seinen Qualitäten zu überzeugen? Wenn wir Preis, Optik und die Akkuleistung – auf die wir natürlich auch noch zu sprechen kommen – außer Acht lassen, werden deine Antworten dabei höchstwahrscheinlich nicht merklich von meinen abweichen: Er sollte stets einen guten Sound besitzen, eine stabile Verbindung garantieren und außerdem wäre es von Vorteil, wenn sich ein tragbarer Lautsprecher auch noch *surprisesurprise* ohne Problem tragen ließe. Der Boomster von Teufel schnitt bei zwei von diesen drei grundlegenden Punkten nicht so gut ab. Dafür ragte er beim einem um so mehr heraus. Na, da wollen wir doch mal schauen, was da auf uns zukommt…

SLEAZE + Boomster
Schön mit Bums: der Boomster

Punkt 1: Wie nicht anders zu erwarten, ist der Sound des kleinen Teufels schlicht und ergreifend der Wahnsinn! Noch nie haben meine Lauscher solch himmlische (oder in dem Fall höllische?) Klänge aus einem mobilen Bluetooth-Lautsprecher vernehmen dürfen. Es ist wirklich bemerkenswert, was die Tontechniker aus der Akustikunterwelt da zusammengeschraubt haben. Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, dass meine Musikanlage zuhause – was die Qualität betrifft – nicht mit dem tragbaren Musikwunder mithalten konnte. Hierbei glänzt er wirklich auf ganzer Linie. Höhen, Mitten, Tiefen, oben, unten, drinnen, draußen… Die Töne, die der Boomster erzeugt, waren durchweg beeindruckend. Apropos Druck: Der des Subwoofers ließ sich zusätzlich in fünf Stufen regeln. Bevor sich also auch die letzte Teekanne aus dem Porzellansortiment deiner Nachbarn für den Polterabend-Freitod entschieden hat, kannst du rettende Gegenmaßnahmen einleiten. Gute Sache und klanglich also erst einmal allerfeinstes Sahne-Fischfilet.

Klang mal Entfernung gleich…?

Nun bringt einem der herausragende Klang aber natürlich nur etwas, wenn die Musik des Senders zuverlässig beim Empfänger ankommt. Und von da auch in den Gehörgängen des Endverbrauchers landet. Beim Boomster für aktuell 299 € war das nicht immer der Fall. Je nach Modell des Smartphones brachte ihn zwischenzeitlich ein Abstand von sechs Metern (Samsung Galaxy S3) zum akustischen erliegen – zumindest wenn man das genutzte Handy in der Hosentasche stecken hatte und sich dabei vom Lautsprecher wegdrehte. Ein Iphone 6 schaffte in diesem Szenario noch knapp neun Meter, das allerdings auch nur ohne sonstige Hindernisse. Sobald sich zusätzlich zwei, drei Personen in der Verbindungslinie aufhielten, machte die bis dato intakte Verbindung auch direkt wieder Feierabend. Da nützt einem die Reichweite ohne jegliche Hindernisse auch nicht wirklich, auch wenn diese beachtliche 25(!) Meter beträgt.

Solche oder ähnliche Probleme sind bei Bluetoothboxen zwar nicht unbedingt neu, wie zum Beispiel auch unserer Produkttest vor knapp einem Monat zur Get Togheter Mini gezeigt hat. Im Vergleich mit dem Boomster kostet diese allerdings auch weniger als die Hälfte. Und in dem Preissegment, in dem wir uns mit dem Gerät aus dem Hause Teufel befinden, hatte ich mehr erwartet. Aber naja, soviel zu Punkt 2.

SLEAZE + Boomster
Die Tasche solltest du dir zulegen – nicht nur aus modischen Gründen.

Punkt 3 bezieht sich auf die Tragbarkeit. Und hierbei wird’s jetzt etwas knifflig. Grundsätzlich kann man den Boomster sehr gut transportieren – wenn man die dazugehörige Teufel Boom Bag parat hat. Diese ist allerdings nicht mit im Paket des mobilen Lautsprechers enthalten, sondern muss noch zusätzlich angeschafft werden. Kostenpunkt: 50,- Euro!

Man könnte es fast schon Kalkül nennen…

Der Boomster selbst verfügt zwar über einen passenden Griff, der auch einen stabilen Eindruck macht. Versuche ich allerdings, meine Hand um diesen zu legen, komm ich wortwörtlich nicht weit. Warum?

SLEAZE + Boomster
Einen Tick mehr Spiel oben…

Der aus gebürsteten Aluminium bestehende Griff wurde scheinbar für Hände in der Größe von Siebenjährigen konzipiert. Man kann das Gerät damit tragen, allerdings ist das nach mehr als zwei Minuten ein ungewöhnliches Training selten genutzter Fingermuskelpartien.

Meine Idee wäre jetzt, man lässt sich einfach kurz vor dem Ausflug in den Park von einem guten Freund sportlich die Hand brechen um den Boomster in den Griff zu bekommen. Da diese Prozedur aber auf Dauer wohl nicht besonders empfehlenswert ist, ist es dementsprechend fast unumgänglich, zusätzlich die Boom Bag zu kaufen. Zumindest wenn das gute Stück nicht nur zuhause die Wohnzimmerkommode schmücken soll. Das ist nicht wirklich erfreulich aber naja, Ghettoblaster aus den Neunzigern wurden ja schließlich auch nicht mit den Händen getragen, sondern stilvoll auf den Schultern zur Schau gestellt.

Was hat der Bummster denn sonst noch zu bieten?

Ein integriertes FM-Radio zum Beispiel. Die Bedienung und Einstellung des Radios bzw. das Speichern von Radiosendern ist dabei kinderleicht. Auch die sehr schnelle Sendersuche und die (fast) durchweg stabile und saubere Radioverbindung sind top. Einziges Manko: Es wird dir keine Anzeige zur Verfügung gestellt, auf der du die aktuelle Frequenz erfährst. Um deinen Lieblingssender zu finden, heißt es also erst einmal: fröhliches Durchklicken. Und das natürlich durch alle Sender, die die lustige, kleine FM-Wurfantenne gerade empfängt. Wenn man seine Favoriten dann aber gefunden hat, kannst du sie auch direkt speichern, was wiederum praktisch ist. Die nervige Suche nach dem Lieblingssender muss also nur einmal überstanden werden.

Was macht die Optik?

Das kannst du auf den Bildern ja vielleicht ganz gut selbst einschätzen, ob dir das Äußere des teuflischen Ghettoblasters miss- oder gefällt. Ich bin ja eher so ein Get Together-Typ, allerdings gibt es optisch auch beim Boomster nicht wirklich etwas auszusetzen. Der teuflische Schreihals wurde in ein schwarzes ABS-Kunststoff-Kleidchen gehüllt, welches gleichzeitig als Standfuß dient. Der sorgt wiederum dafür, dass man der Membrane des Bass-Lautsprechers auf der Unterseite nicht zu nahe kommt, damit dieser ungestört seiner druckvoll Arbeit nachgehen kann. Insgesamt gut verarbeitet, stylisher Look – das Kleidchen steht ihm gut, auch wenn nirgends ein Spritzer des typischen Teufelrot zu sehen ist.

Kommen wir zur Akkuleistung, die sich wirklich sehen lassen kann. Nicht nur, dass man über USB angeschlossene Geräte wie Smartphone und Tablet laden kann, insgesamt kann man satte 16 Stunden Musik mit dem Lautsprecher hören. Der Grund für diese imposante Ausdauer: Den Boomster kannst du mit Batterien ODER Akku betreiben. Also wenn der Akku auf der nächsten Party schlappmacht, einfach (Akku-)Batterien rein und weiter geht die Sause (aber wehe, es tanzen zu viele Leute zwischen Smartphone und dem Boomster).
Schön wäre dabei noch eine Anzeige gewesen. Das Power Off/On-Feld beginnt zwar zu blinken, sobald sich der Akku dem Ende zuneigt, aber wie viel Balken oder gar Prozent der Energieriegel noch genau besitzt, lässt sich nicht herausfinden. Schade, aber das Manko wird meiner Meinung nach durch die starke Akku- bzw. Batterieleistung angemessen relativiert.

Drück mich!
SLEAZE + Boomster
A Taste of Tasten

Tasten! Tasten? Ja, Tasten! Gibt es denn irgendwelche Knöpfe, Knubbel oder Hebel am Boomster? Die Antwort lautet: nö. Der mobile Lautsprecher kommt komplett ohne dergleichen aus, was auf der einen Seite schlicht und sehr modern wirkt. Auf der anderen Seite lässt das allerdings auch ein Problem aufkommen. Man bedient den Krawallmacher nämlich nur über Touchscreen-ähnliche Druckpunkte, welche sich haptisch nicht im Geringsten bemerkbar machen. Solange das Gerät läuft, ist alles supi, da jeder „Druckpunkt“ beleuchtet wird. Knifflig wird es nur, wenn man die Box einschalten möchte und sich keine Lichtquelle in unmittelbarer Nähe befindet. Dann fängt man an auf dem gesamten Gehäuse herumzudrücken um den richtigen Punkt zu finden. Und das kann dauern. Gut, jetzt könnte man sagen, dass du als Otto-Normal-Sleazeleser deine Musikanlage zuhause vielleicht auch nicht besonders gut im Dunkeln einschalten kannst. Die Sache ist nur, dass du diese aber auch seltener mit in den Park nimmst…

Zum Abschluss gibt es noch ein sehr gelungenes Feature: Man kann über den Boomster telefonieren. Eingehende Telefonate können komplett über das Gerät durch ein integriertes Mikrofon geführt werden. Man muss noch nicht mal sein Handy herausholen, sondern kann per Knopfdruck über den Boomster das Telefonat annehmen, telefonieren und das Gespräch auch wieder beenden. Sehr praktisch und dabei wirklich gut umgesetzt.

FAZIT:
Erstklassiger Sound, ein gutes FM-Radio, ein ordentlicher, austauschbarer(!) Akku… dafür aber eine teilweise schwache Bluetooth-Verbindung, ein Tragegriff, der diesen Namen kaum verdient plus ein paar anderer Kleinigkeiten.
Unterm Strich überwiegen bei diesem Teufelchen aber dennoch die positiven Aspekte. Würde ich ihn mir also deshalb zulegen? Gemessen an der Preisklasse, in welcher wir uns hier befinden, wohl eher nicht. Dafür zickte mir die Bluetooth-Verbindung im „Alltagstest“ zu viel herum. Hast du ihn unterwegs aber sowieso immer in greifbarer Nähe und für zuhause übersteigt ein brauchbares Heimkinosystem den Zenit deines Geldbeutels, dann greif zu! Einen besseren Sound wirst du nicht finden.

Axel

*Dieser Text wurde am 05.07.2017 aktualisiert.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT