Was geht im Juli eigentlich auf Netflix?

Was geht im Juli eigentlich auf Netflix?

TEILEN

Eigentlich würden wir jetzt langsam durch unser trautes Heim flitzen und versuchen, mal wieder die verstaubte Campingausrüstung zusammen zu suchen. Eigentlich würden wir jetzt zusammen mit unseren Freunden das Auto mit Paletten voll billigem Dosenbier vollstopfen. Eigentlich würden wir jetzt langsam mit besagtem Auto durchs halbe Land gurken, um auf irgendeinem Acker zu wenig Schlaf und einen Hörschaden zu bekommen. Denn eigentlich hätten wir schon mindestens ein Monatsgehalt für Festivaltickets verballert.

SLEAZE + eigentlich Netflix-Juli 2020
Noch (N)unscheinbar: the Warrior Nun

Eigentlich, eigentlich, eigentlich. Bisher hat dieses Jahr hauptsächlich aus „Eigentlichs“ bestanden, nichts ist so gekommen wie geplant, und vor allem unser geliebter Festivalsommer, dem wir – eigentlich – jedes Jahr voller Inbrunst entgegenhimmeln, ist draufgegangen. Doof, aber wenn das mit der Apokalypse jetzt so weitergeht, dann wird das Leben spätestens nächstes Jahr eh wie das „Wasteland“ auf dem Wacken.

Und was machen wir jetzt statt auf Festivals gehen? Genau dasselbe wie die letzten Monate: Die Glotze einschalten und Netflix gucken (was auch sonst bei herrlichen Sommertemperaturen?). Und damit du das auch weiterhin effektiv machen kannst, haben wir dir hier die Highlights zusammengestellt.

Neue Serien auf Netflix im Juli

Warrior Nun, Staffel 1 (2. Juli)

Eine Serie, die hier eigentlich nur wegen ihres Titels aufgeführt wird. Denn sind wir mal ehrlich: Wer hat nicht direkt Bock, eine Serie namens Warrior Nun zu sehen? Ist vermutlich nicht gerade das Gelbe vom Ei, aber für einen gemütlichen Abend in der Bude mit Snacks und Bierchen ist es vermutlich genau das Richtige.

Es geht wohl irgendwie um ein 19-Jähriges Mädchen (das ist dieses magische Hollywood-Alter, für welches man Schauspielerinnen Ende 20 casten kann, um noch einen Teeny zu spielen), welches – aufgrund irgendeines mysteriösen Artefakts in ihrem Rücken – nach ihrem Tod auf einmal in einem Leichenschauhaus aufwacht und putzmunter ist. Wie das in solchen Situationen ebenso ist, ist sie nun aber Teil eines alten religiösen Ordens, der auf der Welt gegen Dämonen kämpft. Und zwar mit coolem Martial Arts und ordentlich Geballer. Wahnsinn.

Warrior Nun ist klassisches Guilty-Pleasure Material, man sollte den Mumpitz definitiv nicht für voll nehmen. Wenn man das zu keinem Moment tut und die Stimmung richtig ist, kann man mit der Comic-Verseriung (Verfilmung trifft es ja nicht ganz) aber bestimmt eine gute Zeit haben.

Stateless, Staffel 1 (8. Juli)

Wem um sich kloppende Kampf-Nonnen zu substanzlos sind, dem sei zu der neuen australischen Miniserie Stateless empfohlen. Die sechs Episoden umfassende Handlung basiert nämlich teilweise auf dem realen Fall der Deutsch-Australierin Cornelia Rau, die Anfang der 2000er fälschlicherweise als illegaler Einwanderer fast ein Jahr in einem australischen Gefängnis verbracht hat, ohne dass es jemanden wirklich aufgefallen ist.

Die Geschichte wird natürlich etwas abgewandelt, und Cornelia (heißt hier Sofie und wird von der fantastischen Yvonne Strahovski porträtiert) hat außer ihrer mentalen Gesundheit auch noch mit der Flucht vor einem zwielichtigen Kult zu kämpfen. Außerdem Teil des Ganzen sind ein afghanischer Flüchtling, dem die Abschiebung droht, ein Familienvater in der Midlife Crisis und ein in einen nationalen Skandal verwickelter Bürokrat. Die verschiedenen Schicksale verweben sich miteinander und es entsteht ein Netz aus Entscheidungen, Emotionen und Schicksalsschlägen für sämtliche Beteiligten.

SLEAZE + eigentlich Netflix-Juli 2020
Großes Kino: Yvonne Strahovski

Stateless lief bereits recht erfolgreich Anfang des Jahres im australischen Fernsehen, weshalb sich Netlix gleich fix die internationalen Rechte gesichert hat. Außerdem wurde sie von Cate Blanchet entwickelt, und wegen ihr hat es Frodo immerhin auf den Schicksalsberg geschafft, daher sollte man ihr auch hier getrost vertrauen können.

How to Sell Drugs Online (Fast), Staffel 2 (21. Juli)

Deutschlands dritte eigene Netflix-Serie geht in die zweite Runde! Produziert wurde die kommende Staffel erneut vom Team der bildundtonfabrik, die sich unter anderem auch für das Neo Magazin Royale verantwortlich zeigt. Das sagt schon mal einiges über den Witz und das Tempo der Serie aus.

In der ersten Staffel konnte Moritz (Maximilian Mundt) zusammen mit seinen Freunden, zwar mit den altbekannten Problemen der naiven Kriminalität, recht erfolgreich einen Drogenversand via Darknet aufbauen. Aber können sie auch weiterhin unentdeckt und vor allem sicher sein? Letzteres wird nach dem Tod von Buba (Bjarne Mädel) immer unwahrscheinlicher, denn seine Geschäftspartner würden auch noch ganz gerne ein Wörtchen mitreden. Und außerdem lächelt sich Lenny (Danilo Kamperidis) auch noch ein Mädchen an, was für zusätzliche Komplikationen sorgt…

Norseman, Staffel 3 (22. Juli)

Das wird das Comedy-Serienhighlight des Sommers: die neue Staffel der Wikinger-Parodie Norseman! Was erst mal klingt wie ein Spin-Off zum Historienhit Vikings, ist nämlich das totale Gegenteil. Statt spektakuläre Schlachten gegen die Briten gibt es in der norwegischen Serie Anspielungen auf Probleme der heutigen Zeit kombiniert mit einer Überspitzung von denen, die ein Wikinger Dorf im achten Jahrhundert wirklich gehabt hat.

Das Ganze wirkt in etwa wie eine zeitgemäße Version von Monthy Pythons Ritter der Kokusnuß, gemischt mit einer amerikanischen Sitcom und einer guten Prise Skandinavien-Charme. Denn statt die Serie nachträglich zu synchronisieren, wurde direkt bilingual produziert, weshalb alle Darsteller einen absolut liebenswürdigen Akzent haben, der sich super ins Setting einfügt. Absoluter Geheimtipp!

Neue Filme auf Netflix im Juli

Horns (1. Juli)

Dem Mittzwanziger Ignatius „Ig“ Perrish, hervorragend gespielt von Ex-Harry Potter Daniel Radcliff, wird vorgeworfen, seine Freundin vergewaltigt und ermordet zu haben. Er selbst bestreitet dies aber vehement, was allerdings auf wenig Glauben in seiner Gemeinde stößt. So weit, so gut.

Allerdings wacht er eines Morgens mit Teufelshörnern auf der Stirn auf, was einen nicht ganz unerheblichen Einfluss auf sein Umfeld hat. Denn auf einmal offenbaren ihm die Menschen um ihn herum all ihre dunkelsten Geheimnisse, ihren Hass und ihre Sünden. Natürlich lässt sich Ig nicht lange von seinem neuen Kopfschmuck verwirren und nutzt seine neue Gabe dazu, um den wahren Mörder seiner Freundin zu finden. Das einzige Problem: Es gibt verdammt viele Verdächtige.

Bei den Kritikern und dem Publikum war der wilde Genremix bei seinem Erscheinen im Jahr 2013 eher mäßig erfolgreich. Eigentlich gar nicht wirklich nachvollziehbar, denn gewöhnt man sich erst einmal an die krude Story des Films, ist er wirklich gut. Man verliert sich schnell in der Atmosphäre der Kleinstadt mit all ihren Abartigkeiten und stillen Geheimnissen. Vielleicht nicht unbedingt Oscarreif, aber absolut sehenswert. Der Film basiert übrigens auf dem zweiten Roman von Stephen Kings Sohn Joe, deren Verwandtschaft sich schlecht bestreiten lässt.

The Old Guard (10. Juli)

Auch eine neue Netflix-Eigenproduktion darf auf der Liste natürlich nicht fehlen. Von denen gibt es im Juli aber gar nicht so viele, aber dafür eben den Actionkracher The Old Guard, welcher auf der gleichnamigen Graphic Novel von Greg Rucka aufbaut.

Die Handlung erinnert einen irgendwie an Warrior Nun Es geht um eine Truppe unsterblicher Geheim-Söldner (angeführt von unserer Lieblings-Femme-Fatale Charlize Theron), die sich seit Jahrhunderten von einem exotischen Ort zum nächsten kämpfen, um die Welt der Sterblichen zu beschützen. Wahnsinnig nobel und unrealistisch, aber na gut. Allerdings geht bei einer ihrer Missionen etwas schief, und ihr lange gehütetes Geheimnis kommt ans Licht. Nun müssen sie selbstverständlich alles daransetzen, dass ebendieses nicht für die falschen Zwecke missbraucht wird.

Hier gilt wieder mal das Prinzip „Hirn-aus-und-genießen“, denn es wird mal wieder geschossen und geschlagen was das Zeug hält. Immerhin auf einem anständigen Produktionslevel, also aussehen tut das Ganze fantastisch. Nichtsdestotrotz wird man sich das ein oder andere mal am Kopf kratzen müssen und sich fragen, warum man sich das grade ansieht.

The Happy Prince

Leider geht dieses Biopic nicht um die Purple Rain-Phase von Gitarrenlegende Prince (die kommt erst nächstes Jahr raus), sondern um die letzten Tage von Oscar Wilde. Zudem handelt es sich auch um das Regiedebüt von Rupert Everett, der normalerweise eher vor der Kamera steht als hinter ihr.

Wie gesagt, der Film beleuchtet die kurzen letzten Jahre des legendären Schriftstellers, die er noch nach seinem Gefängnisaufenthalt aufgrund von „Unzucht“ (Homosexualität war bei den elenden konservativen Idioten des 19. Jahrhunderts ein schweres Vergehen) hatte. Einsam und verarmt zog er über das europäische Festland. Ein gebrochener Mann, aber immer noch voller Witz, Ironie und Geist.

SLEAZE + eigentlich Netflix-Juli 2020
Stylo: Der Norseman

Rupert spielt auch gleich noch den im Mittelpunkt stehenden, gealterten Dandy und Colin Firth, der ja ohnehin quasi in historischer Verkleidung lebt, seinen Weggefährten Reggie Turner. Es ist ein sanfter Film, der ein wenig vor sich hinplätschert und die Luft schnuppern lässt, die den Literaten zur Jahrhundertwende umgab. Weniger ein Biopic im herkömmlichen Sinne, mehr eine Momentaufnahme einer Zeit, die uns heute so fremd vorkommt. Ähnlich wie Julian Schnabels Van Gogh.

Simon

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT