Was Alles Geld der Welt so mit einem machen kann

Was Alles Geld der Welt so mit einem machen kann

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SLEAZE + Alles Geld der Welt

SLEAZE + Alles Geld der Welt
So leicht gibt eine Mutter nicht auf!

Wann immer sich ein Mensch gegenüber einem anderen erhebt, findet das Böse seinen Weg in die Welt. In seinem neusten Film, dem Entführungs-Drama Alles Geld der Welt, erzählt der britische Filmemacher Ridley Scott von einer solchen Person: dem Öl-Magnaten Jean Paul Getty (Christopher Plummer), dessen Enkel (Charlie Plummer) 1973 in Rom entführt wurde. Infolgedessen ist es vor allem die Mutter des Jungen, Gail Harris (Michelle Williams), die mit Hilfe des von Jean Paul Getty beschäftigten Öl-Händlers und einstigen CIA-Mitarbeiters Fletcher Chase (Mark Wahlberg) versucht, den Entführern auf die Schliche zu kommen.

Der Herrscher, das Scheusal

Denn von Jean Paul selbst, einem der damals reichsten Menschen der Welt, bleibt die Hilfe überwiegend aus. Nicht nur lehnt er die Zahlung der geforderten Lösegeldsumme von 17 Millionen US-Dollar ab. Überdies verweigert er der sorgenden Mutter Gail zuweilen die Kontaktaufnahme oder demütigt sie in der Öffentlichkeit, indem er behauptet, sie besitze selbst genügend Geld.

SLEAZE + Alles Geld der Welt
„Falls man es nicht erkennt: Ich bin reich!“ (…an Geld)

Scott Ridley erzählt in den stärksten Momenten von Alles Geld der Welt von einem schnippischen, auf Profit gierenden Scheusal, der seine Nachkommen, darunter den später Entführten, schon früh von der geradezu naturgegebenen Überlegenheit der Familie Getty überzeugen will. Es sind jene Momente, in denen der Regisseur seinen Eindrücken eine allumfassende Zeitlosigkeit verleiht. Wenn Jean Paul in einem Rückblick etwa mit seinem Enkel durch die Ruinen einer antiken Stätte wandelt, während Schneeflocken langsam dem Boden entgegenschweben, wirkt es, als wandelten Herrscher und Nachfolger in einer von Zeit und Raum befreiten Traumwelt. Es sind gleichsam Ausdrücke eines perversen Größenwahns, das einem despotischen Herrschaftsgedanken nicht fern ist.

Konzentration, bitte

Überwiegend konzentriert sich Ridley vor allem aber auf die Ereignisse um Gail und Fletchers Suche nach dem gekidnappten Jungen, die zuweilen von Rückblenden um das Familienleben um Gail und die Gettys unterbrochen werden. Der Brite umschifft hierbei unnötig hinzugedichtete Nebenschauplätze und fokussiert sich klaren, nach vorn gerichteten Blickes auf die ängstliche, aber willensstarke Mutter samt Helfer Fletcher, den in der italienischen Abgeschiedenheit festgehaltenen Jungen und Getty-Oberhaupt Jean Paul.

Zwar verliert sich seine Erzählung irgendwann in einer einsetzenden Überraschungslosigkeit, im Zuge dessen sie zeitweise auf der Stelle tritt. Trotzdem: Sein unaufgeregt dramatischer, aufs Wesentliche konzentrierter Thriller-Ansatz wirken in dieser Konzentration geradezu frisch, da ungemein desinteressiert an klassischen Erzählmustern, zumal uns Ridley Charaktere zeigt, die erst gar keine wesentlichen Entwicklungen nach vorgetäuschten Höhepunkten durchmachen, sondern ihr Wesen in einer Extremsituation auf die Probe stellt.

SLEAZE + Alles Geld der Welt
Wie groß der Andrang wohl wäre, gehörte sie nicht einer reichen Familie an?

Scheusal bleibt in aller Konsequenz somit Scheusal. Ungeachtet der nur im Bereich der Spekulation liegenden Nähe zu seinem realen Vorbild ist zumindest diese Filmversion Jean Paul ein die Welt aus den Fugen bringender, rücksichtsloser Geschäftsmann, der sein Umfeld mit seiner Menschenferne vergiftet.

Alles Geld der Welt macht noch keine guten Herzen, die hier vor allem in der unermüdlichen Brust einer der Öffentlichkeit weitestgehend unbekannten Mutter und ihrem Helfer schlagen. Und das selbst die Geiselhaft des entführten Teenagers durch einen stillen Freund zu einer etwas lichteren Tortur macht.

Alex

Titel: Alles Geld der Welt
Kinostart: 15.02.2018
Dauer: 132 Minuten
Genre: Drama, Thriller, Krimi
Produktionsland: USA
Filmverleih: Tobis

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