Warum ich keinen Organspendeausweis möchte!

Warum ich keinen Organspendeausweis möchte!

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Jaja, die Überschrift klingt aufmerksamkeitshaschend und provokant usw. Ist sie ja auch. Aber es geht mir nicht um Trommel, Trommel, sondern um eine bewusste Entscheidung.

Jahrelang wurde mir immer wieder wie damals im Geschichtsunterricht ein schlechtes Gewissen eingeflößt. Diesmal nicht in Form von diesen blöden Nazis, sondern weil ich egoistisch handle, wenn ich nicht Körperteile von mir spende. Blut, Knochenmark, am besten alle Organe, wenn ich irgendwo verende.

SLEAZE + Organspendeausweis
Menschen retten an jeder Ecke.

Ich verstehe die Logik dahinter. Und ich finde Recycling sehr gut. Nur ist das meiner Meinung nach einfach sehr kurz gedacht. Und da ich es ähnlich wie Kai Schächtele sehe, dass sich Journalismus wandeln und ehrlicher machen muss, habe ich jetzt einfach mal meine Klappe aufgemacht. Mir ist dabei schon klar, dass SLEAZE jetzt nicht das größte Ethik-Epi(k)zentrum ist. Aber mir war danach. Warum also nicht?

(Zu) Kurz gedacht

Zunächst einmal, weil bei so einem Thema immer leicht die Gemüter hochkochen: Natürlich ist es eine gute Sache, anderen zu helfen. Ob mit ehrenamtlicher Tätigkeit oder mit nicht mehr gebrauchten Körperteilen – helfen ist richtig. Grundsätzlich.

Denn die Welt ist komplexer geworden. Nicht an Tierquälerei mit Schuld sein wollen und deshalb vegetarisch / vegan essen, aber dafür mehr Waldrodung durch Soja-Anbau in Kauf nehmen, ist zum Beispiel eins dieser Probleme. Oder ganz aktuell: Über die Hitzedürre stöhnen, aber leidenschaftlich Klimaanlagen anschmeißen, aus Einwegplastik Getränke zu sich nehmen usw.

Von diesen Beispielen gibt es unzählige, und jeder handelt widersprüchlich. Auch ich. Ich habe einige Sachen gefunden, die nicht in Ordnung sind. Und auch einige, wo ich nicht denke, dass sie in Ordnung sind, es aber nicht genau weiß. Aber was ich genau weiß, ist, dass der Mensch das Grundproblem unserer Probleme ist. Und auch erst, seitdem er die „industrielle Revolution“ begann.

In diesen letzen 150 Jahren hat er die Erde so auf den Kopf gestellt, dass sie es zwar überleben wird, aber dafür viele andere Bewohner dieses Planeten nicht. Wir haben unser Haus, in dem wir seit Jahrtausenden leben, in dieser kurzen Zeitspanne gehörig zerstört. Und wir arbeiten weiter fleißig daran, obwohl wir das wissen.

Unserer Anführer / Politiker kriegen sich wegen lächerlicher 2% beim Klimaabkommen jahrelang in die Haare. Lächerlich. Wir brauchen drastische Maßnahmen, um etwas zu ändern. Das Verbot von FCKW (diese Chemikalien zerstören die Ozon-Schutzschicht des Planeten) zum Beispiel war so etwas. Wer natürlich den Menschen kennt, wird wissen, dass er sehr dumm ist und selten aus seinen Fehlern lernt. So soll es inzwischen wieder große FCKW-Ausstöße geben.

Es reicht!

Denkt man das Ganze zu Ende, gibt es zu viele Menschen. Menschen wollen gut leben. Gut leben heißt global inzwischen – zum Teil wenigstens – nach westlichem Standard. Da geht es natürlich nicht um gute Luft, sondern um Konsumprodukte wie Auto, Reisen, Flatscreen-TV und natürlich jedes Jahr ein neues Smartphone. Das ist durchaus verständlich. Wenn das für den Luxus unserer Welt gehalten wird, streben die meisten danach, auch in den armen Ländern. Wer wollte ihnen das verübeln?

Würden aber alle Asiaten (über die Hälfte der Erdbevölkerung sind Asiaten) den gleichen Standard haben wie Kanada, die USA oder Westeuropa – wo wäre die Erde heute? Daraus ergibt sich eine logische Regulierung. Eine Art der Regulierung ist ein Sozialdarwinismus. Nicht jedes Land darf (zu) groß und erfolgreich werden. Ob das ernsthaft gesteuert ist von den Weltmächten oder einfach unterbewusst mitläuft – keine Ahnung. Das klingt zu sehr nach Verschwörungstheorie.

Kleines Beispiel: Möchte man ernsthaft den Hunger ausrotten, wäre das innerhalb von Sekunden zu schaffen. Die reichen Länder könnten das ganz nebenbei ermöglichen – würden sie sich einig. Aber den reichen Ländern ist ihr eigenen Reichtum wichtiger – und dass er erhalten bleibt. Das geht aber nur auf Kosten von armen Ländern. Ob Produktionsstätten in Asien, Afrika oder Südamerika – ohne sie wären unsere Produkte oftmals viel teurer und die Firmen würden weniger Geld verdienen.

Was hat das mit dem Organspendeausweis zu tun?

Die Menschen sorgen dafür, dass wir immer mehr werden. Bessere medizinische Versorgung, weniger körperliche Arbeit usw. Selbst so krasse Sachen wie Stress, Zucker, Überfettung, weniger körperlicher Bewegung, Alkohol und Zigaretten konnten nichts daran ändern, dass wir immer mehr werden.

SLEAZE + Organspendeausweis
Was ist mit den anderen Tieren?

Mehr Menschen bedeuten eine zusätzliche Belastung für die Erde und die anderen Lebewesen. Nehmen wir also an, die Erde verkraftet nur eine Milliarde Menschen gleichzeitig und der Mensch kann nicht darauf hoffen, dass „die Natur“ selbst reguliert und eine neue Pest schickt und das korrigiert. Denn leider ist der Mensch inzwischen so gut in der Selbsterhaltung, dass er jegliche „Korrektur“ wie AIDS, Ebola, Vogelgrippe, BSE, SARS, Zika usw. wortwörtlich im Keim erstickt.

Wenn das also die Natur nicht mehr leisten kann, gibt es nur noch einen „Gott“: den Menschen. In der Folge würde das bedeuten, dass der Mensch darüber entscheiden muss, wer weiterlebt und wer nicht. Neben dem Idioten Hitler, der das wohl am Perversesten tatsächlich umgesetzt hat, gibt es heute genug Hollywood-Filme, die mit diesem Thema spielen.

Warum also die „kleinen“ Korrekturen, die es zurzeit noch gibt, beseitigen? Ich weiß, das klingt zynisch. Aber eigentlich ist das Zynische, dass wir den natürlich Lauf der Dinge so korrigieren, dass kaum noch einer seines ersten „natürlichen“ Todes stirbt. Oder wird es irgendwann ein Gesetz geben, dass man ab 100 keine medizinische Versorgung mehr bekommt, damit man endlich eines normalen Todes stirbt?

Ja, das klingt alles fies, wenn man mal drüber nachdenkt. Darum bin ich gegen einen Organspendeausweis. Und weil ich weiß, dass bei vielen automatisch und berechtigt das „Was wäre, wenn jemand aus deiner Familie einen Spender bräuchte?“-Argument kommt. Der springende Punkt auch hier ist: Egoismus.

Es darf bei einer grundsätzlichen Entscheidung ja gerade NICHT um eine persönliche Verwicklung gehen. Natürlich möchte ich, dass meine Familie und Liebsten mit mir für immer gesund im Lala-Land leben. Aber es geht ja nicht nur um eine Familie, sondern um eine Sache, die riesige Auswirkungen hat.

Ich bin sogar dafür, dass jeder seine Liebsten mit seinen Körperteilen unterstützt, wenn es möglich ist. Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist da ein sehr gutes Vorbild mit der Nierenspende an seine Frau. So sollte das gefälligst sein in einer guten Familie. Ich könnte mir das persönlich auch bei engen Freunden vorstellen.

ABER!

Genau, kommen wir zum springenden Punkt: Aber. Schaut man sich das große Ganze an, sehen wir, dass es einerseits sehr viel Großzügigkeit und Hilfe gibt, auf der anderen Seite ganz viel Egoismus und Kleingeistigkeit. Der Mensch trägt beides reichhaltig in sich.

Kurz und einfach gesagt heißt das, dass wir mit unserem Organspendeausweis für weitere Ungerechtigkeit sorgen. Die reiche Minderheit gönnt sich den Luxus auf Kosten der großen Minderheit. Unsere die Erde zerstörende Gesellschaft lebt immer länger, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wo das hinführen soll.

Diesen Luxus gönnen sich die Menschen auch durch eine fehlende Geburteneindämmung, aber das nur am Rande. Spinnt man das mal zu Ende, werden irgendwann die Menschen immer älter. Die reichen Gesellschaften bekommen zwar im Durchschnitt weniger Kinder, dafür zerstören sie aber die Erde mehr als die armen Gesellschaften mit den vielen Kindern – die aber alle danach streben, in den Luxus der reichen Gesellschaften zu kommen.

Gönnt man alle den Luxus, so lange zu leben wie die reichen westlichen Gesellschaften, können wir mit bloßem Auge zuschauen, wie die Polkappen schmilzen. Das ist so eine Organspende nicht wert.

danilo

 

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