Waldgeflüster-DVD-Release von Into The Forest

Waldgeflüster-DVD-Release von Into The Forest

TEILEN

Kanadische Filme. Da fällt einem im Grunde nicht viel zu ein. Liegt es etwa daran, dass aus dem Land des Ahorns einfach keine wirklich guten Filme kommen? Oder vielleicht doch, aber sie schaffen es einfach nicht in das allgemeine Bewusstsein des Kinogängers? Tja, wahrscheinlich eher Letzteres, denn über die letzten Jahrzehnte gab es durchaus ein paar Filme, die dem ein oder anderen im Gedächtnis geblieben sein könnten. Zum Beispiel die von Experimental-Horror-Aficionado  , der mit Die Fliege oder Scanners zwar ein größeres Publikum fand, aber halt auch nicht grade den Mainstream getroffen hat. Oder American Psycho von Mary Harron, der ja auch schon fast Kultstatus erreicht hat.

Nun, leider handelt es sich bei dem Endzeit-Filmchen Into The Forest wohl eher nicht um den Film, der Kanada auf den Kino-Olymp heben wird. Die Geschichte des Films, der eine Verfilmung eines kanadischen Jugendbuchs ist, lässt sich schnell erzählen: Ein plötzlicher, andauernder Stromausfall hebt die Welt aus den Angeln und zwei Schwestern müssen nach dem Unfalltod ihres Vaters in ihrem mitten im Wald gelegenen Haus ums Überleben kämpfen. Und mit ihren Gefühlen. Die beiden Schwestern Nell und Eva werden von Publikumsliebling Ellen Page, die schon oft im Indie-Kino brillierte, und der weniger bekannten Evan Rachel Wood dargestellt.

Wer sich hier allerdings düstere, apokalyptische Atmosphäre à la The Road oder 12 Monkeys erhofft, wird schwer enttäuscht sein. Der Film von Patricia Rozema nutzt das dystopische Setting eigentlich nur, um die Beziehung zwischen den beiden jungen Frauen zu erzählen. Der ganze Weltuntergang ist eher Nebensache und wird kaum behandelt. Es handelt sich hier wirklich um einen ungewöhnlichen Endzeitfilm, denn im Grunde ist es eher ein Coming of Age-Film. Dazu wird die vor die Hunde gehende Welt weit weniger bedrohlich dargestellt als bei seinen Genre-Verwandten. Nein, sie wird sogar romantisiert. Durch den plötzlichen Ausfall jeglicher Technologie sind die beiden Mädels wieder auf die Natur angewiesen. Dieser Back-to the-roots-Mythos wird dann auch noch mit jeder Menge Lagerfeuer-Romantik und Kitsch unterstrichen. Aber man muss schon sagen: Die Bilder des Films, vor allem die Naturaufnahmen, sind wunderschön und meist perfekt choreografiert. Auch Schauspielerin Rachel Wood hat ihren Job gut gemacht.

Auf der anderen Seite ist der Film aber auch wenig glaubwürdig. Vor allem eben die beiden Hauptcharaktere und die Geschichte. Zusätzlich hat man es bei dem Film bei der Dramaturgie leider total übertrieben: Ewige Zeitlupen-Sequenzen der jungen Frauen, die ein ursprüngliches Leben führen und sich von einem Schicksalsschlag zum nächsten kämpfen, das Ganze noch untermalt mit bedeutungsschwangerer Klaviermusik… Das schlägt einem schon aufs Gemüt.

Also das Meisterwerk, das dem kanadischen Kino endlich seinen Ruhm einbringt ist Into the Forest sicherlich nicht, aber wer über die überzeichnete Gefühlsduselei hinwegsehen kann und auch keine raffinierte Story braucht, der bekommt einen Film mit beeindruckenden Aufnahmen der kanadischen Wälder und recht guten, jungen Darstellerinnen.

Veröffentlichung: 17.02.2017
Laufzeit: 97 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch, Englisch
Regie: Patrizia Rozema
Hauptdarsteller: Ellen Page und Evan Rachel Wood
Verleih: Capelight

Simon

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen