Vom Ende der Klimakrise: Das Phänomen verstehen, von dem alle sprechen

Vom Ende der Klimakrise: Das Phänomen verstehen, von dem alle sprechen

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SLEAZE + Vom Ende der Klimakrise

„Die Klimakrise passiert jeden Tag, auf der ganzen Welt. Sie ist eine permanente Bedrohung.“

SLEAZE + Klimastreik
So wie bisher kann es nicht weitergehen – denken viele und gehen auf die Straße.

Wenn du diese Worte liest, bist du dann beunruhigt? Malst du dir aus, wie katastrophal die Welt in 50 Jahren aussehen könnte? Überlegst du, wie zukünftige Generationen leben werden? Spürst du den Drang, alles stehen und liegen zu lassen, auf die Straße zu gehen und laut zu werden, um etwas zu bewegen?

Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich ist das Problem einfach zu abstrakt, nicht greifbar genug und deine Vorstellungskraft zu gering.

Gut, vielleicht wirst du langsam doch etwas nachdenklich-nervös, aber morgen steckst du bestimmt wieder voll und ganz in deinem Alltag, in deiner Komfortzone.

Okay, vielleicht fährst du öfter mal Fahrrad, meidest Plastiktüten, Fleischkonsum und Flugreisen. Und das fühlt sich gut so an. Aber denkst du darüber hinaus?

Die Vollzeit-Klimaaktivistin

Es gibt Menschen, die das tun, die die Klimakrise als Teil ihres Lebens begreifen, sie „in jedem Aspekt des gesellschaftlichen Alltags“ sehen. So jemand ist Luisa Neubauer.

Luisa ist eine der Hauptorganisatoren der Fridays-For-Future-Bewegung. Die 23-Jährige Geografiestudentin bezeichnet sich selbst als Vollzeit-Aktivistin und setzt sich bei verschiedenen NGOs u. a. für Klimaschutz und gegen Armut ein.

Der „Politökonom“

Im vergangenen Monat erschien das Buch Vom Ende der Klimakrise, das Luisa zusammen mit Co-Autor Alexander Repenning geschrieben hat.

Alex, geboren 1989, setzt sich in seiner Forschung und Arbeit mit sozialem Wandel und mit den gesellschaftlichen und ökonomischen Aspekten der Klimakrise auseinander. Er unterstützt die Fridays-For-Future-Bewegung seit ihren Anfängen.

SLEAZE + Vom Ende der Klimakrise
Die umtriebigen Aktivisten – und nun auch Buchautoren

Das Buch

Das Zitat, mit dem du oben konfrontiert wurdest, stammt aus dem gemeinsamen Buch von Luisa und Alex.

Nein, das Buch ist kein Ratgeber, in dem du lesen kannst, wie du dein individuelles Leben möglichst klimafreundlich gestaltest. Es ist weder ein ultimativer Masterplan, der die Menschheit garantiert aus der Krise führt, noch ein utopischer Roman.

Vielleicht ist es auch nicht unbedingt das, was der Untertitel beschreibt – Eine Geschichte unserer Zukunft. Das Buch ist vielleicht eher ein Weckruf, ein Appell.

Das Ende der Klimakrise will die Haltung und den Einsatz vermitteln, mit denen dieser Krise begegnet werden soll. Und das ist „nur ein erster Schritt“.

In ihrem Buch sprechen Alex und Luisa nicht direkt für Fridays For Future und auch nicht für eine gesamte Generation. Sie sprechen für sich selbst und stellen ihre eigenen Standpunkte dar.

Mehrdimensional und anschaulich

Luisa und Alex beleuchten die Klimakrise in ihren verschiedenen Dimensionen, von individuellem Konsumverhalten über fossilen Kapitalismus und Ungerechtigkeiten bis hin zur falschen bzw. richtigen Sprache und Kommunikation über die Krise. Sie erzählen von Selbstdeprivilegierung, Mobilisierung und der „Magie der Organisation“.

Und das machen sie sehr anschaulich. Die beiden zitieren nicht nur Klima- und Umweltwissenschaftler und Politiker. Sie berufen sich auch auf Analysen und Positionen von Wirtschaftswissenschaftlern, Politikwissenschaftlern, Ökonomen und Zukunftsforschern. Sie verweisen auf das Grundgesetz, betrachten Philosophien und Parabeln und blicken zurück in die Geschichte.

All das ist eingehüllt in ein Wechselspiel zwischen zwei – sozusagen – literarischen Welten. Der größte Teil des Buches ist sachbuchartiger Text, der manchmal fast schon wie eine Rede wirkt.

Dabei erscheint die Sprache des Buches gelegentlich etwas überschwänglich, aber wirklich kritisieren kann ich das nicht, denn das gehört eben dazu, wenn sich was regen soll in den (oft so apathischen) Köpfen der Menschen.

Lesen oder nicht lesen?

Zwischendurch gibt es immer wieder romanartige Erzählungen. In diesen Erzählungen blicken Alex und Luisa auf individuelle, einschlagende Erlebnisse ihres Aktivistendaseins zurück. Der Fokus liegt hier aber deutlich mehr auf Luisa. Sie erzählt von Treffen mit Obama, Merkel und Lindner, erinnert sich an ihre ersten Demos und berichtet von Podiumsdiskussionen und Begegnungen mit Greta Thunberg.

Anders als gewohnt, hat das Buch sehr viele kleine Kapitel, mosaikähnlich hängt sich Abschnitt an Abschnitt. Ab und zu wirkt das etwas durcheinander, insgesamt ist es aber doch eine runde Sache.

SLEAZE + Vom Ende der KlimakriseLies dieses Buch nicht, wenn du auf der Suche nach einer schönen, entspannenden Lektüre für einen gemütlichen Nachmittag bist. Ansonsten: Lies es. Vielleicht wirst du dann anders denken, wenn du das Zitat, mit dem ich begonnen habe, noch einmal liest.

Nele

P.S. Am 29. November ist wieder großer Klimastreik. Nach den bisherigen politischen Ankündigungen vielleicht noch schnell vorher das Buch lesen und politisch aktiv werden.

Was: Vom Ende der Klimakrise
Wer: Luisa Neubauer und Alexander Repenning
Wo: Tropen Verlag
Wann: bereits erschienen
Wie viel: 18,00 EUR (D), 18,50 EUR (A)
Weiteres: 1. Aufl. 2019, 304 Seiten, Klappenbroschur, ISBN: 978-3-608-50455-2

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