Viva la Diva

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SLEAZE.diva-miss-platnumLetzten Freitag drückte Miss Platnum auf Upload und ließ ihr neues Album „Ich war hier“ in die Welt. SLEAZE hatte sich kurz vorher in gemütlicher Mädelsrunde mit ihr zusammen gesetzt und über ihre anscheinende Leidenschaft für Hunde gequatscht und gelernt, dass jede Frau einen gewissen Diva-Faktor in sich haben sollte. Nach dem Interview haben wir uns in der Redaktion gegenseitig zur Königin gekrönt und gehen fortan erhobenen Hauptes durch Berlin. Danke, Miss Platnum.

Wie ging es mit dir und der Musik los?
Ich habe mit Klavier angefangen und danach Gesangsunterricht in der Musikschule genommen. Auch meine Schule war sehr musikbezogen. Hier habe ich neben Musik im Leistungskurs auch viel in Musicals mitgespielt und bemerkt: „Mhh, das finde ich schon sehr geil.“ Aber ich habe mich nicht wirklich getraut zu sagen: „Das will ich machen.“
Der Wendepunkt war ein Konzert von Jocelyn B. Smith, einer Jazz-Sängerin aus New York, die in Berlin Workshops anbietet. Ich habe einen bei ihr besucht und sie hat so stark auf mich eingeredet und mein Talent erkannt, dass ich letztendlich den Schritt gewagt habe.

Hast du zurückblickend schon mal bereut auf Deutsch zu singen? Gerade im Hinblick auf ein internationales Publikum, das du so vielleicht ausschließt?
Nein, gar nicht. Für mich als Künstlerin ist es sehr wichtig, wie ich mein derzeitiges Gefühl am besten ausdrücken kann. Und dabei ist die Sicht auf eventuelle Länder, in denen ich mein Album veröffentlichen kann, überhaupt nicht wichtig. Ich singe seit Beginn meiner Karriere auf Deutsch, allerding nur in Kooperation und habe trotzdem immer gesagt, dass ich nie ein eigenes Album auf Deutsch machen werde. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich einfach Lust hatte, ein Album in der Sprache zu machen, in der ich denke, träume, ja meinen Alltag verbringe.

Wo lag für dich deine Hauptinspiration für dein neues Album?
Ganz ehrlich, meine Hauptinspiration war die Energie, die ich durch das neue Feld bekommen habe, dass ich mir selbst mit „Glück und Benzin“ geöffnet habe. Das alles hat mich so inspiriert, dass ich gar nicht lange warten wollte und auch das Gefühl hatte, ich muss gleich noch einen nachlegen. Am liebsten hätte ich eine EP veröffentlicht, damit alles noch viel schneller geht. Leider hat es zeitlich nicht gepasst und außerdem war die EP bereits so geil, dass ich dachte, es muss ein Album sein.
Der Gedanke, ein Album schnell zu machen und vor allem zeitnah zu veröffentlichen, gefällt mir aktuell sehr. Sobald ein Song fertig ist, will man auch, dass er rauskommt. Man will nicht ein halbes Jahr, drei Monate oder wie lange auch immer warten. Man will auf Upload drücken und das Ding in die Welt setzen. Während der Entstehung des Albums herrscht eine bestimmt Energie und Spannung. Diese kann ein halbes Jahr später schon ganz anders sein. Mir geht es darum, genau diese Energie zu transportieren.

Ich zitiere dich mal kurz: „Ich bin auf der Reise, um zu beweisen, dass es stimmt, dass nach dem Schließen der Kreise was Neues beginnt.“
Ist es für dich nochmal eine neue Tür?
Ich weiß nicht, ob es wirklich eine neue Tür ist. Ich glaube, es ist eher vielmehr ein Statement. Diese Platte ist Miss Platnum 2015 und ich hab sogar fast ein Debütalbum gefühlt. Was ich voll geil finde, weil man nie so frei und unverkopft ist wie beim Debütalbum. Natürlich hatte ich eine Idee, wie es klingen soll, aber für mich war klar, es muss einfach den Songs dienlich sein und kein Rumgefrickel werden. Wenn ein Song bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht stand, dann war er halt raus. Da das letzte Album so lange gedauert hat, habe ich irgendwann alle Songs nochmal umgedreht und dadurch wurde es verkopft. Genau das wollte ich bei diesem Album absolut nicht. Was nicht heißen soll, dass „Glück und Benzin“ ungeiler ist, ich hatte einfach nur ein anders Gefühl.

Und gleich noch ein Zitat: „Die Wände beben vom Donner der Gleise. Spring auf den Zug, lass die Weichen entscheiden.“
Überlässt du viel dem Zufall? Oder wie ist das gemeint?
Nein, nein. Dafür bin ich viel zu sehr Kontrollfreak. Aber es geht darum, schneller Entscheidungen zu treffen. Das Leben bietet einem immer Gelegenheiten und du hast die Wahl zu sagen, ja mache ich oder eben nicht. Ich habe mir dieses Jahr gedacht, ich spring auf. Und so war das auch mit dieser Popstars-Sache.

Hast du trotzdem Zukunftspläne? Konkrete Ziele?
Ich lebe tatsächlich schon in den Tag hinein und wenn ich mal so Phasen habe,wo ich das nicht machen kann, weil alles durchgetaktet ist – das finde ich schrecklich. Ich brauche einfach meine Zeit und Raum, wo ich einfach nur machen kann. Aber natürlich gibt es Dinge, die ich plane wie zum Beispiel die Tour und die Veröffentlichung. Für mich muss jeder Tag ausgewogen sein. Das man immer das Gefühl hat, ja das ist jetzt Arbeit, aber trotzdem möchte ich auch jeden Tag was machen, das ich abgefeiert habe.

Das klingt jetzt ein wenig nach YOLO, ehrlich gesagt 😀
(Lacht) Ja , ok. Naja, ich bin zu alt für YOLO. Ich glaube, dass es auch einen Grund gibt, warum unsere Generation so lebt. Bei vielen funktionierenden Strukturen merkt man jetzt: Nein, die funktionieren so nicht mehr. Für viele Bereiche musst du nicht mehr studieren. Manche studieren jahrelang und dann kommt jemand, der nicht studiert hat und ist viel, viel krasser und weiter, weil er oder sie sich so weitergebildet hat, wie er/sie es für richtig gehalten hat. Früher war studieren ein Prädikat für Sicherheit und das ist es nicht mehr und das finde ich gar nicht schlecht. Wobei (lachend) Ärzte oder auch Anwälte schon studieren sollten.

SLEAZE.diva-miss-platnum_LaurieHast du das mit der Zeit gelernt? Du hattest dich doch auch einmal eingeschrieben.
Naja, da war ich drei Tage. Das war so ein Fake-Einschreiben. Ich bin nur froh, dass mir nach drei mal hingehen klar war. Nein, das ist Quatsch, hier jetzt ein paar Jahre abzusitzen. Nur um dann einen Plan B zu haben. Warum sollte man mit Plan B anfangen? Das macht halt keinen Sinn.

Um nochmal zur Planung zurückzukommen. Du hast ja „Mädchen“ als erst Single veröffentlicht. Ist es Zufall, dass du jetzt in der Popstars-Jury sitzt und es da um eine Mädchenband geht? Das wirkt ja alles sehr stimmig.
Ja! Komplett. Das war wirklich null geplant. Das Leben macht es oft zu einem Konzept.

Um bei dem Thema Popstars zubleiben. Du hast mal gesagt, dass du niemals als Kandidatin bei so etwas teilnehmen würdest. Warum?
Ja das habe ich gesagt und jetzt auch nochmal hinterfragt. Es ist gut, dass ich es nicht gemacht habe, weil ich ein Mensch bin, der die Sachen immer selber in die Hand nehmen muss. Ich kann nachvollziehen, dass das für ein junges Mädchen, die halt noch nicht genau weiß, wie ihr Album klingen könnte oder ob sie mit ihren drei Freundinnen eine Girlband machen will, das Richtige sein kann. Es kann ja tatsächlich eine Chance sein. Aber ich glaube auch, wenn man kein eigenes Konzept für sich dahinter hat dann bringt es einem auch nicht besonders viel. Dann wird man nur die ganze Zeit wie ein Ping-Pong-Ball in was reingeschleudert. Ich kann die momentanen Popstars-Kandidatinnen nur ermuntern, sich selbst ein Kopf zu machen, was sie eigentlich damit machen wollen.

Du hast ein paar Themen, die sich durch dein neues Album ziehen. Zum einen die Liebe in Songs wie Köpft die Flaschen, Dein Name und Lauf zu Dir. Ist das im Moment so ein krasses Thema bei dir?
Es ist nicht nur im Moment so, es ist immer so. Ich glaube, die Liebe und auch zwischenmenschliche Beziehungen ist das Komplizierteste und gleichzeitig auch Spannendste, was es gibt. Eine Liebesbeziehung ist so das Paradebeispiel dafür. Was man da so alles in die Waagschale wirft: sich öffnen, sich blank machen. Das alles ist ein wahnsinnig großes Feld für Emotionalität und ich bin auf jeden Fall ein emotionaler Mensch. Um ehrlich zu sein, liebe ich auch Drama.

Würdest du sagen, dass du dich in diesem Album mehr der Liebe gewidmet hast als auf deinen vorherigen Platten?
Vielleicht noch rigoroser. Ich spreche bei diesem Album die Sachen noch klarer an. Teilweise auch mit einer Wut, wie zum Beispiel bei „Dein Name“. Auch in einer Beziehung baucht man eine Reibungsfläche. Vor allem muss man es sich aufrecht erhalten, dass es immer noch zwei getrennte Menschen sind.

Ein weiteres Thema sind Hunde. Zum Beispiel in Bleib Rudel und Er‘s guter Hund. Hast du selber einen Hund oder woher kommt das?
Nein ich habe keinen Hund, aber der Hund ist für mich der treuste Freund des Menschen und man kann vieles auf ihn projizieren. Bei Er‘s guter Hund ist es ja ganz klar dass es nicht wirklich um einen Hund geht.

Ist Er‘s guter Hund ein Anspielen auf Bushidos Label Ers guter Junge?
Ne. Wenn, dann ist es eher eine Anspielung auf Rap. Das hat aber mit Bushido nichts zu tun.
Es gibt ja auch das Phänomen, dass sich Leute Hunde als Statussymbol kaufen oder auch diese Fotoreihen, bei denen sich Hundehalter und Hund extrem ähneln. Ich fand es echt geil, genau damit in diesem Lied rumzuspielen.
Und bei „Mein Rudel“ geht es um Wölfe. Ich weiß noch, wie lange ich als Teenager gebraucht habe, um mein Rudel zu finden, die Leute die ich als cool genug befunden habe, um mit mir abzuhängen. Ich glaube, jeder Mensch egal wie er drauf ist, findet immer die Menschen, mit denen er durch dick und dünn gehen würde. Sie sind einfach Familie. Und genau dafür steht Rudel.

Du hast zwei Songs, in denen du selbst glorifizierend über dich selbst singst. Wolltest du dich da ein wenig dem Rap annähern?
Du meinst Kanonen und Königin? Nein, ich habe das schon immer gemacht. Ich bin niemand, der mit seinem eigenen Auftreten sehr zurückhaltend war. Den gewissen Diva-Faktor feier ich selber ab. Ich finde im Übrigen, jede Frau sollte sich als Königin krönen und erhobenen Hauptes durch die Straßen gehen.

Glaubst du dass dieses Genre ohne sich selbst geil zu finden überhaupt funktioniert?
Es ist ja aus einer ganz anderen Bewegung her entstanden. Deswegen unterscheidet man heute auch in real und unreal. Ich finde es nicht so geil, wenn man eigentlich aus Zehlendorf kommt, in einer Villa wohnt und dann so tut, als ob man der krasseste Gangster wäre.
Ich mache Musik, die Rap beinhaltet, halte mich aber fern davon, mich selber als Rapperin zu bezeichnen. Obwohl ich von außen gerne mal als Rapperin bezeichnet werde.

Als Frau hat man es im Rap eh schwieriger, oder?
Mhh, weiß ich nicht. Es gibt schon richtig, richtig geile Rapperinnen. In der Musik allgemein ist es nun mal so, wenn du nicht die ganze Zeit deinen Arsch oder deine Titten in die Kamera hältst, dann ist es hart. Deswegen feier ich auch Künstlerinnen wie Missy Elliott. Die darauf einen Scheiß gegeben haben und die ganzen sexistischen Sachen so weggemacht haben. Ich hoffe auch, dass es immer mehr dahin geht, dass es egal ist, ob man eine Frau oder ein Mann ist. Und man nicht nur Erfolg hat, weil man einen Riesenarsch hat.

Hast du eine Platten im Regal, die du früher gefeiert hast, aber für die du dich jetzt schämst? Die andere komisch finden würden?
Ne, eigentlich nicht. Ich habe auch weder Britney Spears oder David Hasselhoff gehört. (Lachend) Ich habe von Anfang an einen ziemlich soliden Musikgeschmack.

Laurie

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