Videogames als Türöffner für die Geschichte

Videogames als Türöffner für die Geschichte

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Dass Gaming kein Randphänomen mehr ist, haben inzwischen auch die älteren Generationen gelernt. Neuere Umfragen zeigen, dass in Deutschland fast die Hälfte der Bevölkerung bereits in ihrer Freizeit Computer- und Videogames gespielt hat. Dennoch ist kaum ein anderes Hobby – immer noch – mit so vielen Vorurteilen behaftet.

Das klischeehafte Bild des Zockers ist noch weitverbreitet: ein Nerd, der den ganzen Tag daheim sitzt, sich ungesund ernährt und kaum Kontakt zur Außenwelt aufnimmt. Heutzutage ist aber das Einzelgängertum eher die Ausnahme, da viele die Begeisterung für Videogames mit Gleichgesinnten teilen und den Multiplayermodus für den sozialen Kontaktaufbau nutzen und sich so internationale Netzwerke aufbauen.

Trotzdem sehen Menschen, die nicht auf den Geschmack des Zockens gekommen sind, das „Rumgespiele“ weiterhin oft verächtlich als Zeitverschwendung mit wenig Lerneffekt. Doch wer sich ein bisschen in der Gaming-Welt auskennt, weiß, dass viele Settings und Handlungsverläufe von der realen Welt inspiriert sind und oft zu weiteren Nachforschungen ermuntern. Dazu zählen zweifelsohne Spiele, die direkt historische Ereignisse thematisieren oder diese als Nebenhandlung im Spielverlauf mit einfließen lassen. Wir schauen uns am besten mal ein paar Beispiele an.

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Echtzeitstrategie-Spiele als Einstieg in alte Kulturen

Zu den Klassikern der Echtzeitstrategie-Spiele mit historischem Setting gehört natürlich Age of Empires, das mit Verkaufszahlen in Millionenhöhe zu den erfolgreichsten der Gaming-Welt zählt. Die Fangemeinde liebt die Komplexität und Vielfältigkeit des Spiels, bei dem man gezwungen ist, durch wirtschaftliche und militärische Taktiken die ausgesuchte Zivilisation zum Sieg zu führen.

Dabei haben die Entwickler die Besonderheiten der einzelnen Kulturen unterstrichen und zu einem Teil der Spielstrategie gemacht. So triumphieren die Franken mit ihren Rittern und Burgen, während man bei Türken auf die Janitscharen setzen kann, die auch in Wirklichkeit zu den Elite-Einheiten des Osmanischen Reiches zählten.

Ähnliches gilt hinsichtlich des Lerneffekts auch für die Spielserie Caesar. Hier müssen Gamer eine römische Stadt aufbauen, verwalten und vor Angreifern schützen. Anders als bei Age of Empires stehen die Dienstleistungsaspekte und die Zufriedenheit der Bevölkerung im Vordergrund.

Die Details des Spiels verhelfen zu einem erfolgreichen Einstieg in die antike Welt. Bäder sowie Amphitheater sind zum Beispiel wichtige Elemente des Spiels, die zeigen, dass Freizeit und Entertainment ein wichtiger Teil des römischen Alltags war. Tatsächlich wurden Sport und Spiele von römischen Herrschern wie Claudius, Nero oder Augustus privat und öffentlich geliebt und gefördert.

Eine Zeitreise in die Vergangenheit mit Action-Adventure-Spielen

Ein weiteres erfolgreiches Genre bezüglich historischer Settings sind Action-Adventure-Games, wozu auch der von uns so geliebte Kassenschlager Assassin‘s Creed gezählt wird. Der Held des Spielers wird dabei gedanklich aus der Gegenwart in verschiedene Kulissen der Vergangenheit versetzt, um eine Verschwörung gegen die Assassinen zu verhindern.

Auch wenn der Handlungsverlauf fiktiv ist, geben die Handlungsorte die historische Atmosphäre wieder. Außerdem trifft man auf wichtige Persönlichkeiten aus der Vergangenheit. Folglich macht man in Assassin’s Creed Unity, welches sich im Paris des 18. Jahrhunderts abspielt, Bekanntschaft mit Napoleon und Robespierre.

Red Dead Redemption dagegen bedient sich der Thematik des Wilden Westens. Auch hier ist die Handlung hauptsächlich fiktiv. Der Protagonist ist ein früherer Gesetzloser und hat die Aufgabe, alte Gangmitglieder zu finden. Das Spiel zeigt erfolgreich die weiten Landschaften und die wilde Natur des amerikanischen Kontinents westlich von Mississippi. Das Freiheitsgefühl, das der amerikanischen Geschichte so eigen ist, findet im Spiel durch die Open-World-Strategie sein angemessenes Ausdrucksmittel.

Man kann die Settings und Handlungsabläufe in historischen Spielen oft nicht als Fakten hinnehmen, da natürlich viele fiktive Elemente zum Aufpeppen der Spiele hinzugefügt werden oder sich historische Fehler einschleichen.

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So sieht man in Assassin’s Creed Syndicate die Londoner Straßen im blitzblanken Zustand. In Wahrheit war die Stadt während der industriellen Revolution wegen der steigenden Bevölkerung und der Luftverschmutzung deutlich schmutziger und chaotischer.

Man kann jedoch behaupten, dass die Spiele das Interesse für vergangene Kulturen sowie geschichtliche Ereignisse und Persönlichkeiten wecken. So hat der eine oder andere mit Sicherheit einen Blick in die Geschichte Roms geworfen oder ein Gebäude auf der Spielkarte bei einem Stadtrundgang während einer Reise wiedererkannt. Und bei manch einem entzündet sich dadurch ein völlig neues Interesse, ganz abseits der Videogames.

Jens

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