VANS Slip-Ons – eine Hommage

VANS Slip-Ons – eine Hommage

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Ich weiß: Slip-Ons klingt wie Schlüpper für One Night Stands (ONS). Trotzdem liebe ich sie. Aus vielerlei Gründen, privat wie beruflich. Darum hier mal etwas persönlicher: eine Hommage.

SLEAZE + VANS Slip-Ons
Ist einen Ausdruck wert!

Als ich auf die Oberschule kam, wurden Äußerlichkeiten erstmals richtig wichtig. Es ging schließlich um den Fortbestand der eigenen Art (theoretisch zumindest…), und da musste man auf dem hart umkämpften Markt alles rauskehren, was man an gutem Geschmack hatte. Das ging zwar wortwörtlich in die Hose meist, aber mein Geschmack leitete mich zu Slip-Ons.

Das Obersleazel war damals noch modisch unter aller Sau (manche sagen, daran habe sich bis heut nichts geändert. Aber inzwischen sind für meine selbstbewusste Unterfläche diese Oberflächlichkeiten nur ein kaum wahrnehmbares Kitzeln. :D).

Gefühlt alle coolen Großen trugen sie. Damals noch ein Lemming, wollte ich auch unbedingt Slip-Ons haben. Nach viel Überredungskunst gegenüber den geldgebenden Erwachsenen (die einen gerade in der Pubertät nie verstehen) hatte ich endlich meine ersten Slip-Ons. Ich wusste allerdings nicht, dass es mehrere Firmen gab und anstatt der coolen Marke hatte ich mir Etnies gekauft. Oh no!!! Fauxpas galore!!!

Die Marke war eigentlich auch ganz cool, aber hey! Es ging um alles!!! Ich traute mich dann doch mit den Etnies in die Schule und überlebte den Tag ganz gut, weil alle auf meine ebenfalls neue froschgrüne Jacke achteten. Die war nämlich von Best Company, einer ganz schön teuren Marke. Da hatte ich offenbar einen Treffer gelandet, auch wenn sie eine Golf-Strickjacke war und wie gesagt: froschgrün.

Meiner Liebe zu Best Company und zu Slip-Ons tat das keinen Abbruch. Bis heute verehre ich beides und hoffe, dass Best Company anständig reanimiert wird. Etnies gibt es inzwischen zwar nicht mehr, aber dafür die Marke, die ich schon mit 15 (eigentlich) gut fand: VANS.

Arbeiten im Slip-On-Paradies

Während meines Studiums arbeitete ich in Fürth bei K2, dieser Ski-Firma, die irgendwie auch Inline Skates und das kurze Zeit berühmte Kickboard herausbrachten. Ganz nebenbei haben sie noch eine ganz anständige Snowboard-Untermarke namens Ride, obwohl K2 selbst auch Snowboards produziert.

Wie auch immer. K2 hat jedenfalls irgendwann Ende der 90er probiert, auch Klamotten und Sneakers herzustellen. Ich hatte das Glück, dort zu arbeiten, auch wenn Schuhe wie auch Klamotten nicht so richtig zündeten. Durch dieses Praktikum landete ich nach dem Studium bei VANS beziehungsweise der Berliner Agentur, die die PR für VANS im deutsch(sprachig)en Raum verantwortete.

SLEAZE + VANS Slip-Ons
Nicht echt ohne einen an der Waffel!

Weil der Chef dieser Agentur ein Choleriker und Idiot war, schmiss er die PR-Chefin raus und ich wurde innerhalb eines Monats vom Prakti (der später ein Mitarbeiter werden sollte) zum Chef. Ohne Einarbeitung, ohne Ahnung, aber mit viel Liebe für die Sneakers.

Das Problem war: VANS stellte kaum Geld zur Verfügung und eh man an die von den Medien gewünschten Sneakers kam, vergingen manchmal Wochen. Zum Glück war damals wieder mal Retro-Tend und alle wollten die Classics von VANS haben. Also die Sk8-Hi, Slip-Ons, Era und wie sie alle heißen. Die hässlichen modernen Sneakers, die ich immer Karstadt-VANS nannte, wurden ignoriert.

In dieser Zeit lernte ich die Marke und vor allem die Slip-Ons noch mehr lieben. Und das, obwohl sie bis heute kein anständiges Lüftungssystem haben. Wird dir in den Dingern zu heiß, musst du deine Ferse anheben und auf eine Wechselwirkung hoffen.

Urban, trashig, SLEAZE – nur ohne VANS

VANS kommt ja eigentlich aus dem Skateboarding. 1966 in Kalifornien begann der Aufstieg der Marke mit den kultigen Einbrüchen in die Häuser, um in deren leeren Swimming-Pools zu skaten usw. Nur: Ich mochte skateboarden noch nie so doll, ich war immer mehr der Snowboarder. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass der Flow beim Skaten oft fehlt. Man kommt einfach meist nicht auf Geschwindigkeit. Mir kommt das vor wie American Football mit den ganzen Unterbrechungen. Ich mag mehr Rugby, wo es fließt (auch wenn ich eigentlich keinen dieser beiden Sportarten wirklich toll finde). Aber: Das Urbane am Skateboarden gefällt mir dafür sehr und die lässige Kultur drumrum genauso.

Als ich nun SLEAZE gründete, das ja gerade in der Anfangszeit – Achtung, cheesy PR-Talk – sehr, sehr, sehr urban mit einem Hauch Rock-n-Roll war, dachte ich, VANS wird automatisch ein Anzeigenkunde von uns. Aber weit gefehlt. Bis heute ist nicht ein einziger Euro (oder eine andere Währung) in unsere Richtung geflossen.

Ein paar Slip-Ons haben wir verlost, ein paar bekam ich geschenkt, aber in demselben Zeitraum habe ich wahrscheinlich das Doppelte an Slip-Ons gekauft. Aber meist im Ausland, da in Deutschland die Classics inzwischen ganz schön teuer geworden sind. Unabhängig davon hat VANS es einfach fertig gebracht, Silhouetten zu schaffen, die so vielfältig sind, dass es einfach eine Freude ist und für jeden etwas dabei. Das ist z.B. auch eines der Punkte, warum ich die Classics von VANS lieber mag als die von Converse. Die einfarbigen Chucks sind mir einfach oft zu langweilig.

SLEAZE + VANS Slip-Ons
Aktueller Trage-Bestand zuhause…

Und im Gegensatz zu Nikes AF1s und Dunks, die ja auch eine unglaubliche Vielfalt aufweisen, empfand ich Slip-Ons nie als Sellout. Selbst dann nicht, als sie ihre Premium-Linie Vault / LX-auf den Markt brachten, die für Wanna-Be- oder Ex-Skater, die nun gemütlicher unterwegs sein wollten, gelauncht wurde.

Die Slip-Ons sind einfach unglaublich gemütliche Schuhe, ohne dass sie wie Hauspuschen wirken. Man kann sie zum Strand genauso anziehen wie auf einer Messe (was ich die Woche wieder machen werde), und diese Flexibilität wird den Slip-On auch die nächsten Jahrzehnte an meine Füße zaubern.

In diesem Sinne. Off The Wall! On The Feet!

da nil-Ons

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