Vane – Die ungeschliffene Spieleperle

Vane – Die ungeschliffene Spieleperle

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Man merkt es dem Spiel an. Es wirkt unfertig, spielerisch unsauber und technisch schwankt es zwischen Momenten der Erhabenheit und deutlich hervortretenden Bruchstellen.

SLEAZE + Vane
Kein Osterei, aber Überraschungen gibts trotzdem

Dennoch: Mit Vane haben die Entwickler der im japanischen Tokio angesiedelten Spieleschmiede Friend & Foe kürzlich ein Kleinod für die PlayStation 4 veröffentlicht, das mich auch im Angesicht aller Unzulänglichkeiten nicht mehr loslässt.

Der hat doch ’nen Vogel

Untergang und Wiederkehr. In der Rolle eines Kindes durchschreitest du in Vane eine von einem inbrünstigen Sturm umgebene Wüste, der gleichzeitig die natürliche Grenze des Handlungsortes markiert. Ruinen versunkener Strukturen zeugen vom Niedergang einer Zivilisation.

In allem Detail offenbart sich die Erzählung allerdings nicht. Es gibt keinen erklärenden Dialog, nur deine Reise durch die Weiten des Sandes mit ihren altertümlichen Bauten und Artefakten.

Damit erinnert das Spiel an interaktive Erlebnisse wie Fumito Uedas Ico, Shadow of the Colossus oder auch The Last Guardian ebenso wie an Playdeads Inside oder Limbo sowie Journey aus dem Hause Thatgamecompany. Allen diesen Spielen ist gemein, dass sie mit ihren so unterschiedlichen Welten unausgesprochene Geschichten erzählen.

Es gibt kein erklärendes Tutorial. Stattdessen führt das Gamedesign zu einem intuitiven Verständnis der vor dir liegenden Aufgaben, indem es etwa visuelle Impulse ausstößt, die zu einem Ort oder des Rätsels Lösung führen.

SLEAZE + Vane
The Wings of Change

Ein zunächst essenzieller Teil der Spielmechanik besteht in der Fähigkeit der Hauptfigur, sich bei größeren Stürzen in einen Vogel verwandeln zu können, den du anfangs durch die nur von Artgenossen bevölkerte Wüste steuerst.

So führt dich Vane einen Teil seiner etwa zwei bis vielleicht vier Stunden Spielzeit durch teils sehr unterschiedliche Örtlichkeiten, in denen das Wechselspiel zwischen Junge und Vogel unabdingbar für die Bewältigung kleinerer Herausforderungen ist.

Im Rausch des Sturmes

Und plötzlich drängt sich dieses Gefühl auf, nicht mehr davon ablassen zu können. Immer tiefer in diese so trostlose, melancholische und farbenfrohe und pulsierende Welt eintauchen zu wollen. Keines der Rätsel in der dreidimensionalen Welt dürfte für qualmende Köpfe sorgen, sodass der Spielfluss stets erhalten und ohne knackige Hürde bleibt. Vane gerät mit zunehmendem Herzschlag zu einem sich immer mehr verdichtenden audiovisuellen Sturm.

Das Spiel lässt irgendwann selbst die einfachsten Knobeleien hinter sich und treibt nur noch an. Es donnert, gewittert und das trockene Beige des Wüstensandes weicht zunehmend einem neonfarbenen, kryptischen Farbenspiel, das im pochenden Rhythmus eines mit brummenden Synthesizern angetriebenen Soundtracks vorantreibt.

Verliebt trotz Stottern

Die Erinnerung an die Verwandlung vom Jungen zum Vogel und zurück ist irgendwann eine blasse, während Vane nur noch die Richtung nach vorne kennt. Bis die Reise ihr Ende findet. Eine Reise, die durch technische Stottereien wie Bildruckler an den Umstand erinnert, dass es sich hier um das Debütwerk eines kleinen Teams handelt.

SLEAZE + Vane
Wüst(e) sieht’s hier aus.

Auch die Steuerung des Vogels geht zuweilen nicht flüssig Flügel in Flügel mit der spielmechanischen Idee der zu bewältigenden Aufgaben. Friend & Foe gelingt mit Vane trotzdem ein unberechenbarer Trip in eine mystische Welt, die sich vom anfänglichen Sand im Getriebe befreit und in einem Rausch mündet.

Alex

Titel: Vane
Publisher: Friend & Foe
VÖ: bereits erhältlich
Plattform: PlayStation 4

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