Valerian: Eine fahle Sci-Fi-Wundertüte voller Ideen

Valerian: Eine fahle Sci-Fi-Wundertüte voller Ideen

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SLEAZE + Valerian

Endlich hat er es geschafft. Mit rund 200 Millionen Dollar Budget im Rücken hat Luc Besson die von ihm verehrte Comic-Reihe Valérian et Laureline mit Valerian – Die Stadt der tausend Planeten fürs Kino adaptiert. Dem Regisseur von Léon – Der Profi und Das fünfte Element ist die Freude an seiner quietschbunten Space Opera in jeder Einstellung anzusehen. Dennoch erweist sich der Film in seiner nur äußerlich überbordenden Vielfalt als überladen, zusammenhangs- und leblos.SLEAZE + Valerian

Die Odyssee der titelgebenden Hauptfiguren Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) nimmt ihren Lauf, als eine dunkle Macht die Stadt Alpha bedroht, einer von unzähligen Spezies von tausend Planeten beheimateten Mega-Metropole, woraufhin sich die beiden auf die Mission machen, diese Macht aufzuspüren und zu stoppen.

Zwischen Gewöhnlichkeit und Overkill

Luc versucht, der interstellaren Reise hier früh einen Konflikt aufzudrücken, welcher als solcher nie wirkliche Zugkraft bekommt: Der etwas unbeholfene Valerian will die äußerlich dominante und unerträglich notorisch schlecht gelaunte Laureline heiraten. Eine altbekannte Figurenkonstellation, der im Verlauf des Films kaum so etwas wie die vielzitierte Chemie zwischen den Charakteren zukommt. Denn bis auf ein einfaches Jonglierspiel mit der Verschiedenheit der Charaktere, welches sich vor allem in allzu ausgenutzten Wortgefechten zeigt, weiß der Regisseur dem Zusammenspiel nichts hinzuzufügen. Ihr Konflikt ist scheinheilig und oberflächlich. Jeglicher Witz und alle Selbstverständlichkeit fehlen. Es ist, als sähe man zwei 08/15-Drehbuch-Elementen beim Versuch zu, lebendig zu sein. Natürlich ist es denn auch so, dass sie, trotz beruflich niedrigerer Rangordnung, die wahre Heldin des Duos ist.

Diese Inkonsequenz zieht sich so auch durch die Weltengestaltung des erstickend-überladenen Films. Er ist bunt, schrill und in seiner Ideenvielfalt das filmische Äquivalent von Aufgeblasenheit. Luc Besson schickt uns mit Valerian und Laureline auf zahlreiche Planeten. Die laden nur leider kaum zum Verweilen ein, denn trotz ihrer äußerlichen Diversität lässt er uns kaum einmal Zeit, wirklich in sie einzutauchen. Hinter jeder Einstellung muss offenbar eine weitere Idee versteckt sein, irgendein kleines oder großes Wesen, das einen Witz bereithält à la: Das süße Alien ist tatsächlich ein zähnefletschendes Monstrum.SLEAZE + Valerian

Valerian, ein einziges Gimmick

Dieser verzweifelte Drang nach Originalität findet seinen Gipfel in einem Auftritt Rihannas, die als körperlich wandelbare, außerirdische Lebensform inklusive mehrminütiger Tanzsequenz zu sehen ist. In einem von Ethan Hawke als skurril-verschrobener Besitzer betriebenen Club. So verkommt die Planeten-Tour leider früh zu einer einzigen, fahlen Wundertüte voller farbenfroher Gimmicks. Gimmicks allein tragen allerdings keinen Film. Denn die eigentliche Geschichte gerät bei aller Hyperaktivität vollkommen in den Hintergrund. Sie ist nur noch ein leises Summen in dem uns dargebotenen Haufen an zusammengeworfenen Einfällen, die sich unverschämt laut aufdrängen. Tatsächlich habe ich irgendwann den Punkt absoluten Desinteresses erreicht – der Tod jedes Kunstwerks.

Der bemüht wirkende Versuch von Individualität verkehrt sich so ins Gegenteil. So mag sich etwa keine der Kreaturen wie menschlichen Wesen wirklich ins Gedächtnis brennen. Ohne unnötige Vergleiche zu ziehen, aber: Erinnerst du dich an Sandleute, Ewoks & Co. aus Star Wars? An die Jedi-Kutte Luke Skywalkers oder die düstere Rüstung Darth Vaders? Um nur einige wenige Beispiele disziplinierten, konzentrierten Figurendesigns eines Genre-nahen Vertreters zu nennen, die ihren nicht minder erinnerungsträchtigen Welten Leben und inneren Zusammenhang verleihen. Valerian bleibt immerhin sein Hawaii-Hemd. Lustig.

SLEAZE + Valerian
Wem sie da wohl gerade grüßt?

Dieser beseelten Seelenlosigkeit weiß letztlich auch die technische Opulenz nichts mehr entgegenzusetzen, denn allzu deutlich hervortretende Künstlichkeit ist hier der vorherrschende technische Status Quo. Jeglicher Spezialeffekt verpufft auf seinem überaus wackligen Fundament fehlender Stringenz. Es ist, als sitze man in einer Art Tech-Demo, die in sich keine Geschichte zu erzählen weiß und so der Hässlichkeit krachend ausgeliefert ist. Die Technik an sich mag weit genug sein. Ihr Einsatz kann das nicht von sich behaupten. Valerian – Die Stadt der tausend Planeten bleibt so als äußerlich groß angelegtes, aber in seinem eigentlichen Wesen zu klein geratenes Sci-Fi-Abenteuer in Erinnerung, dem jegliche Lebhaftigkeit abgeht.

Alex

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