Unser Netflix-Orakel schaut in den April-Frühling

Unser Netflix-Orakel schaut in den April-Frühling

TEILEN

Den Frühling haben wir uns alle wohl anders vorgestellt. Andererseits ist der Frühling genau genommen genauso, wie wir uns ihn erhofft haben: babyblauer Himmel, durch kein Wölkchen getrübt, milde Temperaturen und die Apfelbäume und Orchideen blühen, als wäre es ein Wettkampf um Leben und Tod.

SLEAZE + Netflix-Frühling 2020
Die Community-Clique in bester Laune

Aber da kommt auch schon der Plot-Twist, der die ganzen erfüllten Hoffnungen für einen perfekten Frühling wieder zunichtemacht. Er wird Corona (oder von uns auch Corinna) genannt und im Gegensatz zu seinem Namensvetter, den wir eisgekühlt mit einer Limette garniert im Frühling eigentlich gut finden, zieht der einen ganz schön runter. Vor allem, weil er uns nicht wirklich das Wetter – oder eigentlich alles andere, was draußen passiert, – genießen lässt.

Da man ja nun gezwungenermaßen in der häuslichen Quarantäne festsitzt und alle herkömmlichen Frühlingsaktivitäten flachfallen, muss irgendwie die ganze zähe Zeit verbracht werden.

Und es wäre ja wohl nicht 2020, wenn dieses Loch nicht durch Netflix gestopft wird! Daher geben wir dir eine Zusammenfassung der Serien- und Filmhighlights des Monats, die dich hoffentlich auf der Couch fest- und von exotischen Fledermausviren fernhält.

Neue Serien und Serienstaffeln bei Netflix im April:

Community, Staffel 1-6 (1.April)

Kein Aprilscherz, gleich zu Beginn des Monats veröffentlicht Netflix alle 110 Folgen der kultigen Comedyserie. Seit die Sitcom 2009 zum ersten Mal auf dem US-Sender NBC lief, sorgte sie für ordentlich Furore, sowohl unter Zuschauern als auch unter Kritikern.

Mit absurdem Humor, schrägen Charakteren und allerhand Anspielungen auf die Popkultur traf sie genau den Zahn der Zeit und brachte wieder frischen Wind in die Ende der 2000er etwas lahm gewordene Comedy-Landschaft.

Schon nach der ersten Folge weiß man, dass man alle anderen auch noch sehen muss. Am besten sofort. Die „Geschehen“ (in Anführungszeichen, denn meistens sind die Episoden so was von abgedreht, dass man sie wirklich nur noch als Geschehen und nicht als Story bezeichnen kann) spielt sich an einem Community-College ab, was sowas wie eine günstigere Collegevariante in den Staaten ist.

Der Mittelpunkt dieses „Geschehens“ ist eine bunt zusammengewürfelte Spanischlerngruppe (der Spanischlehrer heißt Señor Chang und ist ungefähr so spanisch wie die chinesische Mauer), die unter anderem aus Donald Glover, besser bekannt als Childish Gambino, und einem in die Jahre gekommenen Chevy Chase, der hier seine beste Rolle seit den National Lampoon-Tagen spielt.

Vermutlich wurden die Drehbücher von einem Zehnjährigen mit Aufmerksamkeitsdefizit, einer psychotischen Filmstudentin und einem Affen auf Speed verfasst. Und das ist voll und ganz positiv gemeint, denn diese doppelte Ladung Schrägheit ist das beste Mittel gegen den Quarantäne-Blues.

Haus des Geldes, Teil 4 (3. April)

Wie viele spanische Fernsehserien kennst du? Schon mal von The Ministry of Time gehört? Nein? Oder von Élite? Vermutlich nicht, wären aber ein paar Beispiele dafür, dass gute Serien nicht immer nur aus Amerika kommen müssen, sondern auch mal aus dem mediterranen Raum.

Das Beispiel, welches vermutlich jeder kennt, ist aber vermutlich der Überraschungshit Haus des Geldes. Die Serie lief zum ersten Mal 2017 im spanischen Fernsehen, wo Netflix sofort den Erfolg witterte und sich die internationalen Rechte sicherte. Vermutlich, weil Netflix mittlerweile selbst als ein Haus des Geldes bekannt ist.

Im Gegensatz zur spanischen Version entschied man sich aber dazu, die Folgen anders zu schneiden (statt 70 Minuten 45 Minuten, dafür halt mehr Folgen) und statt in Staffeln in „Teilen“ herauszubringen, was im Grunde dasselbe wie Staffeln ist, aber halt irgendwie gehobener und künstlerisch wertvoller klingt. Ändern tut das jedenfalls nichts.

SLEAZE + Netflix-Frühling 2020
Wo viel Geld ist, sind Waffen nicht weit.

Wie auch immer, nun kommt jedenfalls die lang ersehnte vierte Staffel, äh Pardon, der vierte Teil ins Netz. War nach dem üblen Cliffhanger im vorherigen Teil ja aber auch klar. Es wurde ja immerhin Krieg ausgerufen und Nairobi (die Bankräuberin, nicht die kenianische Hauptstadt) wurde von einem Scharfschützen fies in die Brust getroffen.

Genaueres über den weiteren Verlauf der Handlung, die sich um eine Gruppe äußerst smarter Banditen und die mit ihnen verworrenen Intrigen und Liebschaften dreht, gibt es aber bisher noch nicht. Itziar Ituño, die im vorherigen Teil die ehemalige Ermittlerin Raquel spielte, verriet aber unlängst in einem Interview, dass es „nicht gut für sie laufen“ wird. Auweia.

Hyena (18. April)

Wenn man sich in den letzten Jahren in Sachen Bewegtbild auf ein Land verlassen konnte, dann war es wohl Südkorea. Eigentlich alles, was aus dem Land der Morgenfrische (ja, das ist tatsächlich der Spitzname Koreas, wir haben es gegooglet) zu uns rüber schwappt, wird von der westlichen Welt der Kritiker mit Juhu aufgenommen und als Kult abgestempelt.

Mit Sicherheit gibt’s da drüben auch eine ganze Menge Schwachsinn im Fernsehen und im Kino, aber davon kriegen wir hier zum Glück nichts mit. Wir bekommen nur die Perlen.

So wie die neue Serie Hyena, die sich mit den bissigen Anwälten befasst, die nur für das obere ein Prozent, die Superreichen, arbeiten. Die Protagonisten sind Jung Geum Ja, eine junge Anwältin in Seoul, die sich in einem Limbo zwischen Gesetz und Gesetzlosigkeit, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Ethik und Korruption bewegt, und einen Überlebenswillen wie eine Hyäne besitzt.

Und außerdem der dezent zwielichtig daherkommende Yoon Hee, der das Gesetz mal eben so zurechtbiegt, wie es seinen stinkreichen Klienten grade mal passt.SLEAZE + Netflix-Frühling 2020

Wer auf ein spannendes Anwaltsdrama mit Asia-Touch und einer guten Prise „Eat the rich“-Mentalität steht, ist mit Hyena sicherlich gut beraten.

The Last Kingdom, Staffel 4 (26. April)

Vermutlich haben alle, die nach dem Ende vom High-Fantasy-Giganten Game of Thrones immer noch Lust auf kernige Typen mit Schwertern in der Hand haben, angefangen, The Last Kingdom zu gucken.

Eine gute Entscheidung, denn die Historienserie, nach der Uhtred-Saga von Bernard Cornwell, ist, was dieses Themengebiet angeht, der aktuelle Favorit. Während das vergleichbare Vikings etwas an Fahrt verloren hat, kann einen die BBC-Produktion selbst nach drei Staffeln noch vor den Fernseher bannen.

In der Uhtred-Saga begleitet man den gleichnamigen Helden im England des 9. Jahrhunderts. Die Nordmänner haben große Teile der britischen Insel erobert und der arme Uhtred (Alexander Dreymon) gerät zwischen die Fronten.

Denn großgezogen wurde der gebürtige Angelsachse von Wikingern, seit der Rückkehr in die alte Heimat kämpft er aber auf englischer Seite, was natürlich zu einigen blutigen Konflikten darüber führt, wem denn nun seine Loyalität gehört. Eins ist jedenfalls klar, die Rückeroberung seiner Heimat Bebbanburg steht an oberster Stelle.

Neue Filme bei Netflix im April-Frühling

Coffee & Kareem (3. April)

Wir lieben ja Wortspiele. Daher freuen wir uns auch ganz besonders auf dieses neue Netflix-Kleinod, das einem schon allein wegen des Namens Lust macht, es zu sehen.

Wie Kaffee und Sahne, zwei Dinge, die an sich nicht unterschiedlicher sein könnten, aber zusammen gemischt doch sehr gut funktionieren, sind auch die beiden Helden des Films. Während der Cop James Coffee (Ed Helms, die Zahnarzt-Nase aus Hangover) seine neue Beziehung zu Vanessa genießt, plant ihr geliebter zwölfjähriger Sohn Kareem (Terrence Little Gardenhigh) schon ihre Trennung.SLEAZE + Netflix-Frühling 2020

Um den nervigen neuen Freund zu verscheuchen, versucht der kleine Tunichtgut ein paar üble Kriminelle anzuheuern, die sich eben diesem annehmen sollen. Natürlich geht so einiges schief, und die Familie gerät ins Schussfeld eines kriminellen Netzwerks, weshalb sich das uneine Duo zusammenraufen muss, um den einzigen gemeinsamen Nenner zu schützen: Vanessa.

Klar, die Story hat man so oder so ähnlich schon tausendmal gesehen, aber seien wir mal ehrlich: Wenn die Formel funktioniert und ein paar neue Kniffe mit drin sind, kann man auch mit nicht ganz heißem Kaffee noch Spaß haben.

Sergio (17. April)

Ein ungewöhnlicher, ja fast irritierender Anblick: Wagner Moura, der Pablo Escobar in Narcos verkörperte, ohne dessen ikonischen Oberlippenbart. Was aber bleibt, ist das Genre. Sein neuer Film, der am Sundance dieses Jahres seine Premiere feierte, ist wieder mal ein Biopic.

Erzählt wird die bewegende Geschichte von Sergio Vieira de Mellohas. Der Brasilianer verbrachte den größten Teil seiner Karriere als führender UN-Diplomat in den instabilsten Regionen der Welt und führte geschickt Geschäfte mit Präsidenten, Revolutionären und Kriegsverbrechern, um das Leben der einfachen Leute zu schützen.SLEAZE + Netflix-Frühling 2020

Während seines letzten Einsatzes im Irak gerät er aber ins Chaos, das auf den Anschlag im Canal Hotel in Bagdad folgt. Während die Wände des westlichen Refugiums in dem vom Krieg zerrütteten Land um ihn herum zusammenbrechen, lässt er sein Leben Revue passieren, mit all seinen Entscheidungen über Ambitionen, Familie und Liebe.

Was erst einmal etwas schwülstig klingt, ist aber im Grunde eine gut erzählte Studie eines Charakters, über den es sich lohnt zu reden. Zwischenmenschliche und innerliche Probleme werden ebenso aufgegriffen wie jene aus der Weltpolitik.

Crazy Rich (27. April)

Crazy Rich, im Ursprungsland als Crazy Rich Asians gelaufen, ist ein besonderer Film. Er ist einer der wenigen Hollywoodfilme, dessen Besetzung nur aus nichtweißen Schauspielern besteht. Die zwei Hauptdarsteller sind asiatisch-stämmig (Constance Wu ist taiwanesische Amerikanerin, Henry Golding malaysischer Brite), der restliche Cast und Regisseur Jon Chu sind es auch.

Und das ist auch eigentlich echt mal angebracht, immerhin leben gut 21 Million Menschen mit asiatischer Herkunft in den Staaten. Und was kriegt man so in den Mainstream-Medien von deren Kultur mit? Nix.

Aber anstatt aufgesetzt und trocken diese Kultur vermitteln zu wollen, ist Crazy Rich eine lockere Rom-Com, die auf Humor und Herzlichkeit setzt und generell eher an den Charme von klassisch-romantischen Komödien längst vergangener Tage erinnert.

Der Film handelt von der New Yorker Ökonomieprofessorin Rachel Chu, die ihren Freund Nick Young in seine Heimat Singapur begleitet und dort seine absurd reiche Familie kennenlernt.

Und die hält Rachel für eine dahergelaufene Amerikanerin, die außer einer chinesischen Mutter nichts mit der chinesischen Kultur zu tun hat. Wie sich aber herausstellt, haben die asiatischen Superreichen selbst weniger mit fernöstlicher Tradition zu tun, als sie es gerne wahrhätten.

Crazy Rich ist eine gut gelaunte, selbstironische romantische Komödie, genau das richtige für einen gemütlichen Abend in der Coronantäne, bei dem man das ganze gruselige Geschehen in der Welt da draußen für zwei Stunden einfach mal vergessen kann – selbst wenn Frühling ist.

Simon

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen