Ufo361 – Dem Trap-Hype auf der Spur

Ufo361 – Dem Trap-Hype auf der Spur

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„Ihr wisst Bescheid, ja.“ – welcher Trap-Rap-Fan denkt da nicht sofort an Ufo361? Im vergangenen Jahr hatte der Kreuzberger Rapper ganz groß das Ende seiner Musik-Karriere angekündigt.

Mit dem letzten Konzert der Stay-High-Tour nahm der 31-jährige (T)Rapstar von seinen Fans Abschied, den er unter dem Motto R.I.P. Ufo361 als seine Beerdigung inszenierte: Auf der Bühne ein Foto von Ufo mit Kerzen und Blumen, die Fans, die ganz in schwarz gekleidet erscheinen, tragen R.I.P.-Schilder in den Händen.

SLEAZE + UFO361
Ufo361 letztes Jahr mal wieder live in Action!

Das wars also mit dem Berliner Cloudrap-Trap-Star, so schien es… Doch ehe man sich versieht, promotet der Rapper die nächsten Songs und steht wieder auf Festival-Bühnen wie dem Splash, wo er uns hart beeindruckte! Wait, what?? Ufo361 ist also doch wieder zurück? Oder war er überhaupt jemals weg? Und vor Kurzem hat er sogar ein neues Album veröffentlicht? Also alles ein billiger PR-Trick?

Bis hierhin hat Ufo eine lange Reise durch die Deutschrap-Szene hinter sich. Wo und wann begann diese Reise? Wo hat er Spuren hinterlassen?

„Als kleiner Bengel schon mit elf Jahren war ich straff.“

(rappt Ufo in einem Song mit den Bellini Boyz)

Du fragst dich sicherlich, was es eigentlich mit Ufos Künstlernamen auf sich hat. Ufo361 – das ist eine Mischung aus Ufuk, seinem Vornamen, und den alten Postleitzahlen von Kreuzberg. Bis zur Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen im wiedervereinigten Deutschland wurde der östliche Teil Kreuzbergs mit 1000 Berlin 36, der westliche Teil mit 1000 Berlin 61 nummeriert. 361 steht also für Kreuzberg. Ist doch klar. Denn das ist Ufos Hood, hier ist er geboren und aufgewachsen.

Schon in seiner frühen Jugend kam Ufo mit der Hip-Hop-Szene in Kontakt und von da an hatte er entweder das Mic oder die Sprühdose in der Hand. Mit der Berliner Sprayer-Gang THC zog der Rapper zehn Jahre lang durch Berlins Straßen.

„Als ich meinen ersten Tag gemacht hab‘ war ich dreizehn.“

(mit dieser Line beginnt ein Song aus Ufos Solo-Album Ihr seid nicht allein)

Unter dem Label Hoodrich veröffentlicht Ufo seine erste Solo-EP Bald ist dein Geld meins (2012) und sein Debüt-Album Ihr seid nicht allein (2014). Da fliegen einem bassig-rostige Oldschool-Boombap-Beats mit zackigen Punchlines um die Ohren. Aber Ufo scheint auch sehr experimentierfreudig zu sein: Man stolpert immer wieder über Trap-, Dubstep-, Funk- oder Reggae-Sounds.

Zwischen Disstracks und Songs übers Rap-Game geht es in seinen Texten um Partys, Frauen, Kiffen & Co. In seinem ersten Solo-Album hat Ufo dann aber doch noch ein paar wichtigere Dinge zu sagen: Er geht, wie auch in verschiedenen Interviews, auf sein Leben als Kind und Jugendlicher im sozialen Brennpunkt Kreuzberg ein. Ufo erzählt von seinen Anfängen als Sprayer und den Kreuzberger Straßen und Menschen.

Für den Oldschool-Ufo war 2Pac eine große Inspiration und er widmete der US-amerikanischen Rap-Legende sogar einen Song auf seinem Ihr seid nicht allein-Album. In einem Interview mit BackspinTV erzählt Ufo, wie sehr ihn 2Pac in seiner Jugend geprägt hat:

„[…] Ich hab‘ HipHop durch diesen Typen kennengelernt […]. Ich hab‘ eigentlich nur 2Pac gefeiert […]. Er hat mich sehr […] zu dem inspiriert, was ich jetzt mache […].“

Nach dem Release von Ufos Debütalbum kommt es zur Auflösung von Hoodrich und so muss der Kreuzberger Hip-Hopper neue Wege gehen. Und – BAM – er geht direkt durch die Decke. Mit der Video-Single Ich bin ein Berliner gelingt Ufo 2015 der Durchbruch. Der Track geht – mit Support von Deutschrap-Größen wie 187 Strassenbande und Fler – viral und wird damit nicht nur zum Fundament von Ufos heutigem Erfolg, sondern zur Hymne der Deutschrap-Szene.

Daran angelehnt haut Ufo in Eigenregie eine EP-Trilogie raus: Mit Ich bin ein Berliner, Ich bin 2 Berliner (2016) und Ich bin 3 Berliner (2017) schießt Ufo immer höher in die deutschen Charts. Doch was von da an aus den Bluetooth-Boxen der Kids pumpt ist nicht mehr das, was man von Ufo kennt. Es ist neu. Es ist der (neue) Südstaaten-Sound. Es ist waschechter Trap.

Richtig fetter Bass, eine high-pitched Snare zwischen einer scharf-gallopierenden Hi-Hat: Das sind jetzt die maximal gehypten Beats, auf die Ufo mit einer ganz neuen Stimme rappt. Er klingt weniger hart, jault etwas mehr und legt hier und da Autotune-Effekte drüber. Seine nicht so wahnsinnig hochwertigen Texte drehen sich dabei weiterhin um Haters, Bitches, Cash und Codein. 

Einige Features gibt es auch zu hören: Ufo rappt zusammen mit in der Szene etablierten Künstlern wie Sido, Haftbefehl, RAF Camora und Yung Hurn.

„[…] und dann habe ich das gemacht, was ich zu der Zeit auch wirklich gefeiert habe. Ich habe tagtäglich Future und Migos gepumpt.“

(erzählt Ufo im Interview mit dem SplashMag über das Ich bin ein Berliner Album)

Mit seinem neuen Sound – man möge ihn feiern oder auch nicht – hat es Ufo361 in die deutschen Charts geschafft. Und das ganz ohne Major-Label und Plattenvertrag. Aber nicht nur sein Musikstil hat neue Farbe gekriegt, der Rapper hat sich im Zuge des Stilwechsels mit goldig-glitzernden Grillz, die auch auf den Ich-bin-X-Berliner-Covers prangen, einen ganz neuen Anstrich verpasst. Damit das klar ist:

„Gewöhnt euch mal dran, denn so werd‘ ich jetzt klingen.“

(rappt Ufo in Bombay Gin vom Album IBEB)

SLEAZE + UFO361
Ufo361 auf dem Sputnik Springbreak 2018

Ufo fährt also genau auf dem richtigen Gleis, oder besser gesagt: Er rast davon. Ende 2017 gründet er ein eigenes Label Stay High und veröffentlicht im folgenden Jahr gleich zwei Studio-Alben: 808 und VVS. Aus der Text-Themen-Kiste kramt Ufo kaum Neues hervor.

Aber: Er entwickelt seinen Stil mit Cloud-Rap-Elementen weiter. Autotune-Effekte etablieren sich als fester Teil seiner Rap-Stimme, die jetzt, umhüllt von spärischen Synth-Klängen, einen softeren Flair inne hat.

808 hat aber auch düstere Seiten: Ufo will seine Fans wissen lassen, dass in seinem Party-Star-Life bisher auch nicht immer alles glatt lief. Im Song Alpträume legt er auf theatralische Art offen, dass vor allem die Zeit vor seinem Durchbruch, in der er Angst hatte seine Fans zu enttäuschen, eine große Belastung für ihn war. Wie authentisch diese verletzliche Seite von Ufo wirklich ist, sei mal dahingestellt.

„Ich stand kurz vor ‘nem Burn-Out. Die Leute sagten ‚Ufo, hör auf!‘.“

(rappt Ufo in Alpträume vom Album 808)

Tja, und so plötzlich, wie Ufo361 die Deutschrap-Szene umgekrempelt hat, so plötzlich kündigt er sein Karriere-Aus an. Und noch viel plötzlicher gibt es neue Lebenszeichen von dem Trap-Überflieger. Jetzt sind wir also wieder an dem Punkt gelandet, an dem unsere Reise mit (dem) Ufo heute begonnen hat.

„Keiner hat geahnt, dass die Wave kommt.“

(rappt Ufo in Wave vom Album WAVE)

Dann werfen wir doch mal einen Blick in Ufos neuestes Werk: Wer auf den Spotify-Button klickt, erwartet sicherlich einen lospreschenden Trap-Galopp.

Stattdessen lässt Ufo es etwas ruhiger angehen: Das Intro empfängt einen mit sanften E-Gitarren-Melodien, Delfingeräuschen, Meeresrauschen und einer beinahe schwebenden Ufo-Stimme, bis dann die Ufo-typischen Trap-Beats mit dröhnendem Bass einsetzen. Die ziehen sich dann so durch die Songs, auf denen es neben Kontra K, RAF Camora und KC Rebell auch ein Feature mit dem amerikanischen Rapper Gunna zu hören gibt.

SLEAZE + UFO361
Ufo361 beim RAR 2018,

Und wie sollte es anders sein: Die 17 Trap-Tracks handeln vor allem vom Rapstar-Life mit „viel zu teuren Jeans“, „zu viel Drip“ und „Backstage voller Bad-Girls“. Im selben Atemzug kritisiert Ufo die verschwenderische Ignoranz der Menschen, die im Luxus leben: „Schmeiß mit deinem Geld rum während andere am Hungern sind.“ Ob man ihm die Kritik abnimmt, wenn er doch schon seit Jahren in seinen Songs übers „High-Life“ rappt?

Eins ist jedenfalls klar: Der Ufo-Hype bleibt real. Und er zeigt auch, dass es, um heutzutage mit Musik (zumindest in der Deutschrap-Szene) erfolgreich zu sein, wohl eher auf gute Beats und die richtigen Vibes als auf Texte mit Köpfchen und facettenreichen Themen ankommt.

„Ihr wisst Bescheid, ja.“ Na dann, mal sehen, womit uns der Trap-Rapper das nächste Mal überrascht.

Nele

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