Türsteher PXC 550

Türsteher PXC 550

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Der PXC 550 ist ein Türsteher-Android, der ab sofort hoffentlich die unfreundlichen Pumper an Berlins Türen ersetzt. Ähm…nein. In Wirklichkeit ist der PXC 550 Wireless ein Kopfhörer von Sennheiser, der als Ohren-Türsteher fungiert. (Gute) Musik und Geräusche dürfen rein in die kuschlige Muschel, die Außengeräusche sind leider nicht VIP genug und müssen draußen bleiben.

Die Zwei-Klassen-Gesellschaft

Das Gute ist: Dank der Wireless- aka Bluetooth-Funktion muss nicht mal so eine peinliche Kordel gespannt werden wie in so vielen Clubs, die wichtig von unwichtig trennt. Denn bei dem Sennheiser funktioniert das ohne Kabel und Kordel.

SLEAZE + Sennheiser PXC 550
Kabellos schön im Zentralpark.

Ich persönlich sehe das inzwischen als Pflichtfunktion, weil Kabel einfach schon immer genervt haben. Aber kann der PXC überzeugen oder ist er so ein Wanna-Be-Türsteher ohne echte Power? Wir haben in ausgiebigen Trainingscamps in New York, Tallinn und dem kroatischen Pula auf Herz und Nieren und Kabel und Membran getestet.

Sennheiser brauchte etwas Zeit, um die neuen Standards einzubauen. Technisch und akustisch waren gerade die höherwertigen Kopfhörer der Marke jederzeit top, aber so schlichte Sachen wie einen Faltbügel, Bluetooth oder eine „Fernbedienung“ im Kopfhörer integriert kamen relativ spät.

Selbst der ansonsten in jeder Hinsicht wunderschöne Momentum Wireless hatte z.B. noch Ende 2016 nur eine Lautstärke-Regelung am Kopfhörer, aber kein Song-Skipping (und nebenbei war die Lautstärke-Regelung zu tief angebracht, so dass im Winter der Jackenkragen öfter die Lautstärke verstellte). Der PXC erschien auch bereits 2016, aber er soll diese Probleme nicht haben. Wir sind gespannt.

Zunächst einmal begeistert, dass Handy und Kopfhörer sich sofort finden. Das mag selbstverständlich sein, aber auch heute noch kann man viele Kopfhörer sogar neben das Telefon legen und trotzdem finden sich die beiden Blauzähnchen erst nach mehrmaligen Wiederholungen.

Also Kopfhörer auf, auf die merkwürdige Kopfform meines Hauptes einstellen, und die Musikliste mit den Testliedern aufrufen. Die Muschelpolster liegen sehr weich und angenehm auf den Ohren. Allerdings merke ich schon nach kurzer Zeit, dass der Klassiker der Bügelprobleme auch hier vorhanden ist. Zwar nur wenig, aber trotzdem.

Der Bügel hat natürlich eine gebogene Form, weswegen eine gewisse Spannung enthalten ist. Ist die Halterung zu stark gebogen, drückt er Ohren und Kopf zusammen, ist er zu weit auseinander, rutscht er. Es hat noch keine Kopfhörer-Firma einen Bügel kreiert, der sich dieser Problematik annimmt – auch der PXC drückt leider ein wenig auf Dauer.

SLEAZE + Sennheiser PXC 550
Drehung muss sein (btw mit WTC im Hintergrund 😉 )

Etwas blöd – aber auch leider Standard – ist, dass man den Akku nicht auswechseln kann. Und auch die Funktion, dass die Kopfhörer ausgeschaltet werden, wenn man die Ohrmuscheln dreht, ist nicht optimal. Denn ich habe z.B. die Kopfhörer oft aus Platzgründen weiterhin um den Hals – und das ist mit der Drehung nicht so gemütlich. Ich muss sie also entweder anlassen oder weniger Tragekomfort in Kauf nehmen.

Leiser dank Sennheiser

Doch kommen wir zum Wesentlichen: Sound! Wie zu erwarten, liefert der Sennheiser Erstklassiges: Saubere Höhen bei allen Liedern und ein sehr rundes Klangbild werden vom Türsteher eingelassen. Doch was können die Tiefen? Normalerweise machen ja die Höhen immer Stress, aber als Hip-Hop-Kopp stehe ich mehr auf Tiefen. Und die sind einfach überragend. Egal, ob weiche Bässe oder technoide Magenschläge, die Tiefen sitzen präzise und ergänzen die Höhen und Mitten exzellent.

Auch die gerade beim Reisen wichtige Funktion Geräuschunterdrückung lieferte über 100%. Auf dem Flug schaute ich damit Filme mit so guten Sound wie noch nie in einem Flugzeug und auf dem nach Tallinn saß ich unglücklicherweise in einer Propellermaschine genau neben einem der recht lauten Propeller. Ich holte den Sennheiser NoiseGuard und schon umgab mich himmlische Stille – und ich konnte das spannende Buch Zwei Schwestern von Åsne Seierstad weiterlesen (Rezi folgt demnächst).

Fernbedienung: bedient oder verdient?

SLEAZE + Sennheiser PXC 550
Außengeräusche haben keinen Einlass.

Abschließend interessiert uns natürlich, wie Sennheiser die Bedienung beim PXC gelöst hat – und ob das Ganze durchdacht ist und funktioniert. Auf der rechten Ohrmuschel gibt es ein Touchpad, Sennheiser nennt das Trackpad. Das ist für Grobmotoriker wie mich manchmal etwas heikel, aber ansonsten sinnvoll.

Vorteil: Der Türsteher lässt dadurch auch Staub nicht so leicht eindringen. Zieht man den Finger an der rechten Muschel nach oben oder unten, regelt man die Lautstärke. Wischt man nach vorn oder hinten, springt man in der Musikliste.

Abgesehen davon, dass ich beim Song skippen hin und wieder die Pause“taste“ getroffen habe und somit unfreiwillig die Übertragung unterbrach, ist die Bedienung sehr praktisch.

Fazit: Wie zu erwarten, ist auch dieser Kopfhörer absoluter Sennheiser-Standard. Der Sound ist perfekt und bis auf ein paar Kleinigkeiten bei Technik und Komfort findet man einfach nichts Ernsthaftes zum Meckern. Er hat das Zeug, die nächsten Jahre mein Lieblingskopfhörer werden.

danilo

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